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Oktoberfest: Terrorangst auf der Wiesn? Nicht mit uns!

Ein Zaun und schärfere Kontrollen sollen das Oktoberfest 2016 sicher machen. Haben die Besucher nach den Anschlägen trotzdem ein ungutes Gefühl? Von Wiesn-Angst ist am ersten Tag nichts zu spüren.

Oktoberfest - Gedrängel auf das erste Wiesn-Bier

O'zapft is! Die Gier auf das erste Wiesn-Bier ist offensichtlich größer als die Angst vor einem Terrorangst

Regine Sixt ist ein schlechtes Vorbild. Und das, obwohl die Münchnerin seit 25 Jahren Gutes tut. So lange gibt es ihre sogenannte Damenwiesn schon. Am ersten Oktoberfest-Montag lädt sie für gewöhnlich mehr als 1400 Frauen ins Marstall-Zelt ein: darunter Claudia Effenberg und Verona Pooth oder "Bunte"-Chefin Patricia Riekel. Sixt sammelt bei den prominenten Damen Geld für den guten Zweck. Doch in diesem Jahr hat sie ihre Wiesn kurzerhand abgesagt - aus Terrorangst. Nach den Anschlägen von Ansbach, Würzburg und München findet das Oktoberfest 2016 unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Mit einem Metallzaun rund um die Theresienwiese und verschärften Kontrollen will Wiesn-Chef Josef Schmid für Sicherheit sorgen. An den Eingängen zur Theresienwiese werden erstmals Taschen und Rucksäcke durchsucht. Größere Behältnisse mit mehr als drei Litern Füllmenge sind sogar verboten.

Das von einigen erwartete Chaos ist zum Wiesn-Start am Samstagmorgen ausgeblieben. Keine langen Schlangen: Wer rein wollte musste zwar an der ein oder anderen Einlass-Stelle anstehen, doch länger als fünf Minuten musste niemand warten. Dass es so ruhig ablief, ist vor allem der guten Organisation geschuldet und nicht dem schlechten Wetter. Denn die Zelte sind allen Unkenrufen zum Trotz an diesem ersten Morgen nicht weniger voll als sonst.


Wiesn-Angst? I net!

Das Gespenst von der Wiesn-Absage machte seit dem Amoklauf vom Olympia-Einkaufszentrum die Runde. In der "Münchner Abendzeitung" beklagten sich Hoteliers über einen Buchungsrückgang von 15 Prozent. "Ich hatte sonst immer dutzende Anfragen, in diesem Jahr nur eine", sagte ein Münchner, der verbotenerweise seine Mietwohnung privat über Airbnb vermietet und nicht namentlich genannt werden will, dem stern. Sechs Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr zum Oktoberfest. Wenn tatsächlich 15 Prozent weniger kämen, wäre dies ein Minus 900.000 - das wäre ein schwerer Schlag für die Oktoberfest-Wirte und den Münchner Tourismus.

Haben die Münchner Wiesn-Angst? "I net", sagt einer, der am Samstagmorgen am Schottenhamel-Zelt auf Einlass wartet. "Wenn der liebe Gott meint, der Tag ist gekommen, dann ist er gekommen. Ob ich zuhause bleibe oder nicht." Wer Angst vor Anschlägen habe, der dürfe auch nicht mehr in die Fußgängerzone gehen oder U-Bahn fahren, glaubt er. "Die Wiesn ist nicht unsicherer als sonst." Drinnen prosten sich Heino, Robert Blanco und Florian Silbereisen zu. Sie sind Ehrengäste und kommen neben anderen Prominenten seit Jahren zum Einzug der Wiesn-Wirte in den Schottenhamel. "Die Wiesn ist für mich Tradition und gehört dazu", sagt Silbereisen. Angst habe er keine.


Wirte-Sprecher: Eine Wiesn wie immer

Bei einigen Wiesn-Besuchern wird trotzdem ein mulmiges Gefühl bleiben. Denn das Oktoberfest, das ist klar, bleibt ein potenzielles Anschlagsziel. Kontrollen wie am Flughafen werden nicht möglich sein. Hundertprozentige Sicherheit, dass nicht irgendein Verrückter unter den Wiesn-Gängern ist, gibt es nicht. Die gab es aber noch nie.

Für Wirte-Sprecher Toni Roiderer ist es eine Wiesn wie immer. Er behauptet, Stornierungen habe es nicht mehr gegeben als sonst auch. "Drei Tische haben wir mittags zurückbekommen - und dafür 150 Anfragen für den Abend." Ob das stimmt, wird sich am 3. Oktober zeigen, wenn die Wiesn zu Ende geht.

"Wir sind hier um Spaß zu haben"

Eric, ein US-Amerikaner, der aus Illinois stammt und in New York wohnt, freut sich auf die Wiesn. Drei Tage bleibt er und hat sich für jeden Tag Reservierungen in den Zelten organisiert. "Erst waren wir nur eine Gruppe von 20 Jungs, daraus sind inzwischen 60 geworden. Es ist ja alles so billig hier", sagt er. Am Sonntag feiert er in der Bräurosl, wo sich am ersten Oktoberfest-Sonntag traditionell tausende Schwule zum Gay-Sunday treffen. Angst hat auch er nicht. "Orlando oder München, passieren kann überall etwas", sagt er in Anspielung auf das Attentat auf einen Schwulen-Club in Orlando. "Wir sind hier, um Spaß zu haben. Und das lassen wir uns nicht nehmen."

Sind Sie fit fürs Oktoberfest?

    Welchen Alkoholgehalt enthält das Festbier, der sogenannte Wiesn-Märzen, durchschnittlich?