EVA PADBERG Blumenkind


Sie ist 22, blond, bodenständig, diszipliniert - und auf dem Weg, eine Modelkarriere à la Schiffer zu machen. Für den stern zeigt Eva Padberg aus Thüringen ihre Qualitäten und die schönsten Kleider des Sommers.

Die Wiese so grün, die Blüten so bunt, da würde Eva Padberg jetzt gern einen Spaziergang machen, sagt sie. Doch Arbeit ist Arbeit, die Sommerkleider müssen fotografiert werden, und der Horizont, der auf den Bildern so weit aussieht, endet gleich hinter ihr, an der Wand des Fotostudios.

Seit Eva im Winter für die Dessous der Firma Palmers auf Postern überall im Land Reklame machte, ist sie eine Berühmtheit. Sogar mit dem Starfotografen Mario Testino hat sie schon gearbeitet, und alle, die sich ein bisschen auskennen im Geschäft mit der Schönheit, sind sich sicher: Die blonde Eva ist dabei, aus der nie versiegenden Riege schöner junger Mädchen auszubrechen, die Jahr für Jahr von Agenturen, Fotografen und Modemachern entdeckt werden. Da kann sie jetzt noch so hässliche Grimassen schneiden, schielen oder herumalbern - wenn die 22-Jährige so weiter macht, dann haben die Deutschen bald wieder ein Model von Weltklasse.

Es wäre mal wieder an der Zeit. Nadja Auermann, Claudia Schiffer und Tatjana Patitz sind der internationalen Modeszene durch Babypausen, mangelnde Nachfrage oder Rückzüge ins Private abhanden gekommen; Nachwuchstalente wie Diane Heidkrüger und Diana Gärtner haben den Sprung in die Top Ten dann doch nicht geschafft. Und Heidi Klum, deren Vorname lange Zeit ausreichte, bei der internationalen Fotoavantgarde wohliges Schauern zu erzeugen, haut in ihrer hausbackenen Rolle als All-American-Girl niemanden mehr vom Hocker, jedenfalls nicht diesseits des Atlantiks.

Die Karriere der Eva Padberg, aufgewachsen in dem thüringischen Dorf Rottleben, verlief bislang, wie sich das so gehört: Mit 15 Teilnahme an der Wahl zum »Bravo-Girl« und ein Vertrag mit der Agentur »Louisa-Models«; mit 18 das Abi, dann Shootings in Tokio und viel Kummer in Paris, weil junge Models da meist »monatelang vergebens drauf warten, dass irgend etwas passiert«. Mailand war auch nicht besser, nicht nur der aufdringlichen Playboys wegen, sondern auch, weil die Natur mit ihrer Oberweite, Körbchengröße 75 C, schön großzügig umging: Laufsteg-Models werden flachbrüstig bevorzugt.

Erst in New York, wo sie ab Sommer 1999 gelegentlich für Ralph Lauren und Calvin Klein posierte, dann immer häufiger Aufträge bekam und schließlich als aufgehender Stern gehandelt wurde, fühlt sie sich »ziemlich heimisch«. Sie hatte also Zeit, Persönlichkeit und genug Misstrauen zu entwickeln, um in der Branche bestehen zu können. »Man wird vorsichtiger mit Menschen«, sagt sie, »die wollen ja alle was von einem.« Eva selbst will jetzt erst mal eine Tasse Tee für die Mittagspause und zum Nachtisch eine Portion Schoko-Kuchen.

»Deutsche Models haben etwas ganz Besonderes«, hat der englische Designer John Galliano einmal gesagt. »Sie haben eine kühle Eleganz und gehen mit einer ungeheuren Disziplin und Professionalität an die Arbeit.« Auch Eva Padberg hält sich an diese Tradition. Sie tritt pünktlich, fit und drahtig zum Fototermin an, sie ist hoch konzentriert, sie ist nahbar und freundlich zu allen. Von ihren Vorgängerinnen bewundert sie am meisten Nadja Auermann, »denn die hat bewiesen, dass es auch ohne Skandale geht.«

Die einzige Klatschgeschichte, in die Eva bislang verwickelt wurde, ist ein Hirngespinst der deutschen Yellowpress: Die dichtete ihr die Nachstellungen des Prinzen Felipe von Spanien an. Kompletter Blödsinn, meint Eva, und nur zustande gekommen, weil sie der Verflossenen des Prinzen zufällig ein bisschen ähnlich sieht.

Evas Traum vom Glück ist alles andere als blaublütig: »Ein Häuschen mit Garten drum herum, Familie und Kinder. Ich bin ein ganz normales Mädchen.« Das so oft es kann von New York nach Erfurt fliegt, wo zwar das Leben nicht tobt, aber ihr Freund Niklas lebt. Mit dem ist sie seit fünf Jahren zusammen, und »das soll auch so bleiben«.

Deutsche Models fallen nicht durch Wutanfälle, Zickereien und Hysterie auf, Exzesse jeder Art sind ihnen fremd, sie trauen sich nicht einmal, Fußballstars zu ehelichen, und wenn sich mal eine einen Zauberer schnappt, dann glaubt das niemand. Sie investieren ihre Millionen in Rentenfonds (Padberg: »Was ich verdiene, lege ich brav an«) statt in Koks und den Aufenthalt in Entzugskliniken. Die Einzige, die kurzzeitig im Ruf einer Lebefrau stand, war »The German Gesicht« Tatjana Patitz, die im Alter von 20 die Männer unter den Tisch trank: »Ich war gewöhnlich fähig, zehn Tequilas zu kippen und perfekt aufrecht zu stehen. Beim elften aber, da war ich dann absolut im Eimer.« Zwei Jahre später waren ihre wilden Zeiten auch schon wieder vorbei: »Ich nehme keine Drogen, ich trinke nicht«, erklärte sie bei Gelegenheit. »Ich bin nur süchtig nach Delphinen.« Beinahe jugendfrei ist, was die Rechtsanwaltstochter Claudia Schiffer an Ausschweifungen so trieb: Sie habe in ihrem »ganzen Leben zweimal an einem Joint gezogen«, beichtete sie einmal. Auch für Eva Padberg ist das heikle Thema keins: »Mit Drogen komme ich nicht in Kontakt. Die Leute wissen nämlich, dass ich nichts damit zu tun haben will.«

Deutsche Models verwüsten ihre Einnahmequelle, ihren Körper, nicht. Nicht einmal das verruchteste aller deutschen Supermodels, Veruschka Gräfin von Lehndorff, Schönheits-Ikone der Swinging Sixties. Und als sie an deren Ende gefragt wurde, was sie im Leben am meisten fürchte, antwortete sie nüchtern: »Das Altern. Darum will ich auch Schauspielerin werden, damit ich auch noch mit 50 mein eigenes Ich bieten kann.«

Tatsächlich durfte die adlige Bohnenstange in Michelangelo Antonionis Kultfilm »Blowup« sich selbst spielen. Aber sie machte auch vor, dass nach dem Supermodel-Dasein bestenfalls eine Zweitkarriere voller Nebenrollen kommen kann. Tatjana Patitz gab in »Die Wiege der Sonne« einen minutenlangen Auftritt, an dessen Ende sie als Leiche überzeugte. Und Claudia Schiffer spielte in sieben Filmen mit, an die sich vor allem Schiffer-Fans erinnern.

Eva Padberg ist noch jung, hat schon viel Glück gehabt und strahlt dieses Glück auch aus. Was nicht nur an den bunten Blumen und der grünen Wiese liegt, auf der sie sich gerade rekelt. Wenn jemand sie fragen würde, ob sie Lust habe, in einem Film mitzuspielen? »Och ja, wenn's was Ernstes ist, vielleicht«, sagt sie. Besser gefällt ihr aber doch die Idee, das Plattenlabel des Freundes mitaufzubauen. »Das Modeln ist jedenfalls kein Beruf, mit dem ich später was anfangen kann.« Mal abwarten.

Dirk van Versendaal


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