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Interview

Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam: Charlotte Roche über die Liebe: "Jemanden zu brauchen – das hat was Verzweifeltes"

In unserer Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben die NEON-Singles über alle Tücken, die das ledige Leben so mit sich bringt. Heute: Charlotte Roche hat einen neuen Podcast, in dem sie mit ihrem Mann über Liebe, Sex und Geld diskutiert – schonungslos. Was wir von ihr über die Liebe lernen können.

Eine Frau mit schwarzen, langen Haaren sitzt in bunter Bluse auf einem grauen Sofa und legt die rechte Hand unter ihr Kinn

Ich habe einen neuen Girl-Crush. Er heißt Charlotte Roche und ist eine solche emotionale Naturgewalt, dass mir noch ein paar Stunden nach unserem Interview ein bisschen schwindelig ist. Wir treffen uns in einem schicken Hamburger Hotel, in dem die "Feuchtgebiete"-Autorin den ganzen Tag über eine einzige Sache sprechen soll: "Paardiologie" heißt ihr neuer Podcast – ihr erster –, in dem sie schonungslos – wie könnte es anders sein – mit ihrem Mann – den niemand kennt – über Liebe, Sex, Geld, Fremdgehen und alles andere spricht, was ihr so in den Sinn kommt. 

Ich bin irgendwann nachmittags dran und mache mir ein bisschen Sorgen, dass sie, bis ich da ankomme, schon total gelangweilt ist und überhaupt keine Lust mehr auf erzählen hat. Ist mir alles schon passiert. Aber: Pustekuchen! Stellt sich heraus: Wenn Charlotte Roche über irgendetwas den ganzen Tag reden kann, dann über ihren Mann. Und den Podcast. Und Liebe im Allgemeinen. Und Demokratie. Okay, vielleicht sind wir kurz vom Thema abgekommen.

Charlotte Roche und ihr Ehemann

Charlotte Roche und ihr Ehemann haben jetzt einen gemeinsamen Podcast

 

Charlotte Roche, kannst du mir Beziehungstipps geben?

Und weil ich wirklich mit den besten Intentionen hingefahren bin, aber beim besten Willen keine Ahnung habe, wie es wohl ist, schon über ein Jahrzehnt verheiratet zu sein, habe ich mir gedacht: Hey, diesen Moment können wir für uns nutzen, um mal ein paar Tipps rauszuholen. Quasi von einem Profi. 

Wieso sie froh ist, dass ihr Mann keinen Helferkomplex hat und warum es gar nicht unbedingt gut ist, seinen Partner unbedingt zu brauchen, erzählt Charlotte Roche im NEON-Interview:

NEON: Ich bin Mitte 20. Und Single. Ihr seid seit 15 Jahren in einer Beziehung, die von außen extrem gesund aussieht. Vielleicht kannst du mir ja Tipps geben.

Charlotte Roche: Perfekt ist es nicht. Sonst wäre es auch langweilig im Podcast: "Ja, wir lieben uns und sind glücklich." Da würden doch alle abkotzen.

Eine Sache, mit der ich immer wieder sehr hadere, ist Vertrauen. Wie vertraust du deinem Partner?

Also erstmal will ich sagen, dass das jahrelang nicht so war. Und dass Vertrauen der Hauptgrund für Streit, Katastrophen und Fast-Trennungen war. Das ist so eine Mischung aus verliebt sein und sich gegenseitig besitzen wollen. Man übertreibt dieses ganze Exklusiv-Sein und wird fast symbiotisch. Vertrauen dauert einfach lange, leider.

Bis das so richtig tief sitzt und man denkt: "Wir sind unerschütterlich", das hat bei uns viele, viele Jahre des Ausfechtens gedauert. Immer wieder in Frage stellen, falsche Vorwürfe machen, ohne Grund misstrauisch und eifersüchtig sein, solche Sachen. Das ist für vertrauensbildende Maßnahmen natürlich nicht gut. Und obwohl wir uns anfangs nichts getan haben, ging es total ab: "Ich will das alles nicht, ich zieh aus!" und so weiter. Bis man irgendwann denkt: "Hä? Was soll das alles?"

Das ist alles wie in der Therapie. Man kann noch so lange rational über Sachen reden – solange das alles nur gesagtes Blabla à la "Du kannst mir vertrauen" ist, ist es nichts wert. Irgendwann sinkt es in die Eingeweide ein. Vom Kopf ins Herz oder in den Bauch oder wie man es nennen will. Und dann ist es richtig da.

Und das merkt man dann einfach so?

Ja. Ist wirklich so. Und dann denkt man auf einmal: "Oh krass, ich hab keine Angst mehr vor anderen Frauen, die mir meinen Mann wegnehmen können. Und wenn es passieren würde, müsste ich einfach damit klarkommen." Man hört auf zu versuchen, das krampfhaft zu verhindern.

Meinst du, du hast ihn so lange weggedrückt, bis du gemerkt hast: "Mist, der kommt immer wieder”?

Ja, auch. Das ist wie so ein Test. Ich habe mich auch von sehr hässlichen Seiten präsentiert. Das ist ein alter Überlebenstrick von mir. Um zu sehen, ob jemand einen wirklich mag und bleibt. Richtig wegstoßen und gucken, ob er wiederkommt. Und er kommt halt immer wieder.

Du hast mal gesagt, dein Ehemann hätte sich in ein Häufchen Elend verliebt. Aber wie zeigt man sich zerbrechlich, ohne tatsächlich zu zerbrechen? Weißt du, wie ich meine?

