Interview Stuart Weitzman "Paris Hilton hat Füße wie Zahnstocher"


Hoch hinaus wollte Stuart Weitzman schon immer. Doch statt mit Geld an der Börse zu spekulieren, entdeckte der New Yorker seine Vorliebe für High Heels. Im Interview mit stern.de verrät der Schuhdesigner, welcher Hollywoodstar die schönsten Füße hat, wie Kim Basinger seine Karriere förderte und warum er sauer auf Diablo Cody ist.

Herr Weitzman, was verraten Schuhe über einen Menschen?

Sehr viel. Sie unterstreichen die Persönlichkeit, erzählen, woher ein Mensch kommt und wohin er gehen wird. Nicht jede Frau hat Modelmaße, sodass sie die Kleider aus den Modemagazinen tragen kann. Mit Schuhen ist das ganz anders: Es gibt Modelle für jeden Fuß, jede Größe und jeden Geschmack.

Kommt daher Ihre Faszination für Schuhe?

Nein, das war eher Zufall.

Und wie sah der aus?

Eigentlich habe ich BWL studiert und wollte an der Börse arbeiten. Nebenbei habe ich aber immer gezeichnet und viel Zeit im Atelier meines Vaters verbracht, der ebenfalls Schuh-Designer war. Als er starb, bat mich mein Bruder, ihn zeitweise im Geschäft zu unterstützen. Also habe ich angefangen, Schuhe zu entwerfen. Gleich eines meiner ersten Modelle landete in einem New Yorker Laden und verkaufte sich überraschend gut. Also dachte ich, warum soll ich's nicht versuchen und wie mein Vater als Designer arbeiten. Erst war es nur ein Hobby, später mein Beruf.

Mittlerweile verkaufen Sie jedes Jahr zwei Millionen Paar Schuhe. Eine Frau, die Ihnen zum Durchbruch verhalf, ist Schauspielerin Kim Basinger, die 1998 den Oscar als beste Nebendarstellerin gewann und zur Verleihung Stuart-Weitzman-Pumps trug.

Ich bewundere Kim Basinger. Sie besitzt Eleganz und Klasse. Vor zehn Jahren habe ich wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Kontakt zu ihr herzustellen. Ich bin ihr regelrecht hinterher gelaufen. Als sie bei der Verleihung dann mein Paar Schuhe trug und auch noch den Oscar gewann, war ich überglücklich.

Den Oscars sind Sie treu geblieben. Seit 2002 wählen Sie jedes Jahr eine prominente Frau aus, die ein besonders wertvolles Paar Schuhe tragen darf. In diesem Jahr haben Sie sich für Drehbuchautorin Diablo Cody entschieden. Die mochte die Schuhe allerdings nicht anziehen. Was war passiert?

Diablo Cody ist kein typischer Hollywood-Star. Sie arbeitete früher als Stripperin und geht jetzt zu einer Veranstaltung wie den Oscars, die weder ihrem Geschmack noch ihrem Stil entspricht. Das ist nicht ihre Welt.

Warum haben Sie sie dann ausgewählt?

Diablo Cody ist ein unabhängiges Hippie-Girl, das sich ihr Leben erkämpft hat, und bei der Oscarverleihung trifft sie auf privilegierte Menschen. Es ist aufregend, deshalb will sie dabei sein. Für die Oscars hat sie einen professionellen Stylisten engagiert, der auf die Idee kam, dass sie beim Entwerfen der Schuhe beteiligt werden sollte. Normalerweise lasse ich mir da nicht reinreden. Aber ich dachte: 'Nun gut, sie ist eine außergewöhnliche Frau, ich sollte es ausprobieren.' Zwei Tage vor der Verleihung habe ich ihr dann den fertigen Schuh geschickt - goldene Pumps im Wert von einer Millionen Dollar. Als ihre Fans Diablo in den Schuhen sahen, reagierten sie empört. Das sei nicht ihr Stil, nicht authentisch. Sie gab klein bei und hat mir vorgeworfen, ich hätte sie ausgetrickst und ihr den Wert der Schuhe verschwiegen. Das stimmt so natürlich nicht, denn sie hat den Schmuck für die Schuhe selbst ausgewählt. Wie auch immer, sie hat die Schuhe nicht getragen.

Über mangelnde Kundschaft können Sie sich nicht beklagen. Schauspielerinnen wie Kate Winslet, Angelina Jolie oder Eva Longoria tragen Ihre Schuhe. Welche der Damen hat die schönsten Füße?

Ehrlich gesagt hat keine prominente Frau wirklich schöne Füße. Das liegt daran, dass sie die ganze Zeit High Heels tragen: zum Shoppen, im Restaurant, beim Spaziergang. Dabei sollte man High Heels nur zu besonderen Anlässen anziehen, sonst verlieren sie ihre Faszination. Eva Longoria hat ganz schöne Füße. Sie sind klein und zierlich. Ganz anders Paris Hilton. Sie hat Füße wie Zahnstocher. Es gibt fast keinen Schuh, der ihr richtig passt, weil ihre Füße so dürr sind. Ich bin absolut kein Fan von Paris Hilton. Aber als sie im vergangenen Jahr ihre Haftstrafe wegen Trunkenheit am Steuer absitzen musste, erschien sie vor Gericht in Stuart-Weitzman-Schuhen. Die Fotos gingen durch die Presse und innerhalb von zwei Tagen war dieses Modell komplett ausverkauft.

Wie muss man sich das vorstellen? Kommt Paris Hilton zu Ihnen und sagt, Herr Weitzman könnten Sie mir bitte ein neues Paar Schuhe entwerfen?

Bei großen Events wie der Oscar-Verleihung läuft das in etwa so ab. Dann kommen die Promis zu mir, und ich kreiere dann das gewünschte Paar Schuhe. Normalerweise gehen die Stars aber eher in die Geschäfte und kaufen, was sie mögen. Oder ihre Stylisten rufen bei mir an. Vor einigen Monaten kontaktierte mich der Stylist von Angelina Jolie und bestellte einen elfenbeinfarbenen Satin-Schuh. Wir waren schon ganz aufregt, weil wir dachten, sie heiratet. Wofür sonst braucht sie einen elfenbeinfarbenen Schuh? Angelina Jolie hat den Schuh getragen - allerdings nicht, um zu heiraten.

Sie werden oft als "Stiletto-Sultan" bezeichnet. Dabei finden sich auch viele sportliche Schuhe in Ihrer Kollektion.

Klar, das ist das Geschäft. Elegante Schuhe sind es zwar, die in die Magazine kommen und Aufmerksamkeit erzeugen. Aber 40 Prozent der Schuhe, die wir verkaufen sind Freizeit- und Sportschuhe.

Seit einigen Monaten produzieren Sie auch Schuhe für Kinder. Folgt bald eine Herrenkollektion?

Schuhe für Männer zu designen ist schwer. Ich kenne keinen Mann, der interessante Schuhe trägt.

Aber genau das wäre doch ein Anreiz.

Sicher, aber das ist so ein kleiner Markt. Würden wir Schuhe für Anlässe wie die Oscars machen, müssten wir hochwertige Männerschuhe herstellen. Das können wir uns nicht leisten. Ich betreibe weltweit 50 Läden, und die einzigen Männer, die da reingehen, sind die Ehemänner von Frauen, die bei uns kaufen. Wir könnten neben all die Frauenschuhe drei Paar Männerschuhe stellen, das wäre ökonomisch machbar…

…und sie würden sich sicher verkaufen.

Weil die Frauen sie ihren Männern mitbringen. Die meisten Sachen in meinem Kleiderschrank habe ich gar nicht selbst gekauft, sondern meine Frau oder meine Töchter. Jeder Mann hört doch gerne, dass eine Frau seine Kleidung mag. Frauen kleiden sich für sich selbst und ein bisschen für den Mann. Wir kleiden uns, um Frauen zu gefallen.

Interview: Julia Mäurer


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