HOME

Informatik-Dozent Hubert Zitt : Der Mann, der uns allen erklärt, wie viel Einstein in "Star Trek" steckt

Was ist Science, was ist Fiction bei "Star Trek"? Viele Fans fragen sich das, seit die "Enterprise" über deutsche TV-Schirme fliegt. Einer, der Antworten weiß, ist Hubert Zitt. Die Vorlesungen des Informatik-Dozenten sind Kult.

Star Trek Professor Hubert Zitt im gelben Classic Star Trek Shirt wird gebeamt

Für immer eine Illusion? Star-Trek-Dozent Hubert Zitt wird gebeamt.

Dahin gehen, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist? Von wegen! Wenn Hubert Zitt kurz vor Weihnachten zu seinen "Star Trek"-Vorlesungen bittet, platzt das Audimax der Hochschule in Zweibrücken aus allen Nähten. Was an den Serien und Kinofilmen rund um das legendäre Raumschiff Enterprise ist Science? Und was ist doch eher Fiction? Der Informatik-Dozent hat spannende Antworten auf diese Fragen. Und alle, alle wollen sie hören.

Was 1996 als originelle Weihnachtsvorlesung begann, ist der kleinen Hochschule längst entwachsen. Überall in Deutschland treffen sich Fans, teils verkleidet, um via Live-Stream übers Internet zu verfolgen, was "Captain Zitt" und seine mittlerweile rund 50-köpfige Crew im Audimax auf die Beine stellen. 5000 Neugierige waren es zuletzt. "Ich weiß auch nicht, wie wir das gemacht haben", sagt Zitt. Aber: "Wir haben immer viel Spaß." Wenn es am kommenden Mittwoch, 20. Dezember, wieder soweit ist, werden zu den Vorträgen im üppig ausstaffierten Hörsaal unter anderem "Vaporizing Cocktails" und "Föderationsbrezeln" serviert.

Hubert Zitt – mit Mr. Spock an einem Tisch

Das Weihnachs-Event ist für den 54-Jährigen aber nur ein Termin von vielen. Antworten auf die Frage "Wie viel Einstein steckt in 'Star Trek'?" sind heiß begehrt; die Vorträge sind zu einem zweiten Job geworden. Unternehmen, auch die Bundesregierung, haben den Elektrotechniker schon gebucht, um sich von den Science-Fiction-Ideen inspirieren zu lassen. Bereits jetzt stehen 20 Termine für 2018 fest.

Darunter auch Zitts schon obligatorischer Auftritt auf der FedCon, der "Federation Convention". Bei der nach eigenen Angaben größten "Star Trek"- und Science-Fiction-Veranstaltung Europas in Bonn ist der gebürtige Saarländer inzwischen ein Fixpunkt des Programms. "Ich bin der einzige Redner auf der großen Bühne", wundert sich Zitt immer noch selbst ein bisschen über das immense Interesse der FedCon-Besucher. Tausende wollen ihn sehen, seine Erkenntnisse hören. Die große Bühne ist ansonsten den Auftritten der "Star Trek"-Stars vorbehalten. Doch im Grunde gehört er selber schon dazu. "Mit Mr. Spock an einem Tisch zu sitzen, das hatte schon was", erinnert sich der Mann, der mit der klassischen "Enterprise"-Serie aufgewachsen ist. "Fans sehen vor allem die Rolle", sagt Zitt, "aber für mich ist es so: Um eine Captain-Rolle zu bekommen oder um auf die ISS zu fliegen, dazu muss man schon was haben." Die große Aura, die beispielsweise ein Patrick Stewart ("Captain Picard") verströmt, "das gefällt mir".

Voll besetzter Hörsaal bei der Star Trek Vorlesung - Hubert Zitt im blauen Starfleet-Shirt zeigt den Vulkanier-Gruß

"Live long and prosper": Hubert Zitt spreizt die Finger zum Vulkanier-Gruß. Das Audimax der Hochschule Zweibrücken platzt bei den Star-Trek-Vorlesungen aus allen Nähten.


Selbst Warp-Antrieb theoretisch möglich

Auf "Star Trek" fixiert ist Hubert Zitt übrigens nicht. Für die Rivalität zu "Star Wars" hat er keine rechte Antenne (Zitt: "Darth Vader ist mein Freund"). Inspiration für seine Vorträge zieht er ebenfalls aus der Saga um die Jedi-Ritter, sowie aus Genre-Klassikern wie "Dark Star" oder "2001 – Odyssee im Weltraum" und den Abenteuern des Raumschiffs "Orion" im deutschen TV-Klassiker "Raumpatrouille". Dass die "Star Trek"-Macher von den Anfängen in den 1960ern an wissenschaftlichen Rat einholten, verleiht der von Gene Roddenberry erfundenen Serie für Zitt aber doch einen kleinen Sonderstatus. Vor allem, weil "Star Trek" tatsächlich Ideen geliefert hat, die Realität geworden sind oder noch werden könnten.

Beispielsweise Motorolas Klapphandy aus den 1990ern: Es war vom Communicator der ersten "Star Trek"-Serie inspiriert. Dank des Smartphones wird der Universalübersetzer, der Kirk, Picard und Co. in die Lage versetzt, mit fast jeder Spezies des Universums zu sprechen, allmählich wahr. Und Geräte mit Sprachsteuerung ziehen ja bereits in die Wohnungen ein. Physiker aus Innsbruck haben zumindest schon mal ein Atom "gebeamt" und auch der Warp-Antrieb – grob gesagt, eine Art Fortbewegungsart durch Stauchung und Dehnung der Raumzeit – widerspricht nicht den physikalischen Gesetzen. Woher allerdings die immense Energiemenge kommen soll, die nötig wäre, um ein gewaltiges Raumschiff wie die "Enterprise" zu bewegen, ist schleierhaft.


Wem gehört Data?

Das riesige Interesse an Zitts Vorlesungen ist umso erstaunlicher, da es sich dabei keineswegs um erweitertes "Star Trek"-Gucken handelt. Szenen aus den einzelnen Folgen bilden lediglich die Grundlage, wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln und mögliche Folgen zu diskutieren. Bei Zitts aktuellem Thema "Künstliche Intelligenz und Science-Fiction" ist der Bezug zu unserer Zeit besonders groß. Die Revolutionierung der Arbeitswelt durch Roboter und die ersten einsatzbereiten lernfähigen Computer werden in der Gesellschaft heiß diskutiert. Maschinen, die lernen können und Schlüsse aus dem Gelernten ziehen, haben erste Erfolge. Sie könnten die Fähigkeit erlangen, ein Bewusstsein zu entwickeln. Und dann stehen tiefgreifende ethische Fragen an. Hier setzt Zitt an – und die "Star Trek"-Folge "Wem gehört Data?", in der es um die Selbstbestimmung des Androiden geht, liefert erstklassiges Diskussionsmaterial.

Mit seinen Vorträgen folgt Hubert Zitt also auf seine Weise der Vision von "Star Trek", dafür zu arbeiten, uns selbst weiterzuentwickeln. Das Streben nach Geld und Ruhm wird die Menschheit demnach irgendwann abstreifen. Ob er glaubt, dass auch diese "Star Trek"-Idee eines Tages Realität wird? "Irgendwann müssen wir dahin kommen, wenn wir unsere Art erhalten wollen", ist Zitt überzeugt, "das hat aber noch Zeit."

Neue Netflix-Serie: "Star Trek: Discovery" zeigt eine noch nie gesehene Ära