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"Bärti muss mit": Ein starkes Kind und weniger Angst: Fazit einer Weltreise mit Kind

Janina Breitling und ihr Sohn Max sind zu zweit um die Welt gereist. In ihrem Buch "Bärti muss mit" berichtet sie darüber, wie es ist als alleinerziehende Mutter die Welt zu bereisen. Und warum das eigentlich alle Eltern mit ihren Kindern machen sollten. 

Max und Janina auf einer Straße in Shibuya, einem Stadtteil Tokyos

Max und Janina auf einer Straße in Shibuya, einem Stadtteil Tokyos

Eigentlich haben Janina und ihr Sohn Max ein ganz normales Leben in München geführt. Mietwohnung, Freunde, Familie, Max geht in den Kindergarten, Janina arbeitet als freie Journalistin. Bis zu dem Tag, als die Beiden zum größten Abenteuer ihres Lebens aufgebrochen sind: Eine Weltreise zu zweit, mit einem kleinen Rucksack und Max' Teddy Bärti im Gepäck.

Gereist sind die beiden immer schon viel. Max liegt es sozusagen im Blut: Noch in der Schwangerschaft tingelte Janina mit ihm als "Zusatzgepäck" durch Indien. Doch dann der Gedanke, fast schon Panik bei Janina: Was, wenn die Schule losgeht? Denn spontanes Reisen wie im Kindergarten ist dann nicht mehr möglich. Also fasst sie einen folgenschweren Entschluss. Sie geht mit Max, der zu dem Zeitpunkt fünf Jahre alt ist, auf Weltreise.

Natürlich nicht ohne Max vorher zu fragen und der ist  –wie sollte es auch anders sein – sofort Feuer und Flamme. Einzige Bedingung: Sein Teddy Bärti muss mit. Und was mit einer Idee begann, wird für beide nicht nur ein einzigartiges Abenteuer, sondern hat ihr ganzes Leben verändert. Denn aus einem geplanten Jahr wurden schnell zwei Jahre und heute leben die beiden auf Bali, wo Max auch eingeschult wurde.

Neuseeland, die USA, Mongolei oder Taiwan sind nur einige der Länder, in denen Janina und Max Halt gemacht haben. Wie schafft man das? Woher kommt das Geld für die Reise? Und warum hatte Janina keine Angst davor, allein mit Max zu reisen? Wir haben Janina zum Interview getroffen und sie genau das gefragt.

"Bärti muss mit", erschienen im Malik Verlag, ca. 15 Euro

"Bärti muss mit", erschienen im Malik Verlag, ca. 15 Euro

Janina, heute lebt ihr nicht mehr in Deutschland, sondern auf Bali. Was bedeutet die Insel für euch?

"Wir haben unsere Reise angefangen auf Bali. Nette Leute, nette Strände: Das war für den Anfang perfekt. Was mich ein bisschen angeschubst hat, war das Buch von Meike Winnemuth 'Das große Los'. Das hab' ich gelesen und ich fand es total cool, dass sie gesagt hat, sie ist über einen Monat geblieben. Und da hab' ich gedacht, dass das für uns eigentlich auch cool wäre, nicht schnell zu reisen. Sondern irgendwo auch länger zu bleiben, um die Kultur kennenzulernen. Und deshalb hatte ich Bali für den Anfang für drei Monate gebucht. Wir haben es am Ende auf fünf Monate verlängert, weil es einfach so cool war. Es hat uns von Anfang an super gefallen und es war ein super Start in die Reise. Ich hab gemerkt, dass das funktioniert. Dass das Reisen funktioniert. Dass Max funktioniert. Dass wir als Team funktionieren."

Hattest du bei einem Reiseziel Sicherheitsbedenken? Isreal zum Beispiel?

"Ich hatte eigentlich nie Bedenken. Ich hatte auch im Vorfeld der Reise keine Bedenken. Das waren immer andere. Ich hab' immer ein gutes Bauchgefühl und Menschenkenntnis gehabt. Mein siebter Sinn ist geschärft und ich wusste, dass ich uns das zutraue, weil ich weiß, dass wir das können. Es war nicht meine erste Reise und auch nicht Max' erste Reise, deshalb hatte ich nie große Angst, aber alle anderen hatten immer so viele Ängste."

Hattest du wirklich nie Angst?

"Ich hab immer gedacht: 'Wenn etwas schief gehen sollte, könnten wir doch immer wieder zurückkommen'. Aber tatsächlich gab es kurz vor der Abreise den Punkt, wo ich gedacht habe, sind jetzt alle anderen komisch oder bin ich komisch? Geh ich da zu blind oder naiv an die Situation ran? Bis ich dann irgendwann gedacht habe: 'Nee, ich bin jetzt seit 5 Jahren Mutter und ich weiß, was ich tue'. Es ist auch nie irgendetwas passiert."

Bist du mit Kind eher geschützt?
"Ja, auf jeden Fall. Ich bin fest davon überzeugt, dass man als Mutter mit Kind eigentlich geschützt ist. In anderen Ländern laufen Kinder ganz einfach mit. Kinder spielen draußen und werden frei gelassen. Ich merke das auch an Max. Durch die Reise ist er viel freier als andere Kinder. Er traut sich viel mehr zu. Dinge, die ich als Kind gemacht habe. Die Kinder heute aber eigentlich gar nicht mehr machen."

"Bärti muss mit": Weltreise als Alleinerziehende: So haben Max und seine Mama die Welt gesehen
Max und Janina in Japan

Max und Janina in Japan

Ihr wart viel zu zweit und seid dadurch auch besonders eng verbunden gewesen. Gab es auch mal einen Mann auf der Reise?

"Ja, gab es schon. Und das war auch gut. Und wir haben auch so viele Menschen kennengelernt. Es war nie so, dass wir nur zu zweit sein wollten. Wir sind auch eine Zeit lang mit anderen gereist. Wir haben aber kaum andere Eltern kennengelernt. Thailand oder Neusseeland sind schon eher Länder, um zum Beispiel die Elternzeit zu verbringen. Die Mongolei eher weniger."

War es auch mal anstrengend mit Max?

"Klar, war das manchmal anstrengend, aber ich war mir auch in solchen Situationen bewusst, dass ich es genießen sollte. Weil ich immer im Hinterkopf hatte, dass es irgendwann vorbei ist und es einfach eine besondere Zeit war. Wir sind auch ein gutes Team und ich hab' das so sehr genossen. Das war einfach unsere Zeit."

Dein Reisebudget war 1000 Euro pro Monat. Wie hast du das gemacht?

"Ich habe viel auf Flohmärkten verkauft. Das war schon mal ein guter Puffer. Und dann habe ich relativ schnell weitergearbeitet. Morgens bin ich schon um fünf Uhr aufgestanden und habe ein paar Stunden gearbeitet bis Maxi wachgeworden ist."

Siehst du dich selbst als privilegiert, weil du diese Reise machen konntest?

"Natürlich bin ich als Deutsche auf der privilegierten Seite. Das ist mir schon klar, aber in Deutschland läuft auch richtig viel falsch. Je länger man weg ist, desto mehr fällt einem das auf. Und so viele Menschen sind in Deutschland unglücklich und machen von morgens bis abends dasselbe und das ihr ganzes Leben lang. Und denken, dass das so sein muss, weil sie vielleicht gar nicht wissen, dass da noch so viel mehr ist. Aber ich merke auch, dass es in Deutschland auch ein Umdenken gibt und eine Art Aufbruch."

Es gibt sicher viele Menschen, die neidisch sind. Wie reagierst du darauf?

"Zu Anfang habe ich es mir sehr zu Herzen genommen. Aber mittlerweile ist es mir egal. Ich lerne auch, dass es mir immer mehr egal sein muss, denn am Ende ist es unser Leben. Und wir führen unser Leben so wie wir das wollen. Genauso gestehen wir das auch jedem anderen ein. Neid gibt es immer, sobald man über den Tellerand hinausspringt. Mir egal, weil mein Kind und ich die glücklichste Zeit zusammen verbracht haben. Und ich habe das selbst möglich gemacht – ohne reiche Eltern. Ich habe mir das hart erarbeitet und war mutig genug, das zu machen."

Was habt ihr auf der Reise gelernt?

"Jeder Mensch ist per se erstmal gut. Es gibt gute Menschen. Und es gibt nur einen kleinen Anteil von Menschen, die nicht so sind. Aber viele sind einfach sehr nett. Und das wieder zu sehen, das ist etwas, was verloren gegangen ist. Und wir haben das auf der Reise wieder neu gelernt, aufs Bauchgefühl zu hören. Das ist mir auch sehr wichtig, das zu zeigen, dass nicht alles nur Angst ist, weil viele Menschen es immer darauf drehen wollen. Denn man kann immer irgendetwas finden, was man anprangert oder verantwortungslos findet. Aber in den wenigsten Fällen passiert wirklich etwas."

Was macht ihr heute?

Ich arbeite an einem neuen Projekt. Das hat gar nichts mit Journalismus zu tun, aber wird vielen Frauen weltweit helfen. Darauf freue ich mich. Noch kann ich nicht so viel dazu sagen, aber bald ganz bestimmt. Max geht auf Bali zur Schule. Und die Schule ist ganz anders als in Deutschland. Zehn Kinder werden von 2 Lehrern unterrichtet. Alles ist recht paradiesisch.

Wer noch mehr über Janinas und Max große Reise lesen möchte, kann das in "Bärti muss mit" tun. Hier erzählt Janina über das Abenteuer ihres Lebens und gibt Tipps für Eltern, die auch Lust haben mit ihrem Kind die Welt zu erforschen. Erschienen ist das Buch im Malik Verlag, ca. 15 Euro.