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WAS MACHT EIGENTLICH...: John Kay

Dem deutschstämmigen Sänger und seiner Band Steppenwolf gelang 1968 mit dem Song »Born To Be Wild« ein Hit, der ein Jahr später durch den Film »Easy Rider« zur unsterblichen Biker-Hymne wurde.

Dem deutschstämmigen Sänger und seiner Band Steppenwolf gelang 1968 mit dem Song »Born To Be Wild« ein Hit, der ein Jahr später durch den Film »Easy Rider« zur unsterblichen Biker-Hymne wurde.

Zur Person:

John Kay lebt mit seiner Frau Jutta in Franklin bei Nashville, Tennessee. Die beiden haben eine Tochter, Shawn, 33. Kay wurde als Joachim Fritz Krauledat in Ostpreußen geboren und wanderte 1958 mit Mutter und Stiefvater nach Toronto aus. Neun Jahre später gründete er die Band Steppenwolf, benannt nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Hesse. Nach »Born To Be Wild« landete die Gruppe mit »Magic Carpet Ride« einen weiteren Superhit und trennte sich dann in den Siebzigern. Kays Solokarriere folgte 1980 eine Reunion als John Kay & Steppenwolf. Bis heute hat die Band weltweit über 20 Millionen Platten verkauft.

Mister Kay, Sie sind als 14-Jähriger in die USA ausgewandert, aber Ihr Deutsch ist immer noch astrein.

Danke, ich mag die Sprache einfach gerne. Außerdem hat es sicher auch geholfen, dass ich bis vor einigen Jahren oft in Aachen war, wo meine Mutter und mein Stiefvater lebten. Ich besuche Deutschland sehr gerne und fühle mich dort wohl.

Ihre Frau Jutta ist auch Deutsche.

Wir sehen regelmäßig Deutsche Welle, sprechen aber miteinander nur Englisch. Außer, es geht um ein Wort, dass es im Englischen nicht gibt. Zum Beispiel: Geschmacksverirrung.

Bei der Wahl Ihrer Frau gab's die wohl nicht. Sie sind 35 Jahre verheiratet ...

Was ungewöhnlich ist in meinem Gewerbe. Ich habe meine Frau im Herbst 1965 kennen gelernt und bin am selben Abend bei ihr eingezogen. Ich war allerdings die halbe Zeit davon auf Tour, sodass wir genau genommen erst seit 17 Jahren zusammen sind. Dass das so lange gehalten hat, liegt an ihr. Ich hatte ein paar wilde Jahre, aber sie hatte die Geduld

zu warten, bis ich erwachsen wurde.

Im August treten Sie in Calw im Schwarzwald beim Hermann-Hesse-Jubiläum auf. Warum hat sich Ihre Band nach dem Hesse-Roman »Steppenwolf« benannt?

Das mit dem Namen ist eine komische Sache. Hesse wurde damals sehr viel auf den Universitäten gelesen. Ich war aber nie auf der Uni, ich war ja Rock'n'Roller. Und aus Deutschland kannte ich nur noch Schiller. Jedenfalls, unser Produzent hatte das Buch gelesen, und der Titel gefiel ihm. Keiner aus der Band hatte eine bessere Idee, also nahmen wir

Steppenwolf. Und ich dachte: Jetzt hast du den Namen, aber keine Ahnung, worum's geht.

Haben Sie die Wissenslücke gefüllt?

Ich habe die nächsten zwei Jahre auf Tourneen immer wieder versucht, das Buch zu lesen, aber ich kam jedes Mal nur etwa bis Seite 64. Es hat dann noch mal zwei Jahre gedauert, bis ich es geschafft habe. Und ich fand eine Menge in dem Buch, was mich persönlich sehr berührte.

Waren Sie eigentlich jemals ein Biker?

Auf die Gefahr hin, dass das eine Enttäuschung ist: Das Einzige, was ich je auf einer öffentlichen Straße gefahren bin, ist ein Fahrrad. Ich habe von Geburt an schlechte Augen, kann helles Licht nicht vertragen und bin farbenblind.

Und was sagen Ihre Biker-Fans dazu?

Bei Konzerten werden meine Bandkollegen oft gefragt, welche Harley ich denn fahre, was den Jungs irgendwann auf den Wecker ging. Seither sagen sie immer: Der hat eine ganze Garage voller Motorräder.

Wie kommen Sie denn mit den härteren Gesellen unter Ihren Fans zurecht?

Die Hells Angels waren eigentlich immer die freundlichsten Fans. Die Krawallmacher waren meistens besoffene Studenten. Inzwischen sind viele Harley-Fahrer sowieso nicht mehr die rauen Jungs wie früher, sondern Anwälte oder Ärzte. Aber wir spielen jährlich immer noch auf bestimmt sechs Biker-Events. Letztes Jahr hatten wir sogar ein Angebot für ein Biker-Open-Air in den Arabischen Emiraten. Das war uns dann aber doch zu weit weg.

Klingt nicht sehr nach born to be wild.

Ich habe ein schönes Leben. Und mir und der Band ist klar, wie viel Glück wir damit haben. Zusammen mit Freunden auf der ganzen Welt Musik zu machen und dafür gut bezahlt zu werden - das ist etwas sehr, sehr Seltenes.

Interview: Andreas Hutzler