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WAS MACHT EIGENTLICH...: Christopher Atkins

Sein erster Film war auch sein erfolgreichster: Mit 18 durfte der US-Schauspieler die junge Brooke Shields verführen - in der Teenie-Romanze »Die Blaue Lagune« von 1980.

Sein erster Film war auch sein erfolgreichster: Mit 18 durfte der US-Schauspieler die junge Brooke Shields verführen - in der Teenie-Romanze »Die Blaue Lagune« von 1980.

Zur Person:

Christopher Atkins, 40, ist seit 1985 mit der Australierin Lynne Barron verheiratet und lebt mit seiner Familie im San Fernando Valley bei L.A. Atkins wurde in Rye, New York, geboren und nach der Schule als Model entdeckt. Nach seinem Filmstart 1980 in »Die Blaue Lagune« war er drei Jahre später in der TV-Serie »Dallas« als junger Liebhaber von Sue Ellen Ewing zu sehen. 1986 prellte ihn sein Manager um eine halbe Million Dollar. Atkins war beinahe pleite und begann zu trinken. Heute ist er trocken und arbeitet noch immer als Schauspieler, vor allem in Low-Budget-Produktionen.

Wo sind denn Ihre Locken aus »Die Blaue Lagune« geblieben?

Ich habe völlig glatte Haare, der Lockenkopf war ein Spleen der Drehbuchautoren. Selbst zum Vorsprechen musste ich eine blonde Lockenperücke mitbringen. Meine Mutter hatte zum Glück noch so ein verstaubtes Teil. Während des Drehs trug ich dann allerdings keine Perücke mehr. Meine blondierten Haare wurden jeden Tag mit dem Wickelstab bearbeitet. Eine lästige Tortur.

Die Dreharbeiten auf einer einsamen Fidschi-Insel waren sicher ein Abenteuer, oder?

Kann man wohl sagen. Wir verbrachten dreieinhalb Monate auf dieser menschenleeren Insel. Für die Crew wurde ein Zeltdorf errichtet, nur Brooke Shields und ihre Mutter hausten in einer Holzhütte. Mein Zelt war direkt am Strand, wo mich jeden Morgen eine kleine Eidechse weckte - ein Paradies. Schon nach der ersten Woche waren alle Hemmungen verflogen, die Crew lief nur noch splitternackt herum. Außer Brooke Shields.

Wieso, was war ihr Problem?

Sie war gerade 14 Jahre und hatte sich wohl geschämt, wie das so ist in dem Alter. Aber wir verstanden uns gut und verbrachten viel Zeit miteinander, machten Unsinn.

Doktorspiele auf Fidschi-Art?

Um Gottes Willen! Brooke war mir viel zu jung, ich war ja schon 18. Außerdem hätte beim kleinsten Annäherungsverdacht ihre Mutter dazwischengefunkt. Aber ich hatte den Eindruck, dass sich Brooke sehr für meinen Körper interessierte. Ich war wohl der erste Mann, den sie leibhaftig nackt gesehen hatte. Da blieben neugierige Blicke in meinen Schritt nicht aus.

Waren Sie froh, nach Drehende wieder in die Zivilisation zurückzukehren?

Nein. Der Abschied war grauenhaft, ich hatte das Gefühl, eine Familie zu verlieren. Als ich beim nächtlichen Landeanflug über Los Angeles das riesige Lichtermeer unter mir sah, bekam ich richtige Angstzustände. Die Rückkehr zur Normalität hat Monate gedauert. Als die Promotiontour für den Film startete, hatte ich mich aber wieder gefangen. Ich war damals übrigens auch in Deutschland. In Hamburg war ich auf dieser Reeperbahn. Gibt es da immer noch die Wand, hinter der Prostituierte in Schaufenstern sitzen?

Ja, in der Herbertstraße.

Genau. Unglaublich.

»Die Blaue Lagune« war Ihr erster und einziger großer Kinoerfolg. Haben Sie nach den späteren Flops überlegt, mit dem Filmgeschäft aufzuhören?

Das wäre schwierig gewesen, weil ich einen Vierjahresvertrag mit Columbia Pictures hatte. Außerdem ist ja nicht alles gefloppt. Meine Gastrolle als Peter Richards bei »Dallas« brachte viel Zuspruch. Immerhin habe ich Sue Ellen flachgelegt und J.R. mächtig eins ausgewischt. Aber im Ernst: Trotz aller negativen Erfahrungen hatte ich auch eine Menge Spaß. Gut, auf die Alkoholabhängigkeit hätte ich verzichten können. Doch ich bin jetzt seit 15 Jahren trocken, habe eine großartige Familie und spiele regelmäßig in Low-Budget-Produktionen, die uns ein gutes Leben sichern. Und ich arbeite intensiv an einer zweiten Karriere.

Wie soll die aussehen?

Zurück ins große Filmgeschäft. Ich warte auf das eine richtige Angebot für den richtigen Film zur richtigen Zeit. Nebenbei versuche ich mich als Drehbuchautor und möchte eine eigene Produktionsfirma gründen. Vielleicht sogar in Deutschland, der Kinomarkt dort gehört zu den wichtigsten der Welt. Dann könnte ich auch mal wieder die Herbertstraße besuchen.

Interview: Andreas Renner