Was macht eigentlich... ...Frank Busemann?


1996 gewann der Zehnkämpfer überraschend die olympische Silbermedaille. Nach unzähligen Verletzungen musste er 2003 den Sport aufgeben.

Sie haben Ihren Körper oft über ein gesundes Limit getrieben. Haben Sie Beschwerden von der Schinderei behalten?

Nein. Ich muss mir zwar beim Husten die Leiste zuhalten, und Tennis spielen geht auch nicht mehr, aber ich kann sonst noch Sport treiben und ein weitgehend schmerzfreies Leben führen.

Traurig, bei all dem Aufwand doch den Olympiasieg verpasst zu haben?

So schlimm das auch klingt, früher habe ich gedacht, nur glücklich sein zu können, wenn ich das schaffe. Heute bin ich stolz auf meine 8706 Punkte von Atlanta und kann auch ohne Olympiasieg leben.

Der Abschied vom Leistungssport - kam er zu früh oder zu spät?

Er kam genau richtig. Ich war kaputt genug, um endlich einzusehen, es bringt nichts mehr, gleichzeitig aber noch gesund genug, um vernünftig weiterzuleben. Ein Zehnkampf mehr, und ich wäre heute wohl nicht mehr so gut unterwegs.

Haben Sie den Ehrgeiz eines Spitzensportlers behalten?

Sagen wir es mal so: An der Uni lässt der im Moment ein bisschen zu wünschen übrig, aber im Großen und Ganzen bin ich schon sehr ehrgeizig. Mit dem ehemaligen Radprofi Marcel Wüst habe ich im Sommer eine Triathlon-Staffel gemacht, bin dabei die fünf Kilometer in 18 : 55 Minuten gelaufen. Im Nacken hatte ich aber eine Zwölfjährige, die war am Ende 34 Sekunden schneller als ich. Das sind so Sachen, da geht es ja um nix, aber ich will die Zwölfjährige im Griff behalten und nicht umgekehrt.

Im Zehnkampf sieht es seit Ihrem Rücktritt schlecht aus. Was fehlt den Nachwuchskräften?

Darüber will ich mir kein Urteil erlauben. Meine Frau sagt nur immer: Mit dir darfst du keinen vergleichen. Du warst mit 16 der Mustersohn, hast nie Scheiß gemacht und nur für deinen Sport gelebt.

Vor zwei Jahren veröffentlichten Sie Ihre Biografie "Aufgeben gilt nicht". Das erste Exemplar bekam Ihre Freundin Katrin - zusammen mit einem Heiratsantrag.

Ich wollte ihr danken für all das, was sie die Jahre über ausgehalten hat. Es war nicht leicht mit mir gewesen, das muss man ganz klar sagen. Trotz allem hat sie mir immer den Rücken freigehalten und mehr oder weniger auf mich aufgepasst. Drei Wochen später haben wir geheiratet.

Nach dem Sport wollten Sie Ihr Wirtschaftsstudium vorantreiben. Wie weit sind Sie?

Ich habe es total unterschätzt. Ich dachte, ich trete zurück, studiere und gehe ganz normal ins Berufsleben. Aber ich habe jetzt noch weniger Zeit als früher. Deshalb bin ich zur Fernuni Hagen gewechselt und hoffe, in vier Semestern fertig zu sein.

Wie wollen Sie dann Ihr Geld verdienen?

Eigentlich hatte ich mich auf Wirtschaft versteift. Jetzt aber habe ich gesehen, wie viel Spaß mir Sport noch macht, deshalb fahre ich zweigleisig: Ich arbeite für eine Unternehmensberatung, gehe in Betriebe und schule die Mitarbeiter nach unserem Buch "Zehnkampf-Power für Manager". Daneben mache ich TV-Moderationen bei Leichtathletik-Veranstaltungen.

Als gelernter Bankkaufmann haben Sie sich immer für die Börse interessiert, sogar zugegeben, beim Crash am Neuen Markt 300 000 Euro verloren zu haben. Wie stehen denn die Aktien heute?

Ich bin konservativer geworden und konzentriere mich heute auf die Dax-Dinger. Ein bisschen zu spielen ist erlaubt und das Salz in der Suppe; aber die Termingeschäftsfähigkeit habe ich nicht mehr verlängert. Das heißt, Optionsscheine bleiben außen vor, was das Leben auch ein wenig ruhiger macht.

Interview: Peter Monke

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