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Leichtathletik-WM: Kameras filmen Sportlern in den Schritt – Reaktion des ARD-Experten irritiert einige

Den 100-Meter-Läuferinnen in Doha filmten neuartige Kameras direkt in den Schritt. Darf man sich davon ablenken lassen? Eine Äußerung dazu des ARD-Experten Frank Busemann irritierte einige im Netz.

Gina Lückenkemper vor dem Start – und jetzt versuchen, nicht an die Kameras zu denken ...

Gina Lückenkemper vor dem Start – und jetzt versuchen, nicht an die Kameras zu denken ...

Picture Alliance

Die merkwürdigen neuen Kameras, die bei der Leichtathletik-WM in Doha in die Startblöcke der Sprinter und Hürdenläufer eingebaut wurden, sorgten in den vergangenen Tagen für reichlich Wirbel. Sie zeigen die angespannten Gesichter der Sportler vor dem Start – aus einer nicht besonders schmeichelhaften Perspektive und in einer nicht besonders guten Qualität. Das mag mancher interessant finden, aber nötig ist es nicht. Doch das ist nicht einmal der Punkt: Sobald die Läufer lossprinten, filmen die Kameras nicht mehr in die Gesichter, sondern in den Schritt der oft knapp bekleideten Athleten.

Diese Bilder sieht man zwar nicht im Fernsehen, aber ein ganzer Regieraum voller Menschen hat den direkten Blick darauf. Und was nach der WM mit entsprechenden Videoclips passieren könnte, kann man sich ausmalen. Eine äußerst unangenehme Situation, gerade für weibliche WM-Teilnehmerinnen.

Niemand weiß, was die Startblock-Kameras sollen

Besonders fragwürdig: Die Sportler waren vorab nicht darüber informiert worden, dass sie aus dieser neuen Perspektive gefilmt werden. Als die Sprinterin Tatjana Pinto nach ihrer Meinung zu den Startblock-Kameras gefragt wird, weiß sie erst einmal gar nicht, worum es überhaupt geht. Dann sieht sie irritiert und leicht angewidert aus. "Die Kamera ist direkt – dahinter? Ach so", sagt sie. "Das ist natürlich 'ne ganz, ganz merkwürdige, befremdliche Situation."

Deutlichere Worte fand ihre Kollegin, die Läuferin Gina Lückenkemper, dazu: "Wir in diesen kurzen Sachen müssen da immer drübersteigen. Das finde ich ziemlich doof, als Frau", sagte sie direkt. Mit diesen Worten erntete sie fast universelle Zustimmung und bewirkte sogar eine, wenn auch kleine, Verbesserung der Situation. Die Bilder werden teils geschwärzt und nach 24 Stunden wieder gelöscht.

Doch der Unmut der Sportfans richtet sich nicht nur gegen die Veranstalter, die die Kameras in Auftrag gegeben oder zumindest abgenickt haben, sondern inzwischen auch gegen die ARD-Sportschau-Kommentatoren Claus Lufen und Frank Busemann. Denn während die deutsche WM-Berichterstattung die Kameras insgesamt ebenfalls sehr kritisch betrachtete, wirkte es auf einige Beobachter, als fänden die beiden Sport-Experten die Aufregung übertrieben. 


Was war passiert? Moderator Claus Lufen hatte den ARD-Experten Frank Busemann gefragt: "Frank, darf man sich von diesen Kameras irritieren lassen?" Und der antwortete abwiegelnd: "Nee, darf man nicht. Aber Gina macht's gerade, und das sind dann diese ein, zwei Hundertstel, die dadurch liegen bleiben."

Der Kommentar wirkte abfällig und überheblich

Einige Twitter-Nutzer ärgerten sich: "Schön, dass die beiden Wichtigmänner bestimmen, wie die Läuferinnen zu reagieren haben und die Sache abtun". Eine andere Nutzerin urteilt: "Was für eine sexistische Kackscheiße!" Andere schrieben: "Upskirting-Experten Lufen und Busemann im Gespräch". 

wt

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