Berliner Modemessen Ein Hauch von Paris


Fünf Modemessen mit Zehntausenden Fachbesuchern haben Berlin am Wochenende zur Modehauptstadt werden lassen. Angesagte Designer zeigten, was 2005 auf den Schulhöfen angesagt ist.

Vor zehn Jahren, als noch der Muff des alten Westens in vielen Kaufhäusern hing, hätte es niemand für möglich gehalten. Berlin hat sich zur veritablen Modemetropole gemausert, zum Ärger von Köln und Düsseldorf. Am Wochenende strömten zehntausende Fachbesucher durch die Stadt, um auf den drei großen Messen, "Bread & Butter", "Premium" und "B-in-Berlin", die Trends für Herbst und Winter aufzuspüren. Daneben lockten diverse andere Messen, Modeschauen, Clubabende und Konzerte, darunter ein "geheimer" Auftritt des hochgehypten New Yorker Sängers Adam Green in einer Kreuzberger Bar vor 150 geladenen Gästen.

Was auf den Schulhöfen angesagt ist

Der Modenachwuchs tobte sich am Freitagabend bei der "Beck’s Fashion Experience" nahe dem Ostbahnhof aus. Wer sich am Wochenende auf der "Bread & Butter" in einem ehemaligen Kabelwerk in Spandau umschaute, fühlte sich an MTV oder die Musikmesse "Popkomm" erinnert. Kapuzenpullis, Schlabberjeans, Retroturnschuhe, Hot pants: Hier wird gezeigt, was auf den Schulhöfen der Republik und bei den Szenegängern vom Prenzlauer Berg angesagt ist und bleibt. Daneben gibt es auch feminine Kreationen bei der "Milk & Honey", 600 Marken präsentieren sich im Industrieambiente. Musik dröhnt aus den Boxen, in den Gängen fährt jemand mit einer Art Skateboard, an der nächsten Ecke macht ein Trupp Cheerleader lauthals Stimmung.

Wer kann da den Überblick behalten? Messegeschäftsführer Karl- Heinz Müller tut sich schwer, etwas zu den großen Trends zu sagen. Für ihn ist immer noch der lässige Casual Look wichtig, der Mix von Edlem und Lässigen, und dass man "Dinge trägt, die eine Philosophie haben". Marken eben. Die Kreationen bei der "Bread & Butter" sind opulenter und bunter geworden, hat Sprecherin Danielle De Bie beobachtet. "Stoffe und Farben werden dekorativer, Denim bleibt im Trend, insgesamt geht die Richtung aber vom Zerrissenen weg, wird eher cleaner."

Berlin meets Barcelona

Im Juli geht die Messe auf Tour nach Barcelona, bleibt aber weiter der Hauptstadt treu, wo weiter eine Ausgabe der "Bread & Butter" geplant ist. "Wir machen Berlin nicht kleiner", betont Müller. An den Ständen herrscht dennoch Wehmut: Manche bedauern, dass sich die junge, hippe Messe nicht mehr auf Berlin konzentriert. Der Schweizer Taschenhersteller Freitag überlegt noch, ob er nach Barcelona gehen soll, Sprecherin Christine Roth findet den globalen Ansatz jedenfalls "superspannend".

Die anderen Messen verfolgen die Entwicklung aufmerksam. Jeder sucht sein Segment: Im U-Bahngelände am Potsdamer Platz geht es bei der "Premium" eine deutliche Spur nobler zu, in den Messehallen am Funkturm zeigt sich die neue "B-in-Berlin" mit Marken wie Otto Kern und Cottonfield etwas konventioneller. Kleine Gags am Rande gibt es aber dennoch: Das israelische Label Bagir fertigt etwa Sakkos mit integriertem MP3-Player. Und Adam Green? Der trägt bei seinem Auftritt ein graues Jackett und dazu Schlabberjeans auf halber Hinternhöhe - als hätte er auf den Rat der Modefachleute gehört.

Von Caroline Bock, DPA DPA

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