Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, zwischen 2014 und 2016 jesidische Frauen und Mädchen versklavt und vergewaltigt zu haben. Er soll auch anderen IS-Mitgliedern Jesidinnen zugeführt haben. Drei jesidische Frauen und mehrere Menschenrechtsgruppen treten als Nebenklägerinnen auf.
"Es ist wichtig, dass die schlimmen Vergehen des IS gegen die Zivilbevölkerung ans Licht gebracht werden", sagte Clémence Bectarte, Anwältin der drei Nebenklägerinnen.
Es ist das erste Verfahren in Frankreich im Zusammenhang mit den IS-Verbrechen gegen die Jesiden. Mehrere weitere werden vorbereitet. In den vergangenen Jahren wurden in Europa mehrere IS-Mitglieder wegen des Völkermords an den Jesiden verurteilt, erstmals 2021 in Deutschland, im vergangenen Jahr auch in Schweden und Belgien. Ende 2025 war eine IS-Rückkehrerin in Koblenz wegen Versklavung einer Jesidin zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Der 1984 in Toulouse geborene Essid hatte sich Anfang der 2000er Jahre radikalisiert. Er stand unter anderem mit den Dschihadisten Fabien und Jean-Michel Clain in Kontakt, die französischsprachige Propaganda für den IS machten und die Anschläge in Paris vom 13. November 2015 für den IS reklamiert hatten.
Essid war bereits 2009 in Frankreich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, davon eines auf Bewährung. 2014 soll er sich in Syrien dem IS angeschlossen haben. Er ist unter anderem in einem Propagandavideo zu sehen, in dem er seinen zwölf Jahre alten Stiefsohn auffordert, eine palästinensische Geisel durch einen Kopfschuss zu töten.
Essid soll 2018 unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen sein. Im Prozess soll auch seine Witwe aussagen, die seit ihrer Rückkehr nach Frankreich inhaftiert ist.
Der IS hatte 2014 das Sindschar-Gebirge im Nordirak erobert, wo die Minderheit der Jesiden seit Jahrhunderten lebt. Die Dschihadisten zwangen jesidische Frauen und Mädchen in die Sklaverei, rekrutierten Jungen als Kindersoldaten und töteten tausende Männer.
Der Bundestag hatte die Gewalttaten gegen die Jesiden im Irak 2023 als Völkermord anerkannt. In Deutschland leben rund 250.000 Menschen mit jesidischen Wurzeln, es ist die größte jesidische Diaspora in Europa.