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Missbrauchs-Vorwürfe: Ist er der Weinstein der Modebranche? Verlag boykottiert Skandal-Fotografen Terry Richardson

Der Zeitschriften-Verlag Condé Nast hat offenbar einen Boykott gegen den Fotografen Terry Richardson ausgesprochen. Ihm warfen mehre Models sexuelle Belästigung vor, er dementierte die Anschuldigungen.

Terry Richardson

Terry Richardson gilt als einer der bekanntesten Modefotografen der Welt

Picture Alliance

Jetzt hat auch die Mode-Welt auf den Weinstein-Skandal reagiert: Der Verlag Condé Nast soll einen Boykott gegen den berühmt-berüchtigten Fotografen Terry Richardson ausgesprochen haben. Das geht laut der britischen Zeitung "The Telegraph" aus einer internen E-Mail hervor. Demnach habe James Woohlhouse, der stellvertretende Vorsitzende des Verlags, gefordert, jegliche Zusammenarbeit mit Richardson mit sofortiger Wirkung zu beenden. "Alle Bilder, die bestellt wurden oder die noch nicht gedruckt sind, sollten zerstört und mit neuem Material ersetzt werden", heißt es.

Laut "Telegraph" reagiert der Verlag damit auf die Anschuldigungen zahlreicher Models, wonach Richardson sie bei der Arbeit sexuell belästigt haben soll. Der Amerikaner dementiert die Vorwürfe seit Jahren und hatte bisher beruflich deshalb keine Probleme. Das könnte sich nun ändern. Denn zu Condé Nast gehören unter anderem die einflussreichen Magazine "Vogue", "Vanity Fair", "GQ" oder "Glamour". Der Boykott würde Richardson hart treffen.

Durch den Weinstein-Skandal bekommt sexuelle Belästigung mehr Aufmerksamkeit

Und er käme im Zuge der weltweiten Entrüstung über das Verhalten von Hollywood-Mogul Harvey Weinstein. Der Filmproduzent hat jahrelang Frauen belästigt, einige werfen ihm sogar Vergewaltigungen vor. Weinstein bestreitet letzteres. Zahlreiche Frauen sind nach einem Bericht der "New York Times" mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit gegangen, im Internet sammelten Frauen weltweit aus allen Branchen unter dem Hashtag #MeToo ihre Geschichten über sexuelle Belästigung.

"Ich wünschte, ich könnte sagen, dass diese schrecklichen Geschichten, die ich über Harvey Weinstein gelesen habe, in unserer Gesellschaft eine rare Ausnahme sind, aber das ist einfach nicht wahr. Es wäre naiv, zu glauben, dass so ein Verhalten nur in Hollywood stattfindet", deutete Model Heidi Klum die Zustände in der Mode-Industrie an. Bisher wollte sich weder der Verlag noch Richardson zu dem "Telegraph"-Bericht äußern.

Terry Richardson ist bekannt für seine provokanten Fotos und Videos, er drehte unter anderem Miley Cyrus' Videoclip zu "Wrecking Ball", bei dem die Sängerin nackt auf einer Abrissbirne sitzend zu sehen ist. Beyoncé, Lady GaGa, Kate Moss - es gibt kaum einen Promi, der sich noch nicht von dem 52-Jährigen fotografieren ließ. 

Harvey Weinstein: Chronologie der Vorwürfe sexueller Belästigung und mutmaßlicher Vergewaltigung


sst