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Tarifstreit: Lufthansa-Piloten streiken auch am Samstag

Der Streik der Lufthansapiloten geht in den vierten Tag: Auch am Samstag hat die Gewerkschaft Cockpit Ausstände angekündigt. Bislang mussten seit Mittwoch bereits 315.000 Passagiere ihre Reisepläne ändern.

Passagiere der Lufthansa müssen sich noch mindestens bis Samstag auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen: Die Lufthansa-Piloten verlängern ihren Streik um einen weiteren Tag, wie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Donnerstagabend mitteilte. Die Piloten streiken seit Mittwoch, das Unternehmen musste bereits mehr als 2600 Flüge streichen. Allein für Freitag sagte Lufthansa 830 Flüge ab. Am Samstag sind dann auch wieder Langstreckenflüge von dem Ausstand betroffen.

315.000 Lufthansa-Passagiere mussten an den drei Streiktagen seit Mittwoch bereits ihre Reisepläne ändern. Anders als in den Vortagen beschränkt sich der Streik am Freitag zwar auf die Lufthansa-Verbindungen in Deutschland und Europa. Nach Angaben der Lufthansa können aber auch auf der Langstrecke noch vereinzelt Flüge ausfallen - quasi als Nachwirkung der vorangegangenen Streiktage.

Lufthansa reserviert tausende Hotelzimmer

Der Ausstand am Samstag betrifft nach Angaben von Cockpit dann alle Langstreckenverbindungen, die von 00.01 bis 23.59 Uhr aus Deutschland abfliegen sollen. Die Lufthansa plant jedoch, einzelne Langstreckenflüge anzubieten. Ein Sonderflugplan soll nach Angaben des Unternehmens bis Freitagmittag erarbeitet werden. Reisende sollen sich im Internet und über die Lufthansa-App informieren.

Die Fluggesellschaft reservierte für Freitag erneut tausende Hotelzimmer im Rhein-Main-Gebiet sowie in und um München. Zudem seien mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Feldbetten aufgebaut worden für Passagiere, die aufgrund fehlender Visa nicht nach Deutschland einreisen dürfen.

Gewerkschaft über Lufthansa-Chef verärgert

Die Lufthansa forderte die Pilotengewerkschaft erneut zu einer Schlichtung des Streits um höhere Löhne auf. Allerdings liegen die Positionen weit auseinander: Cockpit verlangt rückwirkend ab Mai 2012 jährlich 3,66 Prozent mehr Geld. Durch den langen Zeitraum von fünf Jahren beläuft sich die Forderung insgesamt auf knapp 20 Prozent. Die Lufthansa bot zuletzt 2,5 Prozent mehr Gehalt - allerdings nicht für jedes Jahr.

Die Gewerkschaft reagierte am Donnerstag verärgert auf Äußerungen von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der eine Gehaltserhöhung als Gefahr für die Zukunft des Unternehmens dargestellt habe. Dies sei "eine völlig überzogene Dramatisierung", erklärte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik bei Cockpit. "Gerade in dem Bereich, in dem die angeblich überbezahlten Piloten beschäftigt sind, verdient Lufthansa gutes Geld."

Cockpit bezeichnet Lufthansa-Angebot als Nullrunde

Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg kritisierte, dass die von der Lufthansa angebotene Erhöhung "an anderer Stelle wieder kompensiert" werden solle. "Das wäre dann eine Nullrunde", sagte er den "Ruhr Nachrichten". Beim Management sei bisher "nicht einmal die grundsätzliche Bereitschaft zu einer fairen Gehaltsanpassung zu erkennen". Solange sich dies nicht ändere, habe eine Schlichtung "wenig Sinn".

Ein Sprecher der Lufthansa wies darauf hin, dass die Piloten jedes Jahr automatisch eine Gehaltserhöhung von durchschnittlich drei Prozent bekommen. Der Begriff "Nullrunde" treffe auf den einzelnen Piloten deshalb nicht zu. Das Ergebnis von Tarifverhandlungen würde demnach zu der automatischen Anhebung hinzukommen.

Nahles-Sprecher: Keine Zwangsschlichtung

Angesichts des Dauer-Streiks forderte der CDU-Wirtschaftsflügel ein Gesetz zur Zwangsschlichtung von Tarifkämpfen. Nötig sei nun "dringend die Möglichkeit zur Zwangsschlichtung", sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) der "Bild"-Zeitung. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sei nun "gefordert, endlich entsprechend zu handeln".

Nahles' Ministerium wies den Vorschlag zurück. Eine gesetzliche Anordnung zu einer staatlichen Zwangsschlichtung würde massiv in die Tarifautonomie eingreifen und "in Konflikt mit der staatlichen Neutralitätspflicht bei Tarifstreitigkeiten" stehen, sagte ein Sprecher.

rös / AFP

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