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Was macht eigentlich...: Elisabeth Teissier

Nach ihrer Model- und Filmkarriere wandte sich die Französin der Sterndeutung zu und wurde zu Beginn der Achtziger durch die ARD-Sendung "Astro-Show" berühmt.

Zur Person

Elisabeth Teissier lebt in Paris und Genf. Die 65-Jährige, geboren als Germaine Elizabeth Claire Hanselmann in Algier, hat zwei erwachsene Töchter aus ihrer Ehe mit André Teissier du Cros. Sie studierte Literatur und französische Philologie und arbeitete anschließend als Model u. a. für Chanel. Nach diversen Engagements als Filmdarstellerin begann sie in den Siebzigern, sich intensiv mit Astrologie zu beschäftigen, und gelangte durch zahlreiche TV-Sendungen, Bücher und als Beraterin Prominenter zu weltweiter Popularität. 2001 erhielt Elizabeth Teissier trotz Protestes einiger Gelehrter ihren Doktortitel in Soziologie an der Pariser Sorbonne.

Sie haben an der Pariser Sorbonne Ihren Doktor in Soziologie gemacht. Warum dürfen Sie dort bis heute keine Vorlesungen halten?

370 Kollegen sind gegen meine Ernennung Sturm gelaufen, darunter vier Nobelpreisträger. Seit der Aufklärung will man nicht mehr akzeptieren, dass wir Menschen ein Schicksal haben und im Großen und Ganzen vorausbestimmt sind. Albert Einstein verglich uns mit einer Mücke, die in der Gegend rumfliegt und sich dabei völlig frei fühlt - nur weiß die Mücke nicht, dass sie in einem Zug ist, der von Paris nach Marseille fährt.

Ihr Prüfer gab Ihnen nach Lektüre Ihrer Arbeit den Rat, "künftig Schizophrenie nicht mehr mit Y zu schreiben".

Ich bin seit 30 Jahren an Häme gewöhnt. Mein Handicap ist, dass ich eine attraktive Frau bin, die oft in den Medien ist. Seit kurzem habe ich sogar eine Kolumne im "Figaro". Außerdem nehmen es mir noch immer viele übel, dass ich sieben Jahre den Sozialisten Francois Mitterrand astrologisch beriet.

Warum suchte Mitterrand Ihren Rat?

Je bedeutsamer und mächtiger ein Mensch wird, desto einsamer und misstrauischer ist er. Mitterrand wusste sehr genau, dass er von ehrgeizigen Hofschranzen umgeben war. Bei mir kann sich jeder darauf verlassen, dass ich ehrlich meine Meinung sage und diskret bin. Ich sah in Mitterrands Horoskop, dass er eine Unterleibserkrankung hatte. Nach ein paar Monaten sagte ich zu ihm: "Herr Präsident, ich kann keine Vorhersagen für Sie machen, wenn Sie nicht offen zu mir sind." Er schwieg. Erst vier Jahre später gestand er mir, dass er Prostatakrebs habe und vor Schmerzen kaum noch gehen könne.

Wie oft konsultierte Mitterrand Sie?

In Krisenzeiten wie vor dem ersten Golfkrieg mehrmals am Tag. Ich musste permanent die Sternbilder von Bush und Saddam Hussein vergleichen.

Wie hoch ist Ihre Fehlerquote?

Eine Untersuchung meiner Gegner hat ergeben, dass 82 Prozent meiner Vorhersagen stimmen. Meine Irrtümer liegen daran, dass die Astrologie eine symbolische Wissenschaft ist. Ich benutze zwar die Sternkarten der Nasa, aber bei der Auslegung kann es zu Fehlern kommen.

Was zahlte Mitterrand für Ihre Prognosen?

Mitterrand fühlte sich wie Gott. Die Ehre, für ihn die Sterne zu interpretieren, hielt er für Lohn genug. Ich beklagte mich nie, denn Gott schreibt man keine Rechnungen.

Zu Ihren treuesten Kunden zählt auch Juan Carlos von Spanien.

Ich berate ihn seit 25 Jahren. Er hat meine Handynummer, und seine Daten sind in meinem Computer. Für Einzelfragen brauche ich 15 Minuten, für sein jährliches Solarhoroskop mehrere Stunden.

Kommen Sie bei ihm auf Ihre Kosten?

Er ist nicht sehr großzügig, ein geiziger Steinbock. Zu Weihnachten schickt er mir Perlmuttknöpfe oder einen Stift von Montblanc. Dafür vergisst er nie meinen Geburtstag und ruft jedes Mal persönlich an.

Haben Sie Tabus bei der Sterndeutung?

Ich würde nie sagen, der Papst wird dann und dann sterben. Den Tod eines Menschen öffentlich vorherzusagen verbietet sich aus ethischen Gründen.

Sie rauchen und treten als PR-Botschafter für Davidoff-Zigaretten auf. Wissen Sie, wann Sie sterben werden?

Ja. Ich kenne die schwarzen Punkte meines Schicksals. Ich könnte sogar den Tag meines Todes ausrechnen, aber das will ich nicht. Die Astrologie stärkt den Starken und tötet den Schwachen.

Interview: Sven Michaelsen

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