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US-Fernsehen: Lettermans Sex-Beichte steigert Einschaltquoten

Ja, er hatte Sex. Ja, es waren Mitarbeiterinnen. Und ja, es tut ihm Leid. Seine Fans scheinen David Letterman diese Ausrutscher nicht übel zu nehmen. Im Gegenteil - die Affären haben seine Popularität sogar noch gesteigert.

Von Nicole Krättli, New York

Vor dem Ed Sullivan Theater am New Yorker Broadway tummeln sich seit einigen Tagen noch mehr Touristen als üblich. Die Sex-Affären der amerikanischen TV-Legende David Letterman gehen um die Welt. Insbesondere die Frontseiten der New Yorker Presse sind seit Tagen fest in Lettermans Hand. "I had sex with staff" ("Ich hatte Sex mit Mitarbeitern"), titelte die "New York Post". Die "Daily News" zitierte den mutmaßlichen Erpresser Joe Halderman "I'll ruin Dave" ("Ich werde Dave ruinieren") und einen Tag später Letterman mit "Joke's on me" ("Dieser Scherz geht auf mich"). Dennoch scheint Amerika Letterman die Liaisons nicht übel zu nehmen, sondern entrüstet sich viel eher über den unloyalen Mitarbeiter, der Letterman erpresst haben soll.

Vergangenen Donnerstag gestand Letterman vor laufenden Kameras Sexaffären mit weiblichen Kolleginnen. Grund für seine plötzliche Beichte soll ein Erpressungsversuch des CBS-Mitarbeiters Joe Halderman gewesen sein. Dieser habe gedroht, ein Buch oder Drehbuch über "all die schrecklichen Dinge", die Letterman gemacht haben soll, zu schreiben, falls er ihm nicht zwei Millionen Dollar zahle. Letterman hat daraufhin die Flucht nach vorn angetreten und sich öffentlich zu seinem Fehltritt bekannt. In seiner ersten Show nach Bekanntwerden des Skandals bat der 62-Jährige schließlich seine Frau und seine Mitarbeiter um Verzeihung.

Obwohl sich die Berichte über den Sex-Skandal überschlagen, sehen seine Anhänger, die vor dem Ed Sullivan Theater auf ein Ticket für die Show hoffen, die ganze Aufregung relativ gelassen. "Affären unter Arbeitskollegen sind heutzutage doch völlig normal", findet Jillian Wormack aus Los Angeles. Die 24-Jährige glaubt sogar, dass dieser kleine Ausrutscher Lettermans Beliebtheit beim Publikum zusätzlich steigern wird. Auch die beiden Letterman-Fans Rachel und Daniel Shattuck aus Georgia stufen die Situation als unproblematisch ein: "Er ist ein großartiger Talk-Master und nur darauf kommt es letztlich an. Wir bleiben auf jeden Fall weiterhin Letterman-Fans." Lois Bach aus San Diego kann die ganze Aufregung überhaupt nicht verstehen: "Er ist TV-Star und nicht etwa ein Politiker. Wen interessiert es also, mit wem er Sex hatte und mit wem nicht?" Die Lösung für die ganze Hysterie glaubt Jon Nguyen, Tourist aus Australien, zu kennen: "Warten wir eine Woche ab, dann gibt es einen neuen Skandal und Letterman wird vergessen sein."

Nicht nur die Statements der Fans sondern auch die Einschaltquoten von Lettermans Show auf dem amerikanischen Fernsehsender CBS sprechen eine deutliche Sprache. Die durchschnittliche Zuschauerzahl von 4,8 Millionen stieg zuletzt um 19 Prozent auf 5,7 Millionen.

Die TV-Legende erhält neben dem Zuspruch seiner Fans auch Unterstützung aus den eigenen Reihen. In den Augen einer CBS-Angestellten, die vor dem Ed Sullivan Theater in New York Eintrittskarten kontrolliert, hat Letterman mit seiner öffentlichen Beichte genau das Richtige getan. Sie hätte sich an seiner Stelle auch nicht erpressen lassen, erklärt die junge Frau, die offiziell keine Stellung zu dem Fall nehmen darf und deshalb weder ihren Namen nennen noch fotografiert werden will. Letterman selbst bestätigte, dass ihn seine Mitarbeiter wunderbar unterstützt hätten. Auch TV-Moderator Craig Ferguson, der durch die "Late Late Show" auf CBS führt, sieht die Aufruhr um die Sexaffäre nicht ein: "Wenn wir jetzt anfangen, an Moderatoren dieselben moralischen Ansprüche zu stellen wie an Politiker oder Geistliche, dann bin ich raus."