Prominenten-Parfüms Ein Hauch von Welt


Britney, Madonna, J.Lo - in Amerika setzen immer mehr Popstars Duftmarken: Während Prominenten-Parfüms dort Umsatzrekorde erzielen, bleiben deutsche Kunden bislang noch skeptisch.

Diesen Herbst wird er kommen: der Showdown der Popdiven. Doch über den Sieg wird nicht mehr, wie bislang, im Plattenladen entschieden, sondern in der Parfümerie. Sowohl Madonna, Jennifer Lopez als auch Britney Spears warten mit neuen Düften auf.

Den Anfang machte im Oktober Jennifer Lopez mit einer Kreation namens "Live". Den Erwartungen des Kosmetikriesen Lancaster zufolge soll das Zitruswässerchen an den Erfolg von J. Los Erstduft "Glow" anknüpfen, der bislang geschätzte 200 Millionen Euro umsetzte - bei einem stolzen Preis von zirka 50 Dollar pro Flakon. Die anfangs spektakuläre Nachfrage kühlte jedoch so schnell ab, dass Lancaster nachlegen musste, um die Umsätze konstant zu halten: Bei "Live" handelt es sich um das vierte Parfüm, das der Konzern innerhalb von nur drei Jahren zusammen mit der schauspielernden Sängerin auf den Markt gebracht hat.

Nichts bleibt dem Zufall überlassen:

Um den Karamelduft zu bewerben, stellte Lancaster ein interaktives Tanzspiel ins Internet, lancierte eine aufwendige Printkampagne mit Fotos von Jean-Baptiste Mondino und verteilte acht Millionen Probefläschchen sowie duftende Postkarten mit dem Konterfei der prominenten Latina.

Auch andere Konzerne wie Parlux und Estée Lauder sind in das Geschäft mit den Promi-Düften eingestiegen: Für die Weihnachtssaison werden in Amerika Parfüms von Sarah Jessica Parker ("Lovely"), Gwyneth Paltrow ("Pleasures") sowie von Sean Combs alias P.Diddy ("Unforgivable") erwartet. Für Letzteren hat Estée Lauder einen Werbeetat von mehr als 15 Millionen Dollar eingeplant; das nach Champagner riechende Parfüm wird in verschiedenen Varianten für 55 bis 300 Dollar zu haben sein. Die besten Aussichten auf gute Weihnachtsgeschäfte hat wohl Britney Spears mit ihrem Duft "Fantasy" - der fuchsiafarbene Flakon sieht einer Christbaumkugel zum Verwechseln ähnlich. Auch Madonna plant Großes: Zeitgleich zu ihrem neuen Album "Confessions On A Dancefloor" erscheint ihr erster Duft; der Kosmetikhersteller Coty hat sich diese Zusammenarbeit angeblich 15 Millionen Dollar kosten lassen.

Den Boom der prominenten Düfte erklärt Joachim Mensing damit, dass sich unser Zugang zu berühmten Persönlichkeiten grundlegend verändert habe. Der Duftpsychologe und Produktentwickler weiß, wovon er spricht, immerhin hat Mensing mit "Naomi" selbst einen Promi-Duft gemischt. Er sagt: "Waren Stars wie Greta Garbo noch ferne Mythen, sind wir heute viel direkter daran interessiert, wie Schauspielerinnen und Models denken - und duften."

Ganz neu ist das Geschäft mit den Düften allerdings nicht. Cindy Crawford, Isabella Rossellini und Celine Dion bessern schon seit einiger Zeit ihre Einkünfte mit Jasmin, Freesie und Gardenie auf; Elizabeth Taylors "White Diamonds" gibt es seit 1991 zu kaufen. Doch der Markt sah noch nie so gut aus wie jetzt. Die Verkaufszahlen von Promi-Parfüms sind in den USA im vergangenen Jahr um 31 Prozent gestiegen. Jeder, der auch nur ein bisschen berühmt ist, will teilhaben an dem Boom: In den Regalen findet sich Riechware mit den Namen von Paris Hilton, Donald Trump, Antonio Banderas, Enrique Iglesias und Jessica Simpson. Natürlich dürfen auch die Beckhams nicht fehlen: Sowohl David als auch Victoria haben mittlerweile eigene Duftmarken gesetzt. Die Soulsängerin Beyoncé Knowles setzte mit ihrem Parfüm 50 Millionen Dollar um, für Britney Spears stehen innerhalb der nächsten fünf Jahre 30 Millionen Dollar aus Verträgen mit dem Kosmetikriesen Elizabeth Arden in Aussicht. Spears erstes Parfüm, "Curious", schaffte in drei Monaten 30 Millionen Dollar Umsatz.

Ob das Geschäft sich weiter lohnt

, bleibt abzuwarten. Allein im vorigen Jahr kamen weltweit 300 neue Riechwasser in den Handel - einigen geht das jetzt schon zu weit: "Wir veröffentlichen zu viele Parfüms", sagt etwa Arie Kopelman, der Vizevorsitzende von Chanel: "Das ist herabsetzend für die gesamte Parfümindustrie!" Allerdings setzt gerade Chanel mit Vorliebe Prominente zur Profitsteigerung ein: Seit etwa Nicole Kidman gegen eine Gage von gut drei Millionen Dollar in einem zweiminütigen Film für "Chanel No 5" warb, zogen die Umsätze für den Duft in Amerika um 30 Prozent an.

In Deutschland, immerhin zweitwichtigster Kosmetikmarkt der Welt, schafften es bislang nur einige der Promi-Düfte aus Übersee in die Parfümerien. Deutsche Fans der Serie "Sex and the City" werden beispielsweise vergebens auf das neue Wässerchen von Sarah Jessica Parker warten. Der Markt sei noch nicht reif, heißt es von Herstellerseite. Steffen Seifarth, General Manager der Lancaster Group, bestätigt: "Celebrity-Parfüms erreichen hier noch nicht annähernd die Umsatzzahlen wie auf dem amerikanischen Markt."

Der Grund dafür scheint hausgemacht: Was im Namen leicht betagter Provinzprominenz von André Rieu bis Howard Carpendale in der Vergangenheit an Gerüchen abgesondert wurde, wirkte genauso kontraproduktiv auf den Abverkauf heimischer Celebrity-Düfte wie die verzweifelten Versuche von Dieter Bohlen und Sarah Connor, sich olfaktorische Denkmäler zu setzen. Auch die Kreationen von Michael Schumacher, Heidi Klum und Heiner Lauterbach wurden in der Presse verrissen. "Waschpulver! Geschirrspülmittel! Es riecht wie die Hölle!", urteilte die "Bild am Sonntag" treffend. Oder verglich die Promi-Düfte mit "Insektenspray", "Seife in Restauranttoiletten" oder gar "Mottenkugeln".

Einzig mit Jette Joop kann man sich offenbar wieder riechen lassen. Das Parfüm der Designerin, das erst vor wenigen Wochen lanciert wurde, schaffte es auf Anhieb auf Platz eins der deutschen Duft-Bestseller. Im internationalen Wettstreit der Divendüfte wird Jette Joop trotzdem kaum mitmischen.

Ingo Mocek print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker