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Tony Curtis ist tot: Hollywoods tragischer Herzensbrecher

Tony Curtis war eine der letzten großen Hollywoodlegenden. Er spielte Frauenmörder und Transvestiten, Drahtseiltänzer und Seeräuber. Aber vor allem war er Herzensbrecher - im Film wie im Leben. Von Krankheit gezeichnet starb er nun im Alter von 85 Jahren.

Sein Sinn für Humor hat ihn bis zuletzt nicht verlassen. "American Prince" nannte Tony Curtis seine Autobiografie, die vor zwei Jahren auf den Markt kam. Eine ironische Selbstbeschreibung: Curtis war kein Prinz. Er war ein Gossenjunge aus der Bronx, dem gutes Aussehen und zäher Ehrgeiz zum Aufstieg in die Traumwelt Hollywoods verhalfen. Hollywood bot ihm eine Bühne, auf der er sein eigenes Leben als Filmstar, Draufgänger und Frauenheld lustvoll inszenieren konnte. Am Mittwoch ist Curtis mit 85 Jahren an Herzversagen in seinem Haus in Las Vegas gestorben.

In den 50er und 60er Jahren zählte Curtis zu den meistbeschäftigten Schauspielern in Hollywood. Das Publikum liebte den draufgängerischen jungen Mann mit den blauen Augen und dem komischen Talent. Unvergessen ist Curtis' Darstellung eines erfolglosen Musikers in Billy Wilders Komödie "Manche mögen's heiß" (1959), der als Frau verkleidet vor der Mafia fliehen muss. In Deutschland beliebt war später auch die Fensehserie "Die Zwei", in der Curtis mit Roger Moore zu sehen war.

Ein Mann mit Abgründen

"Mein Leben lang hatte ich nur einen Traum: Filmstar zu sein", schreibt Curtis gleich im ersten Satz seiner Autobiografie. "Vielleicht hatte es mit meiner schwierigen Kindheit zu tun, vielleicht damit, dass ich stets mehr als nur ein bisschen unsicher war." Auf der Bühne habe er sich immer "gefühlt wie die Hand in einem Samthandschuh", erinnert sich Curtis. "Ich hatte keine Angst mehr."

Curtis war ein Mann mit Abgründen. Der von vielen angehimmelte Star hatte eine empfindliche Seele. Er verkörperte Draufgängertum und Verletzlichkeit - auf der Leinwand wie im wahren Leben war das eine machtvolle Kombination. Seine Unsicherheit führte Curtis später auf traumatische Erfahrungen in der Kindheit zurück. Seine Eltern waren jüdische Auswanderer aus Ungarn, ihr Leben in New York war bitterarm. Curtis' Vater Mono Schwartz war zwar ein bekannter Schauspieler in Ungarn gewesen, als Einwanderer in den USA aber an der Sprache gescheitert. Er brachte seine Familie als Schneider durch. Die Mutter litt unter Schizophrenie, sie prügelte ihre drei Söhne oft. Als das Geld ausging, kamen Curtis - er hieß damals noch Bernard Schwartz - und sein Bruder Bobby ins Kinderheim. Sein jüngerer Bruder Julie wurde von einem Lastwagen überfahren, als Curtis auf ihn aufpassen sollte. "Wo ich herkomme, ist gutes Aussehen ein Pass zum Entkommen aus dem Mülleimer", hatte Curtis einmal gesagt.

Mitglied einer Straßengang und notorischer Verführer

Das Bedürfnis nach Bestätigung lebte Curtis an verschiedenen Fronten aus. Als Teenager war er Mitglied einer Straßengang in New York. Später entwickelte er sich zum notorischen Verführer. Curtis und die Frauen waren ein Kapitel für sich. Einmal bekannte er, mit mehr als tausend Frauen geschlafen und sexsüchtig gewesen zu sein. In jungen Jahren knipste er von seinen zahlreichen Freundinnen Polaroid-Bilder, die er mit der Akribie des Sammlers in ein Album klebte. Zu den frühen Bekanntschaften zählte die damals noch unbekannte Marilyn Monroe. "Ich hatte kein Selbstvertrauen, keinen Seelenfrieden, und sie hatte es auch nicht", beschrieb er einmal die Grundlage ihrer Freundschaft.

Curtis war insgesant fünfmal verheiratet. Die Schauspielerin Christine Kaufmann lernte er 1961 kennen - er war 36, sie 16. Für die Deutsche verließ er seine erste Frau, Schauspielerin Janet Leigh. 1963 heirateten Curtis und Kaufmann. Die Ehe hielt nur vier Jahre, vier Tage nach der Scheidung heiratete Curtis schon wieder, ein Fotomodell. "Ich war dumm, diese Frau ziehen zu lassen", sagte er später über Kaufmann, mit der er zwei Töchter hatte. Als sie jetzt die Todesnachricht erhielt, sagte Kaufmann der "Bunten": "Ich war trauriger, als ich gedacht habe. Es ist, als wenn die Zeit stirbt." Privat war Curtis nach Aussage seiner Tochter Jamie Lee längst nicht immer so heiter, wie er auf der Leinwand wirkte: "Etwas quälte ihn sein ganzes Leben lang. Er suchte Erleichterung bei Frauen, in Drogen und Alkohol."

Als Vater versagte Curtis

Schwere Vorwürfe machte sich Curtis zum Beispiel über seine Vaterrolle. "Ich habe als Vater versagt. Das muss ich heute sagen." Was ihn besonders belastete, war der Tod seines Sohnes Nicolas, der 1994 durch Heroin starb - er war gerade 23 Jahre alt. Es vergehe kaum eine Nacht, in der er nicht an Nicolas erinnert werde: "Er erscheint mir oft im Traum."

Die ganz große Anerkennung als Schauspieler blieb Curtis versagt. Für seine Rolle in dem Film "Flucht in Ketten" ("The Defiant Ones") von 1958 erhielt Curtis die einzige Oscar-Nominierung seiner Karriere - ausgezeichnet wurde er jedoch nicht. "Ich denke, ich habe nicht die Rollen bekommen, die ich verdient hätte", äußerte sich Curtis einmal enttäuscht. "Ich finde, ich habe mehr verdient, als mir die Filmindustrie zugestand." In seinen späteren Jahren machte er immer wieder durch Frauengeschichten, Drogenprobleme und Entziehungskuren Schlagzeilen - aber auch durch seine Zweitkarriere als anerkannter Maler.

Peter Wütherich/AFP; Gisela Ostwald und Chris Melzer/DPA / DPA