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Nach Schüler-Protesten: War das Mathe-Abitur wirklich zu schwer? Bildungsverband fordert Überprüfung

Zehntausende Schüler protestieren in mehreren Bundesländern gegen das Mathe-Abitur: Die Prüfungen seien in diesem Jahr deutlich zu schwer gewesen. Dazu hat sich jetzt der Vorsitzende des Bildungsverbandes geäußert.

Mathe-Abitur

Abiturienten vor einer schriftlichen Prüfung: Wie schwer waren die Matheaufgaben in diesem Jahr wirklich? (Symbolbild)

Angesichts der Schülerproteste gegen die jüngsten Abiturprüfungen in Mathematik hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) eine Überprüfung gefordert. "Man muss die Kritik ernst nehmen", sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann in Berlin. Wenn es sich herausstelle, dass die Kritik berechtigt sei, könne der Schlüssel bei den Bewertungen angepasst, die Prüfungen also weniger streng bewertet werden. Es könne aber auch Abhilfe geschaffen werden, indem Prüfungen neu abgelegt werden.  

In mehreren Bundesländern hatten sich Schüler über den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben beschwert und mit Online-Petitionen an ihre Kultusministerien gewandt, so in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und dem Saarland, in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt.  

Mathe-Abitur: Lücken wegen Unterrichtsausfall?

Beckmann sagte, die Beschwerden seien auch vor dem Hintergrund der bundeseinheitlichen Poolaufgaben zu sehen. Die Abiprüfungen in den Ländern bestehen aus einer Mischung aus landesspezifischen und einheitlichen Aufgaben. Ein gemeinsamer Aufgabenpool stand den Ländern erstmals 2017 in Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch zur Verfügung.

Untersucht werden müsse, ob die Aufgaben inhaltlich und zeitlich bewältigbar seien. Angesichts des Lehrermangels stelle sich zudem die Frage, inwieweit Lücken auch auf Unterrichtsausfall zurückzuführen seien.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, mahnte derweil zur Gelassenheit: "Im Internet lässt sich Erregung schnell mobilisieren, deshalb sollten wir abwarten", sagte Meidinger der "Rhein-Neckar-Zeitung". In Bayern sehe er derzeit "keine Anzeichen" für eine erschwerte Prüfung.    

Die Tendenz zeige für Bayern, "die Notenresultate bewegen sich im durchschnittlichen Bereich der Abiprüfungen in Mathematik", sagte Meidinger. Wenn es Anzeichen für eine erschwerte Prüfung gebe, müsse über eine Neubewertung nachgedacht werden.  

"Die anderen Prüfungen kommen noch"

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) appellierte an die Schüler, sich jetzt zunächst auf die anstehenden Prüfungen zu konzentrieren: "Das Abi in Mathe ist jetzt gelaufen, die anderen Prüfungen kommen noch", sagte Piazolo im Bayerischen Rundfunk. Es sei wichtig, Ruhe zu bewahren. Er kündigte zugleich an, dass die Mathetests zeitnah überprüft würden.

Nach Abschlussprüfung: Mathe-Abi zu schwer? Schüler starten Online-Petition und finden Zehntausende Unterstützer
tim / DPA / AFP