Total! Ich würde gar nicht sagen, dass ich das geschafft habe. Ich glaube, ich war in einem so schlimmen Zustand, dass ich zerbrochen bin. Also, ich bin ja nicht gestorben, aber ich war in einem so schlimmen Zustand ... ich glaube, das war zu viel. Wie er aufbauen und helfen musste. Wenn man so zusammen kommt, wie wir zusammen gekommen sind, hätte ich ja auch eigentlich denken müssen, dass er vielleicht nur einen Helferkomplex hat und wieder weg ist, sobald es mir besser geht.

Ich glaube, dass viele Paare aus den falschen Gründen zusammenkommen. Weil sie denken, dass eine Person so oder so ist und wenn sie dann zusammen sind, dann merken sie, dass das ganze Bild, das sie hatten, so gar nicht stimmt. Und dann ist die Frage: Geht man? Und macht das mit jemand anderem genau so? Oder verhandelt man? So wie in deinem Beispiel. Mein Mann kommt mit einem Haufen Elend zusammen. Ich päppele mich auf, er päppelt mich auf, irgendwann geht es mir immer besser, ich werde immer stabiler, immer stärker, selbstbewusster, freier. Das stellt ja die ganze Beziehung in Frage. Alles was ausgemacht war. Dranklammern, um Hilfe betteln, Sachen nicht alleine können – das wird alles anders. Die Person, die man liebt, wendet sich um 180 Grad. Gut für mich – und gut für ihn, dass er mich nicht klein halten will und darauf achtet, dass ich weiterhin ein Haufen Elend bleibe, damit ich ihn für immer brauche. Das gibt es auch!

Es ist wichtig, dass man, auch wenn es richtig schwer ist, immer wieder neu abkaspert: Wer ist das eigentlich? Und dass man sich immer wieder mitteilt: "Du behandelst mich so und so, das ist von früher, das kannst du jetzt sein lassen." Und dass das nicht heißt: "Ich liebe dich nicht mehr, ich will nicht mehr mit dir zusammen sein", sondern: "Wir müssen jetzt andere Regeln finden, weil ich nicht mehr so viel Hilfe brauche".

Das hat ja auch ganz viel mit Vertrauen zu tun. Und damit, sich als feministische Frau eingestehen zu können, dass man jemanden manchmal braucht. Ich habe mal zu meinem Exfreund gesagt: "Ich brauche dich nicht", und meinte das überhaupt nicht böse. Ich brauche dich nicht, aber ich will dich. Ich kann ohne dich leben, aber ich möchte es nicht. Das finde ich viel wertvoller. Er hat es nicht verstanden.

Das ist viel freiwilliger und dadurch viel romantischer. Das ist eine freie Entscheidung. Jemanden zu brauchen, das hat sowas Verzweifeltes.

Also würdest du sagen, du brauchst deinen Mann auch nicht?

Nicht mehr. Aber so, wie du sagst, ist das was Gutes! Am Anfang hätte ich gedacht: "Wenn du mich verlässt, bringe ich mich um." Das war mein leidenschaftliches Gefühl, dass ich ohne den nicht leben kann. Wenn er mich jetzt verlassen würde, könnte ich sehr gut ohne ihn leben. Ich wäre traurig und würde mich sehr wundern: Warum? Was ist los mit dir? Und das dauert bestimmt auch, bis das heilt. Aber ich weiß: Ich heile, ich finde einen Neuen – oder mehrere Neue. Das hat was mit Liebe zu tun. Das man sich selber liebt, selber besser kennt, souveräner geworden ist. Und der muss ja auch jetzt mit mir klarkommen. Das wird ein Riesenthema sein im Podcast. Ein Partner sagt auf einmal: "Ja, das war unsere Regel bislang, aber das engt mich irgendwie ein und ich verstehe nicht mehr, wieso wir die gemacht haben. Das und das will ich jetzt anders haben." Und dann denkt der andere natürlich: "Ach du Scheiße, oh Gott." Aber das macht Martin sehr gut. Der sagt auch nicht bei allem "AU JA COOL", der denkt häufig "Ach du heilige Scheiße". Und ganz oft muss man denken, dass das jetzt der Anfang vom Ende ist – ist es aber gar nicht. Stattdessen definiert man sich neu.

Sind das festgeschriebene Regeln? Die irgendwo stehen?

Meine Therapeutin sagt immer, dass ihrer Meinung nach zwei Fragen der Schlüssel für eine glückliche Beziehung sind: Welche Regeln gibt es und wer hat sie aufgestellt? Man muss gemeinsam Regeln festlegen, die zu beiden Personen passen. Es gibt viele Regeln in Beziehungen, die der Mann einfach festgelegt hat und die die Frau mitmacht. Oder andersrum. Das kann nicht gut gehen. Weil man sich fühlt wie in einem Käfig. Alle möglichen Sachen wie: Essen wir gemeinsam? Wie oft macht man was mit anderen? Sind wir Langschläfer? Dürfen wir andere angucken? Erzählen wir uns, wenn wir uns fremdverlieben? Solche Regeln. Wie Leute sind. Was für Regeln sie im Alltag definieren. Wie sie sich gegenseitig behandeln. Das muss man einmal festlegen – aber gemeinsam. Passend dazu, wie man ist. Und es ändern, wenn sich die Personen verändert haben. An die geänderten Bedürfnisse anpassen. Oder an das größere Vertrauen.

Ich hab das aber nicht studiert! Ich hab das alles nur aus der Paartherapie. Es soll niemand denken, dass der Podcast ein Ratgeber ist. Das ist uncool. Es soll Unterhaltung sein.

"Paardiologie" erscheint ab sofort jeden Freitag auf Spotify. Und lohnt sich ziemlich doll. 

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(