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Rauswurf Tijan Njie wirft Kölner Bar Rassismus vor – die macht dagegen Corona für den Vorfall verantwortlich

Tijan Njie berichtet von Rassismus in Köln
Schauspieler Tijan Njie erklärt, er sei in Köln wegen seiner Hautfarbe aus einer Bar geschmissen worden
© Henning Kaiser/ / Picture Alliance
Schauspieler und "Let's Dance"-Kandidat Tijan Njie wirft einer Kölner Bar rassistisches Verhalten vor. Die reagiert mit zwei verschiedenen Statements auf Instagram. 

Rassismus findet im Alltag immer wieder statt – das versucht auch Tijan Njie mit seinen aktuellen Postings auf Instagram deutlich zu machen. Dort schildert der Schauspieler einen Vorfall in einer Kölner Bar und wirft den Verantwortlichen rassistisches Verhalten vor. Was war passiert?

Der "Let's Dance"-Kandidat erklärt in einem fast zehnminütigen Video, das den Titel "Zu Hause nicht willkommen" trägt, dass er mit seinen Freunden am Wochenende einen "coolen und entspannten Männerabend" verbringen wollte. Man sei daher zusammen in eine Kölner Bar gegangen. Dann das abrupte Ende des geplanten Abends: Njie wurde offenbar wegen seiner Hautfarbe aus dem Lokal geworfen. Ein Freund, der ebenfalls in dem Video zu Wort kommt, unterstützt seine Geschichte. Man habe mehrfach versucht, ganz ruhig mit dem Besitzer zu sprechen, der habe aber deutlich zu verstehen gegeben, dass er keinen Schwarzen in seinem Laden haben wolle. 

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Kölner Bar "Herr Pimock" äußert sich via Instagram

In dem Video fällt der Name des Lokals zwar nicht, der Inhaber meldet sich aber kurz nach Veröffentlichung des Videos, das hundertfach geteilt wurde, selbst zu Wort. Es handelt sich um "Herr Pimock", das sich selbst als Bar und Café beschreibt. In einem Posting nimmt der Verantwortliche Stellung zum Vorfall und rechtfertigt sich. Zu einem Bild, das ein Plakat mit der Aufschrift "Kein (Veedel für) Rassismus" zeigt, das offenbar über der Eingangstür des Lokals hängt, schreibt der Inhaber: "In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es zu einer nicht schönen Begegnung bei uns gekommen."

Es folgen Erläuterungen zu den Hygienemaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie und einer groben Beschreibung des Vorfalls. Der Inhaber erklärt: "Hier ist es zu einer Auseinandersetzung gekommen. Wir haben niemanden herausgeworfen, sondern lediglich darum gebeten draußen auf Anweisungen zu warten, bis ein Tisch frei wird. Wir sind ausdrücklich gegen Rassismus und haben dies auch ganz deutlich an unserer Eingangstür stehen." Man habe den Namen "Herrn Pimock", der so viel heißt wie "der Zugezogene", nicht zufällig gewählt, man sei tolerant und offen. Die Situation habe nur etwas mit den Corona-Maßnahmen zu tun, versucht man in dem Posting deutlich zu machen.

Inhaber gibt in zweitem Statement Fehlverhalten zu

Tijan Njie hält von dieser Rechtfertigung nichts und erklärt auf Anfrage des stern über sein Management, dass er die Situation ganz anders erlebt habe. Es sei eindeutig gewesen, dass seine Hautfarbe der Grund für seinen Rauswurf war. Viele Instagram-User reagieren auf Njies Video und erklären, dass sie in dem Laden ähnliche Erfahrungen mit Rassismus machen mussten und bekräftigen die Schilderungen des Schauspielers.

Es folgt eine zweite Stellungnahme des Inhabers via Instagram. Darin ist der Ton ein anderer. "Ich entschuldige mich mit vollster Überzeugung für meinen groben Umgangston, den ich am Samstagabend Tijan und seinen Freunden gegenüber hab walten lassen! Meine Geste, aber vor allem meine Wortwahl war mehr als unpassend. Stammgast Tijan und ein Freund haben am Samstag ohne Platzzuweisung den Laden betreten und ich habe ihn daraufhin aufgefordert den Laden wieder zu verlassen. Dabei ist es natürlich vollkommen irrelevant, welche Herkunft oder Hautfarbe mein Gegenüber hat", heißt es darin.

In Hamburg gingen 14.000 Menschen auf die Straße, um gegen Rassismus zu demonstrieren.

Tijan Njie will Reichweite im Kampf gegen Rassismus nutzen

Und weiter: "Doch egal unter welchen Bedingungen ist mir bewusst, dass das keine Entschuldigung dafür ist, wie verletzend mein Verhalten gegenüber Tjian gewirkt haben muss. Ich hatte wirklich absolut keine persönlich böse Absicht und in unserem Laden ist selbstverständlich kein Platz für Rassismus! Trotzdem hätte mein Anliegen definitiv anders kommuniziert werden müssen", gibt der Verantwortliche darin zu. Er habe selbst Migrationshintergrund und verneint sein rassistisches Verhalten. Er habe zudem versucht "Kontakt zu Tijan herzustellen, um mich persönlich für den Vorfall zu rechtfertigen und entschuldigen, doch leider ohne Erfolg. Ich würde mir wünschen, dass man sich zusammen an einen Tisch setzt, damit ich aus einem furchtbaren Missverständnis eine Lehre ziehen kann", schreibt er weiter und erklärt erneut, es sei jeder bei ihm willkommen.

Auch zum zweiten Statement lässt Tijan Njie gegenüber dem stern verlauten, dass er nach den Worten des Inhabers nicht bereit sei, sich zusammenzusetzen, solange er die wahren Gründe für sein Fehlverhalten nicht einsehe. Er könne etwa mit einer Spende für die "Black Lives Matter"-Bewegung oder einer Schulung in Sachen Diversität zeigen, dass er es ernst meine. Vorher wolle man ihm keine Plattform mehr geben. Njie wolle sich keinesfalls in den Vordergrund stellen, erklärt er, er wolle aber seine Reichweite nach dem Vorfall nutzen, um auf den Rassismus in Deutschland hinzuweisen. "Hier geht es gar nicht um mich. Hier geht es um diejenigen, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, so viele Zuschauer zu erreichen und um die, die selbst in der Vergangenheit so behandelt wurden", erklärt er in einem zweiten Instagram-Video. 

Allen, die bereits selbst Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben, wolle er eine Stimme geben und zeigen, dass das Thema nicht weit weg ist, sondern immer noch an der Tagesordnung stehe und man dagegen vorgehen muss. "Es war kein Einzelfall", macht er deutlich und erklärt: "Es ist manchmal schwer sich dem entgegen zu stellen, weil man sich in der Unterzahl fühlt oder sonstiges, aber es ist so wichtig sich aktiv für sein RECHT der Gleichberechtigung (und das seines Mitmenschen) einzusetzen. Ich hoffe ich ermutige hiermit einige von euch sich gegen Ungerechtigkeit zu wehren und diese nicht einfach hinzunehmen."

Verwendete Quellen: Instagram Tijan Njie / Instagram Herr Pimock


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