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Interview

Chiara Ferragni: Mit Mode machte sie Millionen: "Ich hätte nicht mal mit zehn Prozent dieses Erfolgs gerechnet"

Sie startete 2009 ihren Modeblog "The Blonde Salad". Jetzt, zehn Jahre später, wurde ihre rasante Karriere verfilmt. Im Interview spricht Influencerin Chiara Ferragni über ihre Anfänge, ihr neues Leben als Mutter und ihre Pläne für die Zukunft.

Chiara Ferragni stellt neuen Film "Unposted" vor

Chiara Ferragni stand 2016 in der "Forbes"-Liste der "30 Under 30 Europe: The Arts"

Getty Images

Als sie 2009 ihren Blog "The Blonde Salad" gründete, gehörte die damals 22-jährige Chiara Ferragni zu den ersten großen Modebloggern. Danach ging alles Schlag auf Schlag: Es folgten Kollektionen mit großen Marken, ihre eigene Modelinie, Millionen Follower auf sozialen Plattformen, eine riesige öffentliche Hochzeit mit dem Musiker Fedez und jetzt sogar eine eigene große Dokumentation. Im Interview mit dem stern spricht die gebürtige Italienerin darüber, wie alles begann, wie ihr mittlerweile eineinhalbjähriger Sohn ihr Leben veränderte und warum es ihr so wichtig ist, immer von allem Bilder zu machen.

Frau Ferragni, Sie haben kürzlich Ihre Dokumentation "Unposted" vorgestellt. Wieso dieser Titel?

Wir haben uns den Titel gemeinsam im Team überlegt. Mein Leben ist sehr von Social Media geprägt. Deshalb sollte es auch irgendwie einen Bezug dazu haben. Aber es gibt auch Dinge, die ich auf den Netzwerken nicht zeige, nicht poste. Daher der Titel: In der Dokumentation von Amazon Prime Video zeigen wir Dinge, die man von mir noch nicht kennt und noch nicht gesehen hat. Eine andere Sichtweise auf mein Leben.

Der Film zeigt Ihre Karriere, die 2009 ihren Anfang nahm. Hätten Sie damals, als Sie Ihren Blog gestartet haben, gedacht, dass Sie jemals so erfolgreich werden?

Oh Gott, nein! Ich hätte mir nicht mal vorstellen können, auch nur zehn Prozent des Erfolges und der Bekanntheit zu erreichen, die ich heute habe. Es ist so verrückt, dass es immer besser und besser läuft. Aber wenn man liebt, was man tut, hat man auch neue Ideen und kann immer neue Ziele erreichen. Es ist wirklich wahnsinnig toll. Es ist aber auch eine ideale Zeit für das, was ich mache. Dafür, Storys zu erzählen und eine Zuhörerschaft zu erreichen.

Hatten Sie damals einen Plan B?

Ja, ich hatte Jura studiert und hatte immer einen Plan B in der Tasche. Man weiß nie, wie es in der Branche läuft. 

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus? Haben Sie bei all den Projekten genügend Zeit mit Ihrem Sohn?

Meine Arbeitstage sind immer völlig unterschiedlich. An "normalen" Tagen verbringe ich den Morgen mit meinem Sohn und gehe dann ins Büro. Meistens von etwa 13 Uhr bis 19 Uhr. In der Zeit habe ich immer viele Meetings mit Kunden, gehe Projekte an. Wenn ich morgens ins Büro muss, sehe ich zu, dass ich nachmittags Zeit mit meinem Sohn habe. An manchen Tagen ist das schwierig, wenn ich Shootings habe oder Kampagnen produziere. An wieder anderen Tage habe ich morgens Pressetermine und abends Premieren, bin viel unterwegs. Also ich kann sagen: Kein Tag ist wie der andere. Aber genau das ist für mich sehr erfüllend.

Was hat sich verändert, seitdem Sie Mutter sind?

