Oberstes US-Gericht skeptisch über Trump-Plan für eingeschränkte Staatsbürgerschaft

Der Supreme Court in Washington
Der Supreme Court in Washington
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Am Obersten Gerichtshof der USA zeichnet sich eine erneute Niederlage für Präsident Donald Trump ab. Selbst mehrere konservative Richter äußerten sich am Mittwoch in einer Anhörung skeptisch über Trumps Plan, das in der Verfassung verankerte Recht auf die Staatsbürgerschaft durch Geburt in den USA einzuschränken. Als erster amtierender Präsident war Trump zu Beginn der Verhandlung persönlich im Saal. Dies wurde als Versuch gewertet, Druck auf die Richterinnen und Richter auszuüben.

Die Einschränkung des Geburtsrechts auf US-Staatsbürgerschaft ist einer der Kernbestandteile von Trumps verschärfter Migrationspolitik. Trump hatte unmittelbar nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus per Dekret verfügt, dass in den USA geborene Kinder in bestimmten Fällen nicht mehr automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten sollen. Diese Einschränkung soll für die Neugeborenen von Migranten gelten, die keine Aufenthaltserlaubnis haben. Betroffen wären aber auch die Babys ausländischer Reisender oder Studierender, die in den USA geboren werden. 

Die Trump-Regierung will damit einen "Geburts-Tourismus" verhindern, wie ihr Anwalt John Sauer vor dem Gerichtshof ausführte. Heutzutage seien "acht Milliarden Menschen nur eine Flugreise davon entfernt, ein Kind zu haben, das US‑Staatsbürger ist", sagte er in Anspielung auf die gesamte Weltbevölkerung. Das sei eine "neue Welt".

Der Vorsitzende Richter John Roberts entgegnete, es sei zwar "eine neue Welt", die USA hätten aber immer noch "dieselbe Verfassung". Roberts gehört zu den sechs konservativen Richterinnen und Richtern am Supreme Court, ihnen stehen drei Liberale gegenüber. 

Der von Trump ernannte Richter Brett Kavanaugh hinterfragte das Argument von Regierungsanwalt Sauer, andere Länder hätten kein so umfassendes Staatsbürgerschaftsrecht wie die USA. "Warum sollten wir über (...) andere Länder in der Welt nachdenken?", fragte Kavanaugh. "Ich erkenne die Relevanz in rechtlicher und verfassungsrechtlicher Hinsicht nicht."

Trump zeigte sich nach Verlassen des Gerichts in seinem Onlinedienst Truth Social ungehalten: "Wir sind das einzige Land der Welt, das dumm genug ist, eine 'Geburtsrecht'-Staatsbürgerschaft zu erlauben!", empörte sich der Präsident. Seine Angabe entspricht allerdings nicht den Fakten. Nach einer Aufstellung des Pew Research Center haben unter anderem Kanada, Mexiko, Brasilien und Argentinien ähnliche Vorgaben.

Das Recht auf den automatischen Erhalt der US-Staatsbürgerschaft bei einer Geburt auf dem Gebiet der USA ist im 14. Zusatzartikel der Verfassung von 1868 festgeschrieben. Dieser war nach dem amerikanischen Bürgerkrieg verabschiedet worden - unter anderem, um die Rechte ehemaliger Sklaven und ihrer Kinder zu sichern.

Die Trump-Regierung argumentiert deshalb, das historische Recht gelte nicht für "illegale Ausländer". Der konservative Richter Neil Gorsuch setzte dem entgegen, in den 1860er-Jahren habe es gar keine "illegale" Einwanderung gegeben, jeder habe sich niederlassen können. "Warum sollten wir also nicht zu dem Schluss kommen, dass die Tatsache, dass jemand möglicherweise illegal ist, unerheblich ist?", fragte er.

Vor dem Gericht demonstrierten dutzende Menschen gegen Trumps Pläne. Sie schwenkten Plakate mit Aufschriften wie "In Amerika geborene Kinder sind amerikanische Kinder". Andere bildeten mit Großbuchstaben den Schriftzug "Born in the USA", eine Anspielung auf die Hymne des Trump-kritischen Rockstars Bruce Springsteen.  

Untere Instanzen hatten das Inkrafttreten von Trumps Neuregelung zuvor blockiert. Gegen das Dekret haben Bundesstaaten und Bürgerrechtsorganisationen geklagt. Die Anwältin der Bürgerrechtsorganisation ACLU, Cecillia Wang, warnte in der Verhandlung, das Trump-Dekret würde "die Staatsbürgerschaft von Millionen von Amerikanern" in Frage stellen. Die ACLU schätzt, binnen 20 Jahren könnten fünf Millionen Kinder betroffen sein, die in den USA geboren werden oder bereits auf der Welt sind. 

Eine Entscheidung des Obersten US-Gerichts in dem Fall wird erst im Juni oder Juli erwartet. Trump hatte bereits am 20. Februar eine empfindliche Niederlage vor dem Obersten Gericht erlitten. Der Supreme Court erklärte einen Großteil der von ihm verhängten Zölle gegen weltweite Handelspartner für unrechtmäßig. 

AFP

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