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Filmpreis "César": Regiepreis für Polanski: Schauspielerin Adèle Haenel stürmt empört aus dem Saal

Trotz heftiger Proteste ist Filmemacher Roman Polanski in Paris mit dem "César" als bester Regisseur geehrt worden. Schauspielerin Adèle Haenel verließ daraufhin empört den Saal.

César 2020: Proteste gegen Roman Polanski bei Filmpreisverleihung in Paris

Filmemacher Roman Polanski ist in Paris mit dem wichtigsten französischen Filmpreis "César" für die beste Regie ausgezeichnet worden - obwohl es im Vorfeld heftige Proteste gegen den 86-Jährigen gegeben hatte. Polanski selbst blieb der Verleihung allerdings fern, trotzdem war die Empörung groß.

Unter anderem hatte sich Frankreichs Kulturminister Franck Riester gegen eine solche Auszeichnung für den mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontierten Regisseur ausgesprochen. Ein Preis für Polanski wäre "ein schlechtes Symbol" im "Kampf gegen sexuelle und sexistische Gewalt", sagte Riester. Die Jury müsse ihrer Verantwortung gerecht werden.

Frauenverbände hatten im Vorfeld vergeblich die Absetzung von Polanskis Werk "Intrige" (Originaltitel: "J'accuse"gefordert. Vor Beginn der Zeremonie demonstrierten mehrere Hundert Menschen, vor allem Frauen, gegen die Nominierung des Films über den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilt worden war. Schon im November war es bei der Filmremiere in Paris zu Protesten gekommen. Mehrere Frauen blockierten damals den Zugang zu einem Kino.

Adèle Haenel

Schauspielerin Adèle Haenel

Picture Alliance

"Als würde man allen Missbrauchsopfern ins Gesicht spucken"

Während der César-Verleihung verließen einige Zuschauer aus Protest gegen den Regiepreis wütend den Saal, darunter die Schauspielerin Adèle Haenel. Eine Auszeichnung an Polanski wäre so, als würde man allen Missbrauchsopfern ins Gesicht spucken, hatte die 31-Jährige der "New York Times" vor wenigen Tagen gesagt. Haenel wirft Frankreich vor, die "MeToo-Debatte" verschlafen zu haben. Sie selbst hatte Anklage gegen den französischen Regisseur Christophe Ruggia erhoben. Sie beschuldigt ihn, sie als Minderjährige beim Dreh zu ihrem ersten Film "Les Diables" wiederholt sexuell belästigt zu haben.

Vor dem Kinostart von Polanskis Film "Intrige" hatte die französische Schauspielerin Valentine Monnier den Regisseur in einem Medienbericht beschuldigt, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Polanski bestreitet dies, ebenso wie ähnliche Vorwürfe von fünf weiteren Frauen, darunter die frühere deutsche Schauspielerin Renate Langer. In den USA wird der Filmemacher weiter wegen Missbrauchs einer Minderjährigen in den 70er Jahren gesucht, den er auch eingeräumt hat.

Der Streit um Polanski hatte die Akademie für den Filmpreis in eine Krise gestürzt - ihre Direktion trat vor rund zwei Wochen kollektiv zurück. Der César ist Frankreichs nationaler Filmpreis, benannt nach dem Bildhauer César Baldaccini. Der "französische Oscar" wird seit 1976 verliehen.

jum/AFP/DPA