Meine Prioritäten haben sich sehr verändert. Meine Familie steht immer an erster Stelle. Und ich bin vorsichtiger geworden. Weil ich immer denke, dass meinem Sohn nichts zustoßen darf. Ich bin dadurch etwas ängstlicher geworden. Aber insgesamt ist es toll, Mutter zu sein. Ich habe gelernt, meine Tage besser zu strukturieren und zu organisieren. Ich muss zwar viel arbeiten, möchte aber immer auch quality time mit meinem Sohn haben. Ich habe seither gelernt, Arbeitstage und Familientage ausgeglichen zu halten.

Sie schreiben auf Ihrem Instagram-Profil: "Love fiercly and don't forget to stop along the way to take photos", übersetzt etwa "Liebe intensiv, aber vergiss nicht, zwischendurch anzuhalten und Fotos zu machen." Wieso ist das wichtig? Manchmal ist es doch besser, den Moment zu genießen und das Handy mal aus der Hand zu legen.

Das Zitat habe ich in einem Buch gefunden, als ich in Los Angeles war, etwa vor vier Jahren. Wer es geschrieben hat, weiß ich leider nicht. Aber ich habe den Satz gelesen und fand, dass er perfekt zu meinem Leben passt. Ich finde, dass man manche Momente nicht nur in Gedanken festhalten, sondern ruhig Fotos machen sollte, um sich besser daran zurückzuerinnern. So schafft man Erinnerungen nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere.

Ist es nicht manchmal hart, Ihren Followern immer alles zeigen zu müssen? Hätten Sie nicht auch gerne mal Ihre komplette Privatsphäre?

Wenn ich meine Privatsphäre brauche, nehme ich sie mir und poste auch nichts. Manchmal zeige ich auch auf Instagram nur 15 Sekunden eines Dinners oder Treffens, das mehrere Stunden gedauert hat. Und ich fasse mein Handy den ganzen Abend nicht weiter an. Ich finde zwar, dass ich viel aus meinem Leben teile, aber vieles auch nicht. Man hört nicht jede Unterhaltung, die ich führe oder sieht alles, was ich den Tag über mache. Aber ich bin ein offenes Buch und ich liebe es, Dinge mit meinen Followern zu teilen. Es macht mich glücklich, wenn sie vieles von mir miterleben. Wenn ich meine Ruhe brauche, poste ich nichts. Ich fühle mich auch nie gezwungen, etwas posten zu müssen. Ich poste nur etwas, wenn ich wirklich Lust darauf habe.

Sie gelten als Modeikone. Woher beziehen Sie Ihre Inspiration?

Von allem um mich herum. Von meinen Reisen, von Leuten, die ich treffe. Ich lasse mich gern von positiven Dingen beeinflussen. Und von inspirierenden Frauen. Von dem, was sie geschaffen haben und wofür sie stehen.

Was sind Ihre drei Mode-Must-haves?

Mit einer Lederjacke, ripped Skinny-Jeans und schönen Boots ist man immer gut angezogen. Das ist auch meine Alltagsuniform.

Welche Pläne haben Sie noch für die Zukunft? Etwas, das Sie unbedingt erreichen möchten?

Ich bin natürlich erst mal super glücklich, dass ich meine Dokumentation mit der Welt teilen kann. Sie kommt nächste Woche heraus. Als nächstes darf ich Teil des Amazon Prime Video-Contests "Making the Cut" sein mit Heidi Klum und Tim Gunn. Auch Naomi Campell, Nicole Richie, Carine Roitfeld und Joseph Altuzarra sind in der Jury dabei. Darauf freue ich mich sehr! Es ist das erste Mal, dass ich in der Jury einer TV-Show bin. So etwas würde ich gerne noch mal machen. Außerdem möchte ich natürlich meine eigene Marke ausbauen, international erfolgreich machen, größer werden. Und meine Zusammenarbeit mit meinen bisherigen Partnern ausbauen. Es darf gerne so weitergehen wie bisher!

Die Dokumentation "Chiara Ferragni – Unposted" ist ab dem 29. November 2019 bei Amazon Prime Video verfügbar.