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Südfrankreichs Cevennen: "Man hätte sich nackt ausziehen können"

Familien erzählen. Diesmal: Familie Kramer entdeckt die Stille in Südfrankreichs Cevennen. "Wir wollten mit den Kindern einen Urlaub verbringen, ohne uns Sorgen zu machen, dass etwas passiert."

Protokoll: Andin Tegen

Die sechsjährige Nora auf einem Hochplateau der französischen Cevennen.

Nora blickt in die Weite. Um sich herum hat die Sechsjährige auf diesem Hochplateau der französischen Cevennen nur ihre Eltern, Geschwister, ein paar Esel - und ganz viel Stille.

"Da standen wir, völlig erschöpft und sprachlos. Wir hatten das wohl schönste Hochplateau der südfranzösischen Cevennen erreicht und schauten über die sanft geschwungene Berglandschaft. Das Tal, aus dem wir vor sechs Stunden gekommen waren, lag 1300 Meter unter uns. Unsere sechsjährige Tochter Nora fiel ins Gras. Ihre Geschwister Maya und Lazlo versuchten, so laut in die Stille hineinzuschreien, wie sie nur konnten. Außer uns und den Eseln, mit denen wir gewandert waren, standen nur ein paar Kühe auf den Sommerwiesen. Man hätte sich jederzeit nackt ausziehen können.

Selbst wenn man hier mit voller Wucht einen Stein geworfen hätte, hätte man niemanden getroffen. Schließlich ist die Lozère die am dünnsten besiedelte Region Frankreichs. Sie liegt im Zentralmassiv. Doch kein Berg ist mehr als 2000 Meter hoch. Die Esel grasten vor sich hin. Die Kinder spielten irgendwas mit Kobolden.

Familie Kramer und ihre Reise durch die Cevennen

Ilka, 47, und Vincent, 48, mit ihren Kindern Nora, Maya und Lazlo, die auf der Reise 6, 8 und 10 Jahre alt waren. Vincent kennt die Cevennen aus seiner Kindheit.

Wir Eltern schauten in die Wolken, während vor uns ein Film vom Aufstieg ablief: Wir waren an einsamen Bauernhöfen vorbeigekommen und hatten schattige Wälder in einer highland-ähnlichen Landschaft durchquert. Granitblöcke lagen wie fallen gelassene Riesenwürfel in der Landschaft herum. Weite Blaubeerfelder wechselten sich mit grünen Weiden ab, auf denen fahlgelbe Aubrac-Kühe standen. Alles sah aus, als hätte es ein Impressionist gemalt.

Wir wollten mit den Kindern einen Urlaub verbringen, ohne uns Sorgen zu machen, dass etwas passiert. In dieser endlosen Einsamkeit konnten sie herumtoben – kein steiler Hang, kein gefährliches Tier, niemand. Kurz dösten wir ein."

Tipps für die Cevennen

Schlafen

Am besten in einer der rustikalen Herbergen, hier "Gîte d’étape" genannt. Die versorgen auch die Esel. Etwa die Mas de la barque (lemasdelabarque.com) oder die Mas nouveau (masnouveau.com).

Essen

Gute regionale Küche gibt es in den meisten Gîtes d’étape. Unbedingt Aligot bestellen: eine deftige Mischung aus würzigem Käse und Kartoffelbrei, die auf der Gabel spektakuläre Fäden zieht.

Wandern

Esel sind dabei die besten Begleiter. Sie tragen zwar nicht die Kinder, aber zumindest das Gepäck. Man kann auf eigene Faust loswandern oder eine organisierte Wanderung buchen: ane-et-randonnee.fr

Erleben

Der Cevennen-Nationalpark hat ein großes Wegenetz für Wanderer. In den Wäldern findet man immer wieder kristallklare Seen, in die man zur Abkühlung schnell mal springen kann.

Vergessen

Nie ohne Wanderkarte auf den Weg machen! Die Cevennen sind zwar kein schwieriges Wandergebiet, aber auf manchen Routen lauern steile Abhänge – die sollte man mit Kindern meiden.


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