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Merchandising zu Olympischen Spielen Die Middletons und die Disziplin des Reichwerdens


Bei der royalen Hochzeit klingelten bereits die Kassen, jetzt verdient die Familie von Kate Middleton inoffiziell bei den Olympischen Spielen mit. Nun soll geklärt werden, ob sie sich strafbar macht.
Von Katharina Miklis

Die Stadiontapete für das richtige Olympiafeeling gibt es für 12,99 Pfund. Die Papiergirlande in Form der Olympischen Ringe ist schon für 1,99 Pfund zu haben. Wer dieser Tage die britische Internetseite partypieces.co.uk anklickt, bekommt allerlei Party-Artikel zum Thema Olympia geboten. Es ist nicht irgendeine Seite, sondern die von einer der berühmtesten Familien Großbritanniens: der Familie von der Herzogin von Cambridge.

Kates Verwandschaft vertreibt online Pappteller, Wimpel, und Luftballons für Kindergeburtstage, Hochzeiten und andere Feiern. Die Eltern Carole und Michael Middleton, ehemals Stewardess und Pilot, haben mit dem Online-Versandhandel ein Vermögen gemacht und sorgen in England regelmäßig für Neiddebatten. Nicht erst seit der Hochzeit von Kate und William boomt das Geschäft. Nicht selten wurden sie von der britischen Presse dafür gerügt, das Liebesglück der berühmten Tochter kommerziell auszuschlachten. Doch jetzt stehen ganz andere Probleme ins Haus der geschäftstüchtigen Familie.

Das olympische Rundumspaßpaket der Middletons

Denn mit ihren olympisch angehauchten Partyartikeln verstoßen die Middletons vermutlich massiv gegen die urheberrechtlich geschützten Spiele in London. Ausgenommen von den offiziellen Sponsoren ist es streng verboten, die olympische Symbolik kommerziell zu nutzen. Dies wurde 2006 gesetzlich im "London Olympic Games and Paralympic Games Act" zum Schutz der Olympia-Marken und Brandings festgelegt. Die Familie Middleton tut dies jedoch bislang recht offensiv. "Let the Games begin" steht auf ihrer Versandseite geschrieben. Das Logo besteht aus einer olympischen Fackel in Union-Jack-Farben. Das middletonsche "Celebrate the Games ultimative Kit" beinhaltet Teller, Tassen, Servietten, eine Tischdecke und allerhand Party-Deko. Es gibt Medaillen zu kaufen, aufblasbare Bierkrüge, Flaggen, ein Wurf-Spiel mit Ringen in olympischen Farben rot, gelb, grün, blau und schwarz. Geschützte Begriffe wie "Olympische Spiele", "Olympiade" oder "London 2012" vermeidet die Unternehmerfamilie zwar, wer jedoch "Olympics" ins Suchfeld auf der Seite eingibt, landet direkt bei dem olympischen Partypaket.

In dem Firmen-Magazin "The Party Times", das Pippa Middleton herausbringt, ruft Kates Schwester die Leser dazu auf, die britischen Athleten zu unterstützen - natürlich mit den Partyprodukten ihrer Eltern. "Egal, ob sie Tickets haben ... oder zu Hause ihre eigenen Mini-Spiele veranstalten wollen" - die geschäftstüchtigen Middletons bringen die Stadion-Atmosphäre in jeden britischen Haushalt.

Wie die britische Zeitung "Daily Mail" schreibt, kann der Verstoß gegen den Markenschutz eine Gerichtsverfahren und eine Geldstrafe von 20.000 Pfund zur Folge haben. Das Olympische Komitee (Locog), das für die Planung und Organisation der Spiele in London verantwortlich ist, hat in einem Leitfaden zum offiziellen Markenschutz explizit aufgeführt, was erlaubt ist - und was nicht.

Streifzug des Markenschutz-Expertenteams

Auch die Mitglieder der Deutschen Olympiamannschaft haben von dem Deutschen Olympischen Sportbund einen 20-seitigen Leitfaden für den Umgang mit Werbung und PR in die Hand bekommen. Darin geht es im Detail um den Umgang mit Sponsoren, Logos aber auch mit dem Social Web. Wer sich nicht daran hält und etwa auf Facebook ein Video aus den olympischen Stätten postet, kann von den Spielen ausgeschlossen werden.

Bei den Middletons geht es natürlich weniger um das sportliche, als um das wirtschaftliche Gold, das es während der Olympischen Spiele 2012 zu gewinnen gibt. Aber nicht nur Kates Familie, auch andere Unternehmer wittern während des Großereignisses das große Geld. Ein Markenschutz-Expertenteam von rund 300 Personen ist daher dieser Tage im gesamten britischen Königreich unterwegs, um Verstöße aufzuspüren. Egal, ob ein Bäcker seine Torten mit olympischen Ringen garniert oder ein Restaurant mit "Olympia-Wochen" wirbt - das alles soll unterbunden werden. In der Regel folgt eine Abmahnung. Sollte das Unternehmen nicht kooperieren, folgt eine Klage.

Wie der "Telegraph" schreibt, hat das Locog 700 Millionen Pfund aus dem Verkauf von offiziellen Markenrechten an 55 Unternehmen erworben und versucht nun mit großem Aufwand, die Rechte der Sponsoren zu schützen. Man will keine Ausnahmen machen. Die Ermittlungen gegen die berühmten Selfmade-Millionäre sollen bereits eingeleitet sein. Wie eine Sprecherin des Londoner Organisationskomitees sagt, werden die Geschäfte der Middletons nun überprüft.

Nachtrag, 20. Juli: Wie das Olympische Komitee nach einer Prüfung des Falls gegenüber stern.de erklärt, verstoßen die Middletons mit ihren Partyprodukten nicht gegen den Markenschutz. Die Familie wurde jedoch gebeten, Änderungen bei den Slogans vorzunehmen.


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