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Mode: Feinripp vom Feinsten

Nach Adidas und H&M gönnt sich nun auch Schiesser einen Edeldesigner: Kostas Murkudis entwirft Wäsche, die zu schön zum Druntertragen ist Der Deutsch-Grieche Kostas Murkudis wuchs in der DDR auf und lebt heute in Berlin.

Die Nachricht sorgte für Kopfschütteln in der Modebranche: Kostas Murkudis, ehemaliger Mitarbeiter von Wolfgang Joop und Helmut Lang, heuert bei dem deutschen Feinripp-Hersteller Schiesser an. Ein Edeldesigner in der Welt der zweckmäßigen Leibchen und Schlüpfer - das klang erst einmal so, als würde sich ein Sternekoch in einem Bordrestaurant der Deutschen Bahn hinter den Herd stellen.

Doch beide Seiten haben gute Argumente für die Kooperation: Die Geschäftsführung der Firma Schiesser, gegründet 1875 am Bodensee und heute deutscher Marktführer für Unterwäsche, verfolgt ehrgeizige Pläne und möchte der Marke mehr Glanz verleihen. Umsätze von 210 Millionen Euro wie im vergangenen Jahr erlauben solche Experimente. Für den Deutsch-Griechen Kostas Murkudis, 45, eröffnet die Zusammenarbeit eine kreative Chance ohne finanzielles Risiko. "Im Moment ist es in Deutschland fast unmöglich, ein eigenes Label erfolgreich zu betreiben", sagt er.

Günstige Ware

von H&M, Zara und Mango beherrsche den Massenmarkt. Wer etwas Eigenes aufbauen wolle, müsse finanziell mindestens ein Jahr in Vorleistung gehen. Eine Herrenkollektion unter seinem Namen wird derzeit nur in Japan vertrieben; eine Frauenlinie hängt in ausgewählten Shops, etwa im Laden seines Bruders Andreas Murkudis in Berlin-Mitte.

Die 17 Teile seiner ersten Damen- und Herrenkollektion für Schiesser geben sich minimalistisch, die Farbpalette umfasst nicht mehr als die Töne Creme, Blauschwarz, Lachs und Khaki, dafür schimmern die Tops, Shirts, Shorts und Höschen aus hochwertiger Baumwolle, als seien sie aus Seide. Für die Herstellung des schmückenden Tülls wurde eigens eine alte Webmaschine restauriert. Die meisten Stücke sind zu schön, um nur als Unterwäsche getragen zu werden; ihr Schöpfer nennt sie deswegen "neu definierte Oberbekleidung".

Murkudis könnte eine solche Kollektion natürlich auch ohne Schiesser entwerfen. "Aber nicht flächendeckend vertreiben, schon gar nicht in diesem Preisgefüge", wie er eingesteht. Die Schiesser-Wäsche kostet zwischen 50 und 200 Euro. Der Designer lobt Werte, welche seiner Erfahrung nach in der Couture-Welt immer seltener zu finden sind: "Das Schöne an einem deutschen Unternehmen ist ja, dass nichts dem Zufall überlassen wird." Unter anderem messen die Schiesser-Mitarbeiter sorgfältig die so genannten Schrumpfwerte. Murkudis behauptet, seine Edelwäsche könne deshalb sogar gekocht werden, ohne einzulaufen. Ein weiteres Plus für ihn: Schiesser lässt seine Kollektion nicht in Billiglohnländern produzieren.

Es ist ein anhaltender Trend,

dass sich Hersteller von Massenwaren mit exklusiven Designern schmücken. Adidas etwa konnte den Japaner Yohji Yamamoto für eine so genannte Kapselkollektion names "Y3" gewinnen, und der fränkische Nachbar Puma arbeitet mit Alexander McQueen zusammen. H&M verkaufte im vergangenen Jahr Textilien von Karl Lagerfeld. Kostas Murkudis graust es, wenn er daran denkt: "Das war ein grottenschlechtes Produkt: Einfach Abfälle aus irgendwelchen Kollektionen von Chanel und Fendi in Polyester zu produzieren und durch H&M vertreiben zu lassen ist lächerlich."

Die Edelwäsche von Murkudis und Schiesser wird ab Dezember in weltweit 25 Boutiquen erhältlich sein. Dann wird sich zeigen, ob das anfängliche Kopfschütteln einem wohlwollenden Nicken weicht.

Susanne Haase / print