Selenskyj wirft Israel Einfuhr von Getreide aus von Russland besetzten Gebieten vor

Wolodymyr Selenskyj
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Ein Streit zwischen der Ukraine und Israel um Getreidelieferungen, die mutmaßlich aus den russisch besetzten Gebieten stammen, spitzt sich weiter zu: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Israel vor, die Einfuhr von entsprechendem Getreide zu erlauben. "Ein weiteres Schiff mit einer solchen Getreideladung ist in einem Hafen in Israel eingelaufen und bereitet sich auf das Entladen vor", schrieb Selenskyj am Dienstag in Online-Netzwerken. Israels Außenminister Gideon Saar wies die Behauptung mangels fehlender Beweise zurück. 

Selenskyj rief die israelischen Behörden dazu auf, "die Ukraine zu respektieren und von Handlungen Abstand nehmen, die unsere bilateralen Beziehungen untergraben". Gegen die an der Einfuhr beteiligten Personen werde Kiew "Sanktionen" vorbereiten.

Russland beschlagnahme "systematisch Getreide in den vorübergehend besetzten ukrainischen Gebieten" und organisiere dessen Ausfuhr mithilfe von "Personen, die mit den Besatzern in Verbindung stehen". Kiew wirft Moskau seit Längerem vor, illegal landwirtschaftliche Erzeugnisse aus besetzten Gebieten zu exportieren.

Für Dienstag hatte die ukrainische Regierung zudem aus Protest über eine Lieferung nach Haifa von Getreide, das in von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine angebaut worden sein soll, den israelischen Botschafter einbestellt. Zur Begründung erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sibyha, die Ukraine habe Israel im Vorfeld gewarnt, eine Annahme des transportierten Getreides werde den Beziehungen zwischen beiden Ländern schaden. Es sei "schwer nachzuvollziehen", warum Israel auf die Bitte der Ukraine zu "gestohlener Ware" nicht angemessen reagiert habe, erklärte der ukrainische Chefdiplomat.

Der israelische Außenminister Saar entgegnete daraufhin, die Ukraine habe keinerlei Beweise für ihre Angaben vorgelegt, die Angelegenheit werde "geprüft". "Es ist nicht möglich, die Richtigkeit der ukrainischen Behauptungen bezüglich der Fälschung eines Frachtbriefs zu überprüfen", erklärte Saar vor Journalisten. "Wenn Sie Beweise für einen Diebstahl haben, legen Sie diese über die entsprechenden Kanäle vor", fügte Saar hinzu und warf der Ukraine "Twitter-Diplomatie" vor.

Moskau hielt sich in der Sache derweil bedeckt. Der Streit sei eine Angelegenheit zwischen Israel und der Ukraine, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor Journalisten. "Wir möchten uns dazu in keiner Weise äußern oder in diese Sache einmischen."

Die EU hatte im Jahr 2024 erklärt, es gebe Belege dafür, dass Russland sich Getreide aus den "völkerrechtswidrig besetzten Gebieten der Ukraine in großem Umfang" aneigne und "als angeblich russische Produkte in seine Exportmärkte" leite.

Kiew beschuldigte Moskau, allein im Jahr 2025 mehr als zwei Millionen Tonnen Getreide aus den besetzten Gebieten gestohlen zu haben. Die entsprechenden Lieferungen seien nach Afrika, Asien, in den Nahen Osten und nach Europa gelangt.

AFP