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Mode-Revolution: Minirock-Erfinderin Mary Quant wird 70

Der Papst verdammte ihn als "unzüchtig", doch den Siegeszug des Minirocks konnte selbst er nicht aufhalten. Die Designerin Mary Quant hat mit ihrer Erfindung das Modediktat durchbrochen, jetzt feiert sie ihren 70. Geburtstag.

Es begann 1955 in einer kleinen Boutique in Chelsea. Weil die junge Besitzerin Mary Quant keine Ware fand, die ihr gefiel, entwarf sie selbst Modelle. Aus billigen Stoffen schneiderte sie Kleidungsstücke, die im Swinging London bald reißenden Absatz fanden. Zehn Jahre später war sie weltberühmt - als Erfinderin des Minirocks. Seitdem ist ihr Name untrennbar mit diesem Kleidungsstück verbunden, obwohl Mary Quant modisch auch viele andere Akzente setzte. Am 11. Februar feiert die Designerin ihren 70. Geburtstag.

Modediktat durchbrochen

"Ich glaube, ich habe das Modediktat von Chanel, Dior und den anderen durchbrochen, als ich Kleidung für ganz normale Frauen entworfen habe", sagte Quant einmal in einem Interview. Der von ihr erfundene Minirock - er endet mindestens zehn Zentimeter oberhalb des Knies - setzte sich in allen sozialen Schichten durch: Damen der besseren Gesellschaft trugen ihn ebenso wie Schülerinnen oder Sekretärinnen. Sogar das britische Königshaus, so wird kolportiert, erlaubte schließlich eine Rocklänge von sieben Zentimeter oberhalb des Knies. "Eine Frau", so wird Quant zitiert, "ist so alt wie ihre Knie".

Ende der 60er Jahre griffen auch französische Modehäuser wie Christian Dior, Yves Saint Laurent oder Courreges den Trend auf. Damit war der Minirock endgültig hoffähig, wenn ihn auch der Vatikan mehrmals als "unzüchtig" verdammte. Frau trug ihn zu Schuhen mit hohen Plateausohlen und kurzem Mantel. Erst in den 70er Jahren setzte sich die Kombination kurzer Rock - langer Mantel durch.

Lebensgefühl einer Generation verkörpert

Mit dem Minirock schuf Quant ein Kleidungsstück, das das Lebensgefühl einer ganzen Generation verkörperte. Die Beatles und die Rolling Stones wurden Galionsfiguren einer neuen Jugendbewegung, das Model Twiggy wurde zum Mode-Vorbild für junge Mädchen, vor allem Schüler und Studenten begannen, sich gegen Autoritäten aufzulehnen und die gesellschaftlichen Maßstäbe in Frage zu stellen. "Ich hatte gerade angefangen, als etwas, was bisher nur in der Luft gelegen hatte, zum Ausbruch kam", sagte Quant. "Die Kleidung, die ich entwarf, passte exakt zum Trend, zur Musik, den Espressobars und Jazzclubs."

Aber nicht nur der Zeitgeist verhalf dem Minirock zum Erfolg - es war auch Quants Geschäftsstrategie. Sie bot ihre Mode und dazu passende Accessoires zu erschwinglichen Preisen an, ganz anders als die französischen Couturiers, die damals in der Mode unangefochten den Ton angaben. In Quants Boutique zahlte die Käuferin kaum mehr als im Kaufhaus. "Mode verlor ihren Snobismus, und in den Geschäften stritten sich Fürstinnen und Sekretärinnen um die gleichen Kleider",erzählte die Designerin.

Mary Quant war selbst die beste Reklame

Die schlanke, dunkelhaarige Mary Quant war selbst die beste Reklame für ihre Entwürfe. Sie war erst 21, als sie mit ihrem späteren Ehemann Alexander Plunket-Greene das Geschäft "Bazaar" in Chelsea eröffnete. Die ersten Miniröcke verkaufte sie dort bereits Ende der 50er Jahre, in der Modebranche galt sie als begabtes Nachwuchstalent. 1962 zeigte die Modezeitschrift "Vogue" ihre Entwürfe; bis 1965 hatte der Minirock den Siegeszug um die Welt angetreten.

Der Erfolg ließ die Designerin nicht müßig werden. Ende der 60er Jahre kreierte sie die Hot Pants; sie eröffnete zahlreiche Geschäfte rund um die Welt. Quant entwickelte mehrere Kosmetik-Serien und schrieb außerdem ihre Autobiografie sowie andere Bücher über Mode. Bis heute ist sie gut im Geschäft; noch immer bringt sie jährlich eine eigene ready-to-wear-Kollektion heraus. Inzwischen sind Schwarz und Weiß ihre Lieblingsfarben, - jede Frau, so empfiehlt sie, sollte mehrere Hosen in diesen Farben im Kleiderschrank haben.

Susanne Gabriel