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Kiffer-Star: Was macht eigentlich Tommy Chong?

Der Kanadier Tommy Chong wurde als Teil des Komikerduos Cheech & Chong berühmt - in dem Kiffer-Film "Viel Rauch um nichts". Im stern erzählt er, wie es ihm heute geht.

Sie gelten als "Pot-Papst", als "Hanf-Messias". Sind Sie high?

Noch nicht! Aber ich sitze neben einem Haufen Gras, und sobald das Interview vorbei ist, werde ich mir ein paar Züge genehmigen.

Wie viel kiffen Sie denn so?

Ich bin in Kanada aufgewachsen, da gab es nicht viel Gras. Deshalb habe ich mir angewöhnt, sparsam zu sein und immer nur wenige Züge zu rauchen. Das aber recht häufig, alle ein bis zwei Stunden.

Sie waren mal Sportler: Basketball, Bodybuilding. Wie verträgt sich das?

Gut! Als ich Ende der 60er Jahre nach Los Angeles zog, wurde ich sofort Mitglied im "Gold's Gym". Da habe ich mit Arnold Schwarzenegger trainiert – und gekifft. Damals hat Arnold nur Gras geraucht. Später dann Zigarren, daher seine Herzprobleme.

Cannabis hat keine negativen Effekte?

Mich entspannt es. Es steigert meine Kreativität. Wenn ich rauche, bekomme ich die tollsten Ideen. Manchmal erscheinen die nicht mehr so toll, wenn der Rausch vorbei ist, aber dagegen habe ich ein Mittel: einfach so high wie möglich bleiben.

Nennen Sie mal so eine tolle Idee.

Ich entwerfe gerade eine mit Diamanten besetzte Bong, die eine Million Dollar kosten soll.

Und wer soll die kaufen?

So jemand wie Kanye West, denke ich.

Kritiker warnen bei übermäßigem Cannabis-Konsum vor Paranoia, Psychosen.

Marihuana macht, im Gegensatz zu Alkohol oder Nikotin, nicht abhängig. Es muss also niemand kiffen. Natürlich reagiert jeder anders. Wenn einer paranoid wird, tut mir das leid, aber bei mir ist das eben nicht so. Ohne Cannabis hätte ich mich auch niemals so gut von meiner Darmkrebs-OP erholt. So kam mein Appetit zurück, und ich fühle mich heute besser denn je.

Sie haben sechs Kinder. Durften die zu Hause kiffen?

Hätten sie gedurft, wollten sie aber nicht. Die fanden ihren kiffenden Vater uncool.

2003 mussten Sie neun Monate ins Gefängnis. Nicht wegen Drogen, sondern weil Sie Wasserpfeifen verkauft hatten.

Das war ein PR-Stunt der Bush-Regierung. Ich habe das Urteil akzeptiert, weil sonst meine Frau und mein Sohn mit in die Sache hineingezogen worden wären. Und ich war neugierig, wie es im Gefängnis zugeht.

Und, wie war's?

Gut! Ich hatte Zeit, nachzudenken. Und ich habe interessante Menschen kennengelernt: Jordan Belfort, der "Wolf of Wall Street", war mein Zellennachbar. Ich war es, der ihn auf die Idee brachte, seine Memoiren zu schreiben – und sich bei der Schilderung der Drogenexzesse nicht zurückzuhalten.

Seit dem 8. November ist Cannabis in Kalifornien legal. Am selben Tag wurde Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Was ging da in Ihnen vor?

Das mit dem Gras machte mich glücklich, das mit Hillary traurig. Zuerst. Dann sah ich Trumps Siegesrede und hatte eine Eingebung: Der Typ ist der beste Reality-TV-Schauspieler, den ich je gesehen habe. Vielleicht braucht Amerika genau so einen Typen, der sagt, was Sache ist, Dinge anpackt. Ich mache mir keine Sorgen wegen Trump.

Obwohl der nicht kifft?

Der kifft wohl nicht, aber vielleicht kokst er ja.

Sie sind jetzt 78. Was haben Sie noch für Pläne?

Viele! Ich will weiter mit meinem Partner Cheech auftreten; ich liebe Cheech, ich bin froh, dass wir wieder vereint sind. Und ich will den Tango meistern. Ich bin schon recht gut, mit 90 will ich perfekt sein.

Interview: Severin Mevissen