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Jacob Beautemps YouTopia: Gemeinsam statt gegeneinander für die Umwelt

Jacob Beautemps
Creator und YouTopia-Erfinder Jacob Beautemps hat Physik und Sozialwissenschaften auf Lehramt studiert und macht gerade seinen Doktor im Bereich Wissensvermittlung mit YouTube-Videos und Künstlicher Intelligenz.
© I&U TV
Es geht ums Klima: Für YouTopia versammeln sich normale Menschen wie Prominente fünf Tage lang unter einer gläsernen Kuppel und streamen das Ganze live ins Netz. In einem Gastbeitrag erklärt YouTopia-Erfinder Jacob Beautemps die Idee hinter dem Projekt.
Von Jacob Beautemps

Es gibt gewiss nicht viele Themen, bei denen wir uns alle ganz und gar einig sind. Aber so unterschiedlich Menschen und Meinungen – glücklicherweise – auch sind, in einem Punkt dürften wir doch übereinstimmen: Eine saubere Umwelt ist besser als eine vermüllte – und saubere Luft tut uns allen gut. Doch unsere Einigkeit enthält leider zwei elementare Probleme. Erstens: Umweltschutz klappt nicht von allein. Und zweitens: Es gibt immer Menschen, die mehr dafür tun als andere.

Und genau hier liegt das wohl größte Problem unserer Zeit: Das, was sich nicht zuletzt dank "Fridays for Future" lange nach Aufbruchstimmung angefühlt hat, ist bei vielen von uns Frustration und Pessimismus gewichen. 1,5 Grad, 2 Grad, die Zeit drängt. Wir können gar nicht genug unternehmen, für manches scheint es sogar schon zu spät. Die Folge sind Überforderung und Schuldzuweisungen statt gegenseitiger Motivation. Das Gefühl, etwas falsch oder sowieso zu wenig zu machen, hat uns merkwürdig gelähmt, obwohl wir gerade jetzt eigentlich Bewegung brauchen. Viele fühlen sich überfordert oder permanent kritisch beäugt. Es gibt Konflikte zwischen Gruppen und Generationen.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist kein Sprint

Was wir dabei nicht vergessen dürfen: Der Kampf gegen den Klimawandel ist kein Sprint, vielmehr ist er ein Ultra-Marathon. Und er kostet jeden von uns Kraft, auf ganz unterschiedliche Weise. Was aber für uns alle gleichermaßen gilt: Jeder Schritt eines Einzelnen bringt uns alle voran – auch wenn er noch so klein ist. Statt uns permanent zu vergleichen, sollten wir uns positiv bestärken in dem, was wir schon tun (oder noch tun könnten). Wer nämlich bei einem anstrengenden Lauf nicht nur nicht angefeuert, sondern sogar beschimpft oder ausgebuht wird, der wird früher oder später aussteigen. Und wir brauchen jeden von uns. Was jetzt mehr denn je zählt, ist, dass wir weitergehen.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass viele mich jetzt für naiv halten. Natürlich weiß ich, dass es nicht reicht, wenn wir alle auf den To-Go-Becher verzichten, aber für viele ist es ein erster Schritt. Und wenn dieser Schritt gewürdigt und nicht als zu wenig verschrien wird, werden darauf wahrscheinlicher weitere Schritte folgen. Nur die allerwenigsten werden ihr Leben vollständig umkrempeln, alles der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz unterordnen. Und das ist auch in Ordnung, denn so divers wie unsere Gesellschaft ist, so unterschiedlich sind auch unsere Perspektiven, die finanziellen Möglichkeiten, das Wissen, die persönliche Energie oder Motivation. Was aber auf jeden Fall hilft, ist sich gegenseitig zu bestärken.

Die Erfahrung durfte ich bei dem Charity Livestream YouTopia machen, der das Ziel hat, gemeinsam etwas für die Umwelt zu tun– und der dieses Jahr vom 1. bis zum 5. September wieder auf YouTube läuft. Dort kommen die unterschiedlichsten Charaktere zusammen: Leute aus der Umweltforschung reden mit Promis wie Günther Jauch, Influencer wie RewinSide oder Diana zu Löwen sprechen mit Cem Özdemir und anderen aus der Politik und Sterneköche zeigen, wie man umweltfreundlicher kocht und Reste verwertet. Man lernt voneinander, hat Spaß, ist auch mal unterschiedlicher Meinung, aber trotz der extremen Situation –  manche von uns wohnen unter der gläsernen YouTopia-Kuppel und sind dort 24 Stunden am Tag live zu sehen – arbeiten wir nicht gegeneinander, sondern zusammen.

Wir brauchen eine Philosophie der kleinen Schritte

Bringt man unterschiedliche Menschen an einem Tisch zusammen, erhält man ganz verschiedene Sichtweisen auf die Probleme und Herausforderungen unserer Zeit – und damit eben auch Ideen, Anregungen, Hilfestellungen.

Wir alle erleben den Kampf gegen den Klimawandel anders, machen manche Dinge gut, andere weniger gut. Was uns eint, ist der Wunsch nach einer glücklichen Zukunft und einem gesunden Planeten. Und abseits von großen politischen Entscheidungen und bevorstehenden Einschnitten führen uns als Gesellschaft viele kleine, individuelle Schritte dorthin oder zumindest in die richtige Richtung.

Ob vegane Kochideen, ein Wissensquiz, Do-it-yourself-Anleitungen oder politische Diskussionen – bei YouTopia wollen wir auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Anregungen liefern, wie man aktiv(er) zu mehr Umweltschutz beitragen kann – ganz ohne zu vergleichen oder zu erzwingen. YouTopia ist für jeden, wir sind keine Klimahelden, wir sind ganz normale Menschen, die kleine Schritte in die richtige Richtung gehen wollen. Das ist vielleicht für einige zu wenig, aber für viele genau richtig – und wenn wir alle zusammenlaufen, dann schaffen wir eine Menge Schritte.

YouTopia 2021 findet vom 1. bis zum 5. September in Köln statt. Der Start wird live auf RTL bei stern TV übertragen. Fünf Tage lang leben die Creators gemeinsam unter einer riesigen Kuppel in Köln und streamen dabei non-stop live, z.B. auf www.youtube.com/breakinglab. Zu den prominenten Gästen gehören Karl Lauterbach, Cem Özdemir, Tim Bendzko, Frank Thelen, Dorothee Bär, Aminata Touré und Olivia Jones. Auch Günther Jauch hat sich als Gast angekündigt und wird das Programm mit einer Quizshow bereichern.


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