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Interview

Sylvester Stallone "Rambo: Last Blood": "Ich bin ein Loser - selbst der Hund hat mehr Mitspracherecht als ich"

Sylvester Stallone schlüpft ein letztes Mal in die Rolle des John Rambo und legt sich mit einem mexikanischen Kartell an. Im stern-Interview spricht der Hollywood-Altstar darüber, wie wenig ihm sein Kraftprotz-Image in einem Haushalt mit fünf Frauen nützt.

Von Andreas Renner, Los Angeles

John Rambo

Sie hatten noch vor ein paar Jahren getönt, dass Sie die Filmfigur John Rambo definitiv in Rente geschickt haben. Warum nun doch der Sinneswandel?

Das stimmt. Das hatte ich auch vor. Aber dann habe ich es mir doch anders überlegt, nachdem ich eine neue Idee für eine allerletzte Geschichte aus dem bewegten Leben von Rambo hatte. Der Mann hat eigentlich ja schon genug erlebt, aber es ist eben sein Schicksal, dass er nie richtig zur Ruhe kommt.

Bei "Rocky" brauchte es auch sechs Filme und zwei "Creed"-Spin-Offs bis Sie das Ende einläuteten. Sind Sie sicher, dass Rambo 5 das letzte Kapitel ist?

Ich hänge an diesen Figuren, weil ich sie nun schon so lange verkörpere und diese Typen in- und auswendig kenne. Natürlich entwickelt man da irgendwann auch eine Art fiktive Beziehung. Und die Fans offenbar auch. Die letzten "Rocky"- und "Rambo"-Filme waren erfolgreich und die Leute scheinen mich noch nicht satt zu haben. Also, was soll's. Ich selbst werde nach diesem Film wohl tatsächlich nicht mehr als Rambo vor die Kamera treten. Aber ich wünsche mir ein Prequel, einen Film über den jungen John Rambo in der Zeit vor dem Vietnam-Krieg. Denn da war er ein ganz anderer Mensch. Viel offener, ein Model-Athlet und absolut mit sich im Reinen. Der Krieg hat ihn kaputt gemacht. Hat eine Mördermaschine aus ihm gemacht.

Sylvester Stallone in "Rambo: Last Blood"

Sylvester Stallone, inzwischen 73 Jahre alt, in seiner Paraderolle als John Rambo

DPA

Sie werden also tatsächlich künftig nicht mehr den starken Maxe vor der Kamera mimen?

Meine Frau liegt mir auch ständig in den Ohren, dass ich langsam doch zu alt sei für diese Art von Actionfilmen. Aber ich bin einfach sehr störrisch. Actionfilme, wie wir sie in den 80er Jahren gedreht haben, werden in Hollywood leider nicht mehr produziert. Aber die Leute sehnen sich danach. Ich wünschte mir, es würden mehr jüngere Schauspieler den Mut haben und in die Fußstapfen eines Arnold Schwarzeneggers, eines Bruce Willis oder eines Clint Eastwood zu treten und sich als echte Actionhelden etablieren zu wollen. Die jüngere Generation will sich nicht festlegen, die hüpfen viel lieber zwischen den Genres umher. Heute Komödie, morgen Action, danach ein Drama. Das ist ihr gutes Recht. Aber ich denke es täte Hollywood gut, wenn es wieder mehr Actionfilme im klassischen Sinne gäbe. Die Leute haben Lust darauf. Und weil es sonst keiner wagt, mache ich mich halt immer wieder ans Werk.

Können Sie grundsätzlich schwer loslassen?

Ich bin schon jemand, der gerne an Bewährtem festhält. Ich habe auch viele Freundschaften über Jahrzehnte aufrechterhalten können. Man kann schon sagen, dass ich eine treue Seele bin.

"Rambo: Last Blood" besticht durch äußerst brutale Szenen. Warum ist Ihnen diese szenische Art von Gewalt zu wichtig?

Mir ist Gewalt nicht wichtig, aber mir ist wichtig möglichst real darzustellen, wie brutal Krieg nun mal ist. In diesem Fall legt sich Rambo mit einem brutalen mexikanischen Drogenkartell an. Und er bekämpft sie mit den gleichen Waffen, mit denen er schon in Vietnam kämpfte: Messer, Pfeil und Bogen, Macheten, Druckpatronen und Bomben. Das was man an Zerstörungskraft im Film sieht ist real. Manche diese Patronen blasen nun mal einem Gegner glatt den Kopf ab. Da bleibt nicht viel übrig und es ist äußerst blutig.

Es war bei den ersten Rambo-Filmen noch Ihr Wunsch, dass die Figur auch als Sinnbild für die psychischen Probleme steht, unter denen Kriegsveteranen oft leiden. Geht es Veteranen in der Ära Trump heute besser als früher?

Nein, Rambo repräsentiert letztlich auch die neue Generation an Veteranen. Psychische Schäden verursacht durch grausame Erfahrungen im Krieg werden auch heute nicht sehr ernst genommen. Und viele Veteranen wollen auch nicht darüber sprechen – genau wie Rambo. Es gibt leider auch heute noch sehr viele ehemalige Soldaten, die nach Hause kommen und große Probleme haben, wieder ein normales Leben zu führen.

Wie sieht eigentlich das normale Leben im Hause Stallone aus?

Das kann ich Ihnen gerne sagen: Ich bin der einzige Mann im Haus unter fünf Frauen und damit schon mal grundsätzlich ein Loser. Ich verliere so ziemlich jede Debatte und was immer ich vorschlage, wird abgeschmettert. Bei uns hat selbst der Hund mehr Mitspracherecht als ich.

Wenn Ihre Töchter mal Freunde mit nach Hause bringen, sind die dann eingeschüchtert von Ihnen?

Das ist mein Ziel (lacht). Ich drücke Ihnen beim ersten Treffen immer besonders hart die Hand und blicke ihnen tief in die Augen. Die wollen ja ganz automatisch dieses Alphatier-Verhalten ausstrahlen, das will ich ihnen damit schon mal gleich austreiben. Meistens funktioniert es und sie haben Respekt.

Sind Sie ein Vater, der seine Töchter schon mal überbehütet?

Ich bin einfach ein Vater, der seine Töchter sehr liebt und ganz normale Angstgefühle hat wie jeder andere Vater auch. Wer Kinder hat, weiß was ich meine. Meine Töchter sind nun auch in einem Alter, wo sie ihre eigenen Leben führen. Das ist normal, aber als Vater ist das nicht leicht. Man möchte einerseits, dass sie hinausgehen in die Welt. Andererseits ist die Welt heute eine andere als früher und macht sich schon Sorgen, was da alles auf sie wartet.

Mit dem Namen Stallone öffnen sich doch wahrscheinlich sehr viel leichter Türen für Ihre Töchter?

Nicht unbedingt. Meine Töchter haben ja alle schon mal den Wunsch geäußert, schauspielern zu wollen. Ich habe sie vorgewarnt, denn ein berühmter Nachname allein hilft garantiert nicht. Sie müssen es schon wirklich wollen und auch vorbereitet sein, dass sie viel Ablehnung über sich ergehen lassen müssen. Nur wenn man mit ganzem Herzen bei der Sache ist, kann man auch gut sein.

Eine Stallone-Dynastie in Hollywood sehnen Sie also nicht unbedingt herbei?

Nein, das muss nicht sein. Meine Kinder sollen einen Beruf finden, den sie mit Leidenschaft ausüben können, so, wie ich es viele Jahrzehnte tun konnte. Was immer es letztlich ist, ich werde sie unterstützen.

Sie sind mittlerweile 73 Jahre alt. Gibt es für Sie mal einen Punkt an dem es gut ist mit der Karriere?

Ich gebe gerne zu: Niemand wird gerne alt. Aber am Ende ist das alles eine Sache der Einstellung. Wenn man sich gehen lässt und das Interesse verliert, dann altert man auch schneller. Ich spüre hingegen noch sehr viel Energie in mir und habe reichlich Ideen für die Zukunft. Aber irgendwann ist auch Schluss. Ich weiß das.

Ist Erfolg manchmal auch eine Art Sucht, die man schwer in den Griff bekommt? Es scheint auch Ihr ehemaliger Erzfeind Arnold Schwarzenegger kann sich nur schwer damit abfinden, nicht mehr der bestbezahlte Schauspieler der Welt zu sein?

Nicht mehr. Ich habe meine Lebenskrise schon lange hinter mir. Die hatte ich vor gut zwanzig Jahren, so um die 50. Damals lief meine Karriere nicht gut und auch sonst fühlte ich mich irgendwie unausgefüllt. Doch als dann meine drei Töchter zur Welt kamen hat sich mein Leben noch mal komplett verändert. Diese drei Mädchen haben mir ein Glücksgefühl vermittelt, wie ich es vorher nie kannte. Trotz aller Erfolge mit Rocky und Rambo. Ich habe verstanden, dass es nicht Geld oder Kinoerfolge sind, die einen glücklich machen. Seitdem habe ich meine Mitte gefunden und bin wirklich stolz darauf sagen zu können, dass ich ein glücklicher Mann bin.

Was verbindet Sie heute mit Ihrem früheren Konkurrenten Arnold Schwarzenegger?

Wir waren tatsächlich mal eisenharte Konkurrenten damals. Mittlerweile bin ich stolz sagen zu können, dass Arnold wirklich einer meiner besten Freunde ist. Uns verbindet eine Menge und er ist ein feiner Kerl. Einfach eine ehrliche Haut, auf den Mann kann man sich immer blind verlassen. Das schätze ich so an ihm. Wir haben in vielen Punkten im Leben ähnliche Erfahrungen gemacht. Darum ist es natürlich einfacher uns gegenseitig zu verstehen. Wenn wir zusammen sind, benehmen wir uns oft wie kleine Jungs. Oder besser wie kleine Jungs mit Arthritis.