Felbermayr ist derzeit Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, davor war er Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Erst am Wochenende hatte der Sachverständigenrat Wirtschaft Medienberichte bestätigt, dass das Mandat von Malmendier nicht verlängert wurde. Der Rat erklärte, er nehme dies mit "Verwunderung" und "allergrößtem Bedauern" zur Kenntnis.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit den weiteren Mitgliedern Monika Schnitzer, Veronika Grimm, Achim Truger und Martin Werding soll der Bundesregierung mit seinem Fachwissen eine wichtige Hilfestellung bei der Beurteilung der konjunkturellen Lage leisten. Dafür erstellen die sogenannten Wirtschaftsweisen Konjunkturprognosen und regelmäßige Gutachten zur Wirtschaftslage und bringen Vorschläge für Reformen ein.
In den vergangenen Jahren hatte es in dem Beratungsgremium selbst allerdings auch immer wieder Spannungen gegeben. So warfen die vier übrigen Mitglieder der als wirtschaftsnah geltenden Ökonomin Grimm einen Interessenskonflikt wegen ihrer Berufung in den Aufsichtsrat von Siemens Energy vor. Auch inhaltlich setzte sich Grimm wiederholt ab, im Gutachten des Gremiums vom November etwa trug sie die Forderung nach einer Erbschaftssteuerreform und weniger Ausnahmen für Firmenerben nicht mit.
"Die Außenwirkung des Sachverständigenrats muss professioneller werden, ganz klar", sagte Felbermayr dem Handelsblatt. "Ich werde mich dafür einsetzen, das zu ändern", fügte er hinzu. Solche Streitereien würden immer an Personen hängen. "Ich bin jetzt schon eine neue Person im Rat, bald könnte eine zweite Neubesetzung anstehen", sagte er der Zeitung. "Das kann dann ganz schnell zu einem anderen Klima führen."
Zudem sprach Felbermayr von einer "schwierigen Entscheidung", für den Sachverständigenrat zuzusagen: "Viele Kollegen haben mir gesagt: Du bist doch nicht zu retten, das zu machen", sagte er dem "Handelsblatt". Aber auch wenn er Österreicher sei, habe es etwas Patriotisches: "Ich habe 16 Jahre in Deutschland als Beamter gearbeitet. Deswegen verstehe ich es auch als moralische Pflicht."
Wirtschaftsministerin Reiche erklärte am Mittwoch, mit Felbermayr gewinne der Sachverständigenrat einen ausgewiesenen Experten für Handelspolitik, Geoökonomie und europäische Integration. "Seine analytische Tiefe und internationale Erfahrung sind gerade in der aktuellen geopolitischen Lage von besonderer Bedeutung für die Arbeit des Sachverständigenrates."
Darüber hinaus dankte die Ministerin der scheidenden Wirtschaftsweisen Malmendier im Namen der gesamten Bundesregierung für ihren "außerordentlichen Einsatz" zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Sie habe "mit ihrer ausgewiesenen Expertise im Bereich der Unternehmensfinanzierung und Verhaltensökonomie sowie durch ihre internationale Perspektive wertvolle Beiträge im Sachverständigenrat geleistet und auf nationaler wie auf europäischer Ebene nachhaltige wirtschaftspolitische Impulse gesetzt".
Malmendier war während der Ampel-Regierung in das Beratungsgremium berufen worden. Sie übernahm im September 2022 den damals bereits seit längerem vakanten Posten des Ökonomen Lars Feld. Da sie damit in ein laufendes Mandat einstieg, endete ihre Amtszeit Ende Februar. Eigentlich werden die Mitglieder für fünf Jahre berufen; Felbermayrs Berufung soll bis zum 28. Februar 2031 dauern.