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Was macht eigentlich ...: ... George Weah?

Der liberianische Stürmer - Afrikas Fußballer des Jahrhunderts - bewarb sich 2004 für die Präsidentschaftswahlen in seiner Heimat und unterlag ein Jahr später in der Stichwahl.

Gerade ist die Afrika-Meisterschaft zu Ende gegangen, Ägypten hat gewonnen. Wann holt denn Liberia den Titel?

Das Lone-Star-Team braucht noch Zeit, sich zu entwickeln. Aber es kann wieder eine starke Truppe werden.

Stark genug für eine WM-Teilnahme?

Vielleicht klappt es für Südafrika 2010. Leider haben wir es nie geschafft, solange ich Spieler war. Das war mein großer Traum.

Sind Sie frustriert deshalb?

Natürlich hat es mich traurig gemacht. Aber ich war trotzdem mit dem Nationalteam erfolgreich. In meinen Klubs sowieso. Von allen Titeln und Auszeichnungen bedeutet mir die Wahl zu Afrikas Spieler des Jahrhunderts am meisten.

Ihre Kindheit war hart.

Ich bin in Monrovias Slum Clara Town aufgewachsen. Das war ein armes Leben. Wir haben barfuß im Dreck gekickt. Als Ball nahmen wir alte Lappen oder Dosen. Ich habe oft Hunger gehabt. Aber meine Großmutter hat mich aufgezogen und sehr gut behütet.

Was war mit Ihren Eltern?

Die waren leider nicht da. Das bedaure ich bis heute. Aber meine Mutter hat mir das Leben geschenkt. Und meine Großmutter hat mich Bescheidenheit gelehrt, Respekt und Liebe.

Könnten Sie eigentlich noch ein Telefon anschließen?

Ja, ich glaube, das bekäme ich hin. Meine Arbeit als Techniker bei der liberianischen Telefongesellschaft hat mir Spaß gemacht. Ich hatte viele Jobs in meinem Leben. Früher habe ich sogar Popcorn verkauft.

Wie war es dann, nach Europa zu kommen?

Als mich Arsène Wenger 1988 nach Monaco holte - das war schon toll. Alles wirkte groß und neu. Das Publikum liebte mich von Anfang an. Ich habe mich wie ein Prinz gefühlt.

Welche Ihrer Fußballer-Stationen war die schönste?

Alle! Die Jahre beim AC Milan waren natürlich die erfolgreichsten. Aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate waren großartig. Fast wäre ich ja auch mal bei den Bayern gelandet, Franz Beckenbauer wollte mich immer holen.

Heute gehört Ihnen ein TV-Kanal in Liberia, den Sie nach Ihrer Frau Clar benannt haben.

Ein Schriftsteller widmet ja auch seiner Frau Bücher. Für mich war das ein Liebesbeweis. Clar ist wunderbar. Sie hat mich immer gestützt und animiert, etwas für mein Land zu tun.

Liberia hat 14 Jahre Bürgerkrieg erlebt.

Das Land leidet bis heute an den Folgen. Viel ist kaputt: Es gibt kein fließend Wasser, keinen Strom, kein Telefon. Trotzdem lieben die Menschen ihr Land und das Leben. Sie sind extrem zäh. Ich wäre gerne ihr Präsident geworden.

Warum haben Sie 2005 in der Stichwahl gegen Ellen Johnson-Sirleaf verloren?

Ich glaube bis heute, dass die Wahlen nicht korrekt abliefen. Die Präsidentin macht keine gute Politik für das Land und ist korrupt.

Viele Leute haben gesagt, Sie hätten zu wenig Bildung für den Job.

Das sehe ich nicht so. Bildung ist wichtig, aber nicht alles. Es muss auch um die menschlichen Qualitäten gehen. Heute drücke ich in Miami wieder die Schulbank. Ich hole auf. Zu den Wahlen 2012 trete ich noch mal an.

Nelson Mandela hat Sie mal als "Afrikas Stolz" bezeichnet.

Das war eine große Ehre. Mandela ist der Stolz der Welt und war für mich immer ein Vorbild. Er steht für Frieden und Aufrichtigkeit statt für Gewalt. Mit Männern wie ihm kann Afrika nach vorne kommen.

Interview: Christoph Wöhrle

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