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Kolumne

"Vollkatastrophe": Familienplan mit Hindernissen: Die unendliche Geschichte vom schwanger werden – wenn es nicht klappt

In ihrer Kolumne "Vollkatastrophe" schreibt Mucki Bommeltwist über Söhne, Ehemänner und Identitätskrisen