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Dolce & Gabbana-Show in Mailand: Mama ist die Schönste

Muttertag ist erst im Mai? Egal, die Mama soll man immer feiern, nicht nur an einem mickrigen Tag im Jahr. Domenico Dolce und Stefano Gabbana machten in Mailand vor, wie das geht.

Von Christine Zerwes, Mailand

Bei der Modenschau von Dolce & Gabbana fiel es den Zuschauern wegen der Kinder auf dem Laufsteg schwer, sich auf die Mode zu konzentrieren

Bei der Modenschau von Dolce & Gabbana fiel es den Zuschauern wegen der Kinder auf dem Laufsteg schwer, sich auf die Mode zu konzentrieren

Als das Licht ausging im Metropol, dem von Dolce & Gabbana umgebauten Kino in Mailand, verstummten die Gäste aus aller Welt plötzlich und warteten gespannt, mit was die Designer die Modepresse und Einkäufer dieses Mal überraschen würden. Die Einladungen am Vorabend gaben einen ersten Hinweis - quadratische Kartons mit Kinderzeichnungen und von Kinderhand geschriebene Liebeserklärungen wie "Ti amo Mamma" (Ich liebe Dich, Mamma) und "Mamma, tu sei la mia principessa" (Mama, Du bist meine Prinzessin).

Als die Musik einsetzte und die Scheinwerfer den Laufsteg erhellten ging ein verzücktes Raunen durch den Saal. Und egal ob Franzosen, Amerikaner, Italiener, Deutsche oder Chinesen - die abgebrühte Modeclique klatschte spontan schon zu Beginn der Show in die Hände. Sogar Anna Wintour glitt ein Lächeln über das Gesicht: Am Anfang des Laufstegs, wie eine Art Bühnenbild, standen, saßen und lagen junge Frauen mit Babys auf dem Arm, Kleinkindern auf dem Schoß und an den Händen. Aus den Lautsprechern erklang Edoardo Bennatos "Viva la Mamma" und dann marschierten auch schon die ersten Models in der neuen Herbst-Winter-Kollektion von Dolce & Gabbana den Laufsteg entlang. Das italienische Topmodel Bianca Balti zeigte in einem fliederfarbenen Etui-Kleid stolz ihren sechs-Monate-Babybauch - das Publikum und die Fotografentraube jubelten ihr zu. Die Neuseeländerin Ashleigh Good trug ihre fünf Monate alte Tochter Emily an der Menge vorbei und das Model Olga Serova hatte ihr Söhnchen Raffaele auf dem Arm. Dazu wechselte sich Bennatos Hommage-Song an die Mutter mit dem Spice-Girls-Hit "Mama" ab.

Kinder und kleine Tiere, das funktioniert eben einfach immer. Aber man muss auch nicht alles zynisch unter die Lupe nehmen; die Show machte einfach Spaß, dem Publikum und den Models - wobei der Kleinste darunter durchaus verschreckt in die Menschenmassen blickte. Aber die Mama war ja zum Glück dabei. Im Publikum musste man sich zwischendurch daran erinnern auf die Mode zu achten vor lauter Rührung über die süßen Kinderlein. Denn dieser Mode sah man das Motto "Viva la Mamma", das sich Domenico Dolce und Stefano Gabbana überlegt hatten, natürlich auch an.

"Sie ist immer da"

Pullover mit von Kinderhand geschriebenen Botschaften. Seidenkleider mit Kinderzeichnungen, die Dolce & Gabbana selbst als kleine Jungen ihren Müttern malten. Die heilige Maria mit dem Kind, gedruckt auf ein Kleid umrankt von Rosen. Und auch die üblichen Klassiker des Designerduos, die mit den Symbolen der Weiblichkeit spielen, fehlten nicht: Eng anliegende Sanduhr-Kleider, edle Spitze, 60er-Jahre-Silhouette, kunstvolle Blumenstickereien. Ach, und natürlich trugen die kleinen Models ebenfalls Dolce & Gabbana; und zwar die Kinder-Linie, die es seit 2012 gibt – ein geschickter Weg auch für sie einmal auf dem Laufsteg zu werben.

Bereits die Männerkollektion im Januar widmete sich dem Thema Liebe und Familie. Nun feierten Dolce & Gabbana also mit der Damenmode den Höhepunkt dieser Idee: Die Mama als Mittelpunkt der Familie. "Sie ist immer da, sie ist die Person, die Du immer anrufen kannst", kommentierte Stefano Gabbana die neue Kollektion. Die Zeichnungen auf den Einladungen stammten übrigens auch aus der Kinderhand der beiden Designer.

Emotionaler Höhepunkt

Wer genau aufgepasst hat, dem kommen Kinderzeichnungen auf einem schönen Kleid vielleicht noch irgendwoher bekannt vor? Da gab es doch dieses Hochzeitskleid von Angelina Jolie aus dem Hause Versace, das sie von ihren lieben Kleinen hat bemalen lassen. Nun gut, erstens kann man gleichzeitig auf ähnliche Ideen kommen. Und zweitens ist es nicht verboten, sich von Hollywood-Stars inspirieren zu lassen und diese Idee weiterzuführen. Vor allem, wenn sie so einen ausgeprägten Familiensinn haben wie Angelina. Denn "la Famiglia", das passt einfach zu Dolce & Gabbana, einer der italienischsten Modemarke überhaupt. Und ihre Show war unbestritten der emotionale Höhepunkt der Mailänder Modewoche.

  • Christine Zerwes