Raf Simons Schichtwechsel bei Jil Sander


Raf Simons hat bei den Mailänder Herrenmodeschauen seine ersten Kreationen für Jil Sander gezeigt. Der Belgier gilt in der Branche als Impulsgeber, steht aber unter enormen Erfolgsdruck.

Nur eine Zehntelsekunde lang habe er überlegen müssen, den Job anzunehmen, sagt Raf Simons, neuer Chefdesigner bei Jil Sander. Am Sonntag präsentierte der Belgier in Mailand mit der Männerkollektion Herbst/Winter 2006/07 seine ersten Entwürfe für das seit 1999 zum italienischen Prada-Konzern gehörende Label mit Ursprung in Hamburg. Der 37-Jährige über seine Pläne bei Jil Sander:

Als Prada-Chef Patrizio Bertelli Sie vor einem Jahr fragte, Jil Sanders Nachfolger zu werden, wie lange haben Sie gezögert?

Mental vielleicht eine Zehntelsekunde. Jil Sander ist eines der wenigen Labels, bei dem ich mir sicher war, mit ganzem Herzen dabei sein zu können. Die Werte, für die Jil Sander steht, decken sich mit dem, an was ich glaube.

Sie haben in der Vergangenheit oft erklärt, die Nachhaltigkeit Ihrer Ideen sei Ihnen wichtiger als der kommerzielle Erfolg. Bei Jil Sander aber wird genau der von Ihnen erwartet. Wie lösen Sie diesen Widerspruch für sich auf?

Natürlich weiß ich, was man von mir verlangt. Ich habe im Prinzip aber schon vor drei Jahren erkannt, dass ich das System zwar kritisieren kann, aber dennoch ein Teil davon bin. Und das es dann besser ist, sich damit zu arrangieren. Ich fühlte mich also bereit für diese Aufgabe. Patrizio Bertelli ließ mir die Zeit, mich in Ruhe vorzubereiten. Ursprünglich sollte ich bereits die Sommerkollektion 2006 entwerfen, das habe ich aber abgelehnt.

Mit Ihrer sehr puren Debütkollektion gehen sie zurück zum Ursprung des Jil Sander-Stils. Eine Hommage?

Es war sowohl mir als auch dem Unternehmen wichtig, mit der ersten Kollektion die Essenz der Marke herauszustellen. Das hieß, alles Überflüssige zu eliminieren und mich auf das Wesentliche zu beschränken: Materialien und Form. Ich wollte Respekt für Jil Sanders Lebenswerk zeigen, aber keine Archivarbeit abliefern. Deshalb habe ich mit neuen Volumen und Proportionen eine moderne Silhouette entwickelt. Für mich ist die Zeit der körpernahen Linie vorbei.

DPA DPA

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