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William und Harry: Königliche "Saufbrüder" ertappt

Prinz William und Prinz Harry haben das britische Königshaus mit einer zügellosen Vergnügungstour schockiert. Doch damit ging ein Wunsch der Briten in Erfüllung: Die Prinzen wachsen nicht im goldenen Käfig auf.

Prinz Williams Augen sind weit aufgerissen. Die von Harry dagegen sind zugekniffen. Beide grinsen den Lesern der auflagenstärksten Boulevardzeitung Großbritanniens von einer Doppelseite in seeliger Umarmung entgegen. Balkenüberschrift: "The Booze Brothers" (Die Saufbrüder). Schärfer ist das Titelfoto, das tausende Londoner am Zeitungskiosk nach der "Sun" greifen ließ: Prinz Harry fasst einer Blondine an den Busen. William schwenkt im Hintergrund ein Glas. Alle drei scheinen schwer betrunken zu sein.

Die Bilder entstanden nach Angaben der Zeitung bei einer Sommernachtparty im Londoner Szene-Club der Schönen und Reichen "Boujis". Auf den einen oder anderen Briten mögen die Fotos schockierend wirken. Und die PR-Abteilung des Buckingham-Palastes war bestimmt "not amused". Doch "Sun"-Hofberichterstatter Duncan Larcombe hat wohl recht, wenn er darauf hinweist, dass die Mehrheit der Briten sich 1997 nach dem Unfalltod von Prinzessin Diana gewünscht habe, ihre Söhne William und Harry mögen wie normale Jungen heranwachsen und nicht in einem "Goldenen Käfig" eingesperrt sein. "Unsere Bilder zeigen, dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist."

Doppelt so viele "Alkolleichen" als vor zehn Jahren

Wie sehr in Großbritannien ungebremster Alkoholgenuss zur gesellschaftlichen Realität gehört, machte rein zufällig am selben Tag die Veröffentlichung einer Untersuchung der medizinischen Notdienste des Landes deutlich: Heutzutage werden im Königreich Rettungswagen mehr als doppelt so oft zu "Alkoholleichen" gerufen, als noch in den 90er Jahren.

Ein Grund sei, dass Mobiltelefone es Betrunkene leicht machten, einfach die Nummer 999 der Notrufzentrale einzutippen und dann ihren Aufenthaltsort durchzulallen. Besonders stark sei die Zahl solcher nächtlichen Anrufe gestiegen, seit im vergangenen Herbst die Sperrstunde in britischen Pubs aufgehoben wurde.

Gesellschaftliche Folgen des Trinkens

Wie es aussieht, lag Ex-Alkoholiker Tony Booth, der Schwiegervater des britischen Premierministers Tony Blair, mit seiner Warnung vor einer Lockerung der Trinkregeln richtig: "Wir sind keine Leute mit Mittelmeer-Gepflogenheiten, die glücklich dabei sind, in einem Straßen-Café ein oder zwei Gläser Rotwein zu trinken", sagte er der Zeitung "Daily Mail". "Wir trinken auf primitivere, Furcht erregende angelsächsische Art. Wir trinken, um besoffen zu werden." Erst Anfang August hatten Wissenschaftler der Universität Liverpool mit einer Untersuchung der gesellschaftlichen Folgen des massiven Trinkens für Aufsehen gesorgt: Demnach könnten Männer in England durchschnittlich zehn Monate länger leben, wenn sie nicht so oft und so viel Alkohol konsumieren würden.

Doch solche Warnungen verpuffen meist. Wohl auch, weil der durchschnittliche Brite sich immer wieder damit tröstet, dass das Trinken akzeptierte gesellschaftliche Norm ist und zudem auch von vielen Prominenten "gepflegt" wird. Schon bevor William und Harry als feuchtfröhliche Draufgänger dargestellt wurden, war die Reihe prominenter Zecher sehr lang.

Sie umfasst so bekannte Namen wie Ronnie Wood von den Rolling Stones oder den Fußballer George Best. Der starb allerdings im vergangenen November an Leberversagen. Hingegen bietet die Geschichte des britischen Königshauses ein herausragendes Beispiel dafür, dass man bei richtiger Dosierung auch mit einer Vorliebe für Drinks lange leben kann: Queen Mum, die Mutter von Königin Elizabeth II. und Urgroßmutter von William und Harry, hatte bekanntermaßen eine Schwäche für Gin-Tonic - und wurde immerhin 101 Jahre alt.

Thomas Burmeister/DPA / DPA