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Sheryl Crow: "Lance ist wie ein Rockstar"

Die Sängerin und der Sieger. Sheryl Crow erzählt im stern-Interview, warum Lance Armstrong die Liebe ihres Lebens ist - obwohl der US-Präsident zwischen ihnen steht.

Von Christine Kruttschnitt

Mrs. Crow, dafür, dass Sie sich kürzlich von Lance Armstrong getrennt haben sollen, sahen Sie in letzter Zeit aber zusammen ganz glücklich aus.

Ach, diese Geschichte. Als die Schlagzeilen in der Presse auftauchten, fanden wir das anfangs eher kurios, weil wir uns eben nicht getrennt hatten. Wir saßen zusammen und lasen die Gruselstorys gemeinsam. Trotzdem setzen solche Falschmeldungen eine Beziehung immer unter Druck. Mir taten Brad und Jen leid, als lange vor ihrer Trennung die ganzen Krisengeschichten darüber erschienen, wer von beiden ein Kind wollte und wer nicht.

Es war also die Presse, die Brad Pitt und Jennifer Aniston auseinander gebracht hat?

Man hat einfach das Gefühl, dass es irgendwo so ein dumpfes kollektives Lauern darauf gibt, dass endlich wieder ein Promi in sein Unglück rennt. Das verkauft sich auch besser. Meine Presseagentin erzählte, dass viele Journalisten sogar enttäuscht waren: "Wie, Sheryl und Lance sind noch zusammen?" Eine Story über eine tränenreiche Trennung hätte ihnen anscheinend besser gefallen. Viele Leute da draußen dürsten geradezu nach solchen Geschichten. Sie müssen ein sehr armseliges Leben führen.

Ihres scheint derzeit besonders gut zu sein.

Das stimmt. Wir haben beide noch nie so tiefe Gefühle für jemanden empfunden. Wir sind beide erstaunt, wie tief das geht. Er hat das Beste aus mir hervorgebracht. Und ich hoffe, das ist umgekehrt genauso.

So ganz einfach scheint das aber nicht zu sein. In den Texten Ihres neuen Albums "Wildflower", das im September erscheint, heißt es, dass einer der Partner Probleme habe, sich auf die große Liebe einzulassen.

Beziehungen sehen heute anders aus als früher. Weil viele Frauen arbeiten und ihre wirklich ernsthaften Beziehungen meist erst in einem späteren Alter eingehen. Zu dem Zeitpunkt bist du so festgefahren in deinen Gewohnheiten und Ansprüchen, dass du keine Kompromisse mehr eingehen magst. Kompromisse fühlen sich dann eher wie Opfer an.

Wie haben Sie das gelöst?

Mein Vater sagte kürzlich zu mir: "Du wirst später nicht jammern: "Ach, hätte ich doch in meinem Leben mehr gearbeitet!" Du wirst eher klagen: "Mist, hätte ich doch mehr Zeit in meine Liebesbeziehungen investiert!"" Ich habe die Konsequenz gezogen, meine Karriere etwas hintangestellt und mich ein bisschen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Das ist schwierig, wenn man die Frau an der Seite von Lance Armstrong ist. Sie sind derzeit doch präsenter als vorher. Mag sein. Aber es fühlt sich anders an. Weil ich nicht meinetwegen im öffentlichen Interesse stehe, sondern seinetwegen. Es ist ein bisschen so, als wäre ich mit einem überdimensional großen Rockstar zusammen. Ihn kennt wirklich die ganze Welt. In meinem Leben ist es früher so viel um mich gegangen. Manchmal hatte ich die Nase voll davon. Jetzt stelle ich mich zurück. Ich habe sogar mein Zuhause aufgegeben und reise mit Lance. Alles Gewohnte habe ich hinter mir gelassen. Das macht mich verwundbarer. Aber ich bin glücklich so.

Was ist so besonders an Armstrong?

Lance ist anders als die normalen Radprofis. Bei ihm gibt es ja diesen Aspekt, der über den Sport hinausgeht: Er hat den Krebs besiegt. Die meisten Menschen haben heutzutage auf irgendeine Art mit diesem Thema zu tun. Entweder aus eigener Erfahrung. Oder weil jemand, den sie lieben, Krebs hat. Und Lance repräsentiert quasi den erfolgreichen Kampf gegen den Krebs. Dazu kommt, dass die Tour de France ein ganz besonders schwieriger Wettkampf ist. Da musste er physisch über sich hinauswachsen.

Sie haben früher gesagt, dass Sie immer mit Männern zusammen sein müssen, die kreativ sind. Unter anderem hatten Sie eine Liaison mit Eric Clapton.

Ja, ich habe mir immer Partner gesucht, die kreativ sind, meistens in meinem Bereich. Aber daraus haben sich eindeutig keine gesunden Beziehungen ergeben. Lance ist vor allem ein Denker. Das gefällt mir. Er hat zwei Bücher über sein Leben geschrieben. Bei uns überschneiden sich die kreativen Bereiche nicht. Diese Konstellation macht mich freier.

Sie sind 43, Lance ist 33. Ist der Altersunterschied ein Problem?

Uns kommt es so vor, als wären wir gleich alt. Und: Es wird ja immer normaler, dass Frauen mit jüngeren Männern zusammen sind. Früher wurde in solchen Fällen schief geguckt.

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Darüber beschwerte sich auch Ihre Kollegin Cher häufig. Inzwischen gibt es in Hollywood den entgegengesetzten Trend.

Ich find's klasse, dass sich diese Doppelmoral langsam in Luft auflöst. Letzten Endes kommt es doch darauf an, wie viel Lebenserfahrung jemand hat. Lance hat eindeutig schon Erfahrung für viele Leben hinter sich. Nur das zählt.

Endet diese Einigkeit bei der Politik? Lance Armstrong ist ja sehr gut mit Präsident George W. Bush befreundet. Sie haben im Wahlkampf seinen Gegner John Kerry unterstützt und sind eng mit Hillary Clinton befreundet. Wie geht das zusammen?

Na ja, also, ich möchte nicht über Lances politische Ausrichtung sprechen. Ich kann nur sagen, dass ich Präsident Bush nicht unterstützt habe.

Aber das muss doch Streit geben?

Ich darf eigentlich wirklich nicht darüber reden, eben weil Lance so gut mit Bush befreundet ist. Fest steht: Wir haben da keine Probleme.

Sie können doch nicht im Ernst behaupten, dass Ihnen das nichts ausmacht?

Lances Freundschaft mit Bush reicht weit in die Vergangenheit zurück. Ich sollte mich da raushalten. Aber okay, ich kann Ihnen so viel verraten: Er ist ein Demokrat. Er hat sich in der letzten Zeit viele Gedanken darüber gemacht, wie die Welt aussehen wird, die wir unseren Kindern hinterlassen. Und in dieser Hinsicht ist er mit der Politik der jetzigen Regierung nicht zufrieden.

Warum nicht?

Zum Beispiel, weil wir unseren Kindern einen Riesenberg Kriegsschulden hinterlassen. Und was den Umweltschutz betrifft, gehen wir ja auch nicht gerade verantwortlich mit unserem Planeten um. Auch in dieser Hinsicht erben unsere Kinder einen Misthaufen. Nehmen Sie allein die Grünflächen, die immer weiter zubetoniert werden. Bei uns wird der Umweltschutz zugunsten des Big Business vernachlässigt. Da sind wir uns einig.

Wie wird es für Sie als Sängerin weitergehen?

Ich werde auf Tournee gehen. Aber ich will insgesamt weniger arbeiten. Ich bin an einem Punkt in meiner Karriere angekommen, wo ich es mir leisten kann zurückzustecken. Ich bin dankbar, dass ich zu einer Zeit in das Musikbusiness eingestiegen bin, als es noch um die Musik an sich ging. Ich habe das ganze Troubadour-auf-Tournee-Paket genossen. Inzwischen entwickelt sich die Branche ja sehr ungünstig.

Ry Cooder unkte kürzlich, in zwei Jahren werde es keine Alben mehr geben.

Mag sein. Weil die Leute immer mehr Musik aus dem Internet holen. Andererseits war ich erstaunt, wie gut mein Greatest-Hits-Album lief. Dabei hätten sich die Leute ihre Lieblingssongs von Sheryl Crow locker selbst zusammenbasteln können. Aber es scheint immer noch eine Menge Menschen zu geben, die gern ein ganzes Album in der Hand halten, komplett mit Artwork und Hülle.

Ist das eine Frage des Alters?

Meine Kunden sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Und die wollen nicht unbedingt Geld für das ausgeben, worüber Avril Lavigne singt. Denn das liegt in ihrem Leben schon ein bisschen zurück. Alles hat seine Daseinsberechtigung. Auch diese wütenden Jugendlichen, die alles nur schwarz oder weiß sehen. Ich singe über die vielen Facetten, die das Leben zu bieten hat, die Grauflächen. Ich bin froh, dass die Leute mich zudem noch live sehen wollen. Obwohl es bei mir nicht ums Äußerliche geht. Auch in dieser Hinsicht passieren beunruhigende Dinge im Musikgeschäft.

Was meinen Sie?

Ich finde es schlimm, wie sich viele Frauen heute in den Musikvideos präsentieren. Das hat oft schon was von Pornografie. Man kann seine Sexualität und Sinnlichkeit nutzen, um die eigene Macht zu stärken. Aber mit diesen schmierigen Clips geben die Frauen ihre Macht eher ab. Außerdem senden sie eine merkwürdige Botschaft an die Mädchen und Jungs da draußen. Die bekommen doch ein völlig verdrehtes Bild von dem, was Schönheit ist. Es macht mich krank, dass Frauen so etwas mit sich machen lassen. Ich würde mich nie so ablichten lassen. Was im Übrigen auch gar nicht möglich wäre.

Warum nicht?

Ich bin einfach zu flachbrüstig. Ich bin nicht sexy genug. Aber mir macht das nichts. Mit einer kleinen Brust joggt es sich viel besser. Sie werden bald mehr Zeit haben, gemeinsam mit Lance Armstrong zu joggen.

Wie geht es nach der Tour de France mit ihm weiter? Spielt er in Ihrer Band mit?

Lustige Idee. Da wird er mich sicher an die Wand spielen. Im Ernst, Lance kann ein bisschen Gitarre spielen. Oder er wird Schlagzeuger - ich habe ihm zu Weihnachten ein Drumset geschenkt.

Lance Armstrong hat drei Kinder aus seiner geschiedenen Ehe. Wie kommen Sie mit denen zurecht?

Ach, das sind so tolle Kinder. Sie sind jedes zweite Wochenende bei uns. Sie lieben ihren Vater. Und ich bin dankbar, dass ich mit ihnen zusammen sein kann. Die beiden Mädchen sind jetzt dreieinhalb, der Junge ist fünfeinhalb. Es haut mich um, diese Wesen zu sehen, die so unschuldig und unverdorben sind. Es klingt vielleicht ein bisschen kitschig, aber sie sind wie wunderschöne kleine Blumen. Deshalb habe ich mein neues Album "Wildflower" genannt.

Wollen Sie eigene Kinder mit Armstrong?

Auf jeden Fall. Ich hoffe, es klappt.

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