was-macht-eigentlich Stevie Nicks


Mit »Fleetwood Mac«, der Erfolgsband der 70er, ging sie in die Pop-Geschichte ein. Wegen Drogenproblemen war es ruhig um die stimmgewaltige Amerikanerin geworden.

Mit FLEETWOOD MAC, der Erfolgsband der 70er, ging sie in die Pop-Geschichte ein. Wegen Drogenproblemen war es ruhig um die stimmgewaltige Amerikanerin gewordenZur Person :

Stevie Nicks, 52, lebt wahlweise in Pacific Palisades, Los Angeles, und in ihrer Heimatstadt Phoenix. 1975 stieß sie mit ihrem damaligen Lebensgefährten Lindsay Buckingham zu »Fleet-wood Mac«. Bei der britisch-amerikanischen Kultband, deren Album »Rumours« sich gut 30 Millionen Mal verkaufte, reifte Nicks zum Superstar - trotz jahrelanger Drogen- und Alkoholprobleme. In den 80ern trennte sich die Gruppe vorläufig. Doch alte Liebe rostet nicht: Noch in diesem Jahr, sagt Nicks, soll eine gemeinsame Platte entstehen

Schön hier: Von Ihrem Schreibtisch guckt man direkt auf den Pacific Highway und das Meer.

Deshalb habe ich das Haus vor drei Jahren gemietet. Ich liebe es, über dem Meer zu wohnen. Es hält mich jung.

Wie das?

Wenn ich morgens das Fenster aufmache, und der Seewind bläst mir um die Nase, dann fühle ich mich wie ein Kapitän, der gleich in sein Boot steigt und in See sticht. Das macht mich sofort zehn Jahre jünger.

An stürmischen Zeiten hat es bei Ihnen nicht gefehlt.

Ich finde, ich habe mich ganz gut geschlagen. Vor fünf oder sechs Jahren gab es eine Phase, da dachte ich: Im Jahre 2001 bist du nicht mehr am Leben.

Sie hatten zuvor Ihre Drogensucht und den Alkoholismus bezwungen. Was war diesmal das Problem?

Ich war süchtig nach dem Beruhigungsmittel Klonopin. Ich gebe Ihnen einen guten Rat: Wenn Ihnen eines Tages ein Arzt oder Psychiater sagen sollte: »Sie haben schwache Nerven? Probieren Sie doch mal Klonopin« - dann sollten Sie schreiend aus der Praxis rennen.

So schlimm?

Ein teuflisches Zeug. Ich nahm es acht Jahre lang. Die Sucht schlich sich langsam und subtil ein. Ich merkte nicht, wie ich mich veränderte. Dass ich immer mehr meine Kreativität verlor. Ich konnte keine Musik mehr machen und keine Bilder mehr malen. Am Ende war ich nicht mehr ich selbst.

Was geschah dann?

Eines Morgens wachte ich auf, und die echte Stevie Nicks sah die unechte Stevie Nicks im Bett liegen und sagte: »Jetzt muss was passieren.« Ich ging in eine Suchtklinik. Und nach zwei Monaten war der Spuk vorbei. Seitdem kann ich auch wieder gute Songs schreiben.

Sie leben allein. Bedauern Sie das?

Um Himmels willen! Ich bin glücklich so. Ich kann es gar nicht ertragen, wenn mir jemand in mein Leben reinmeckert und sich beispielsweise beschwert, dass ich seinen Zeitplan durcheinander bringe. Kinder könnte ich sowieso nicht haben.

Warum nicht?

Ich habe es jetzt bei meinem Hund gemerkt: Ich könnte ihn niemals jemand anderem zur Pflege überlassen. Wenn ich sehen würde, wie mein Kind in die Arme des Kindermädchens läuft - ich glaube, ich würde sofort alle Tourneen absagen und zu Hause bleiben, bis das Kind 15 ist.

Gibt es Fleetwood Mac noch?

Klar. Wir wollen noch dieses Jahr ein neues Album aufnehmen.

Sie haben ein Überraschungskonzert auf Bill Clintons Abschiedsfeier gegeben.

Ach, erinnern Sie mich nicht daran. Unser Bassist John McVie sympathisiert ja mit den Republikanern. Wir ermahnten ihn also: »John, du benimmst dich.« Als Clinton dann unser Geschenk auspackte und sich bedankte: »Oh, vielen Dank, das ist aber hübsch. Das werde ich zu Hause aufhängen«, da sagte John triumphierend: »Aber nicht mehr im Weißen Haus.« Betretenes Schweigen rundum. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken.

Sie haben kürzlich ein Soloalbum rausgebracht, »Trouble in Shangri-La«.

Es geht um ein klassisches Problem: Du träumst ewig vom Paradies. Und wenn du es dann endlich erreicht hast, stellst du fest: Das ist gar nicht das, was ich will. Deshalb sind wir immer auf der Suche. Die Idee kam mir 1994, als die O.J.-Simpson-Verhandlung lief. Der Mann hätte doch das Paradies auf Erden haben können. Aber er hat's vermasselt.

Interview: Christiane Rebmann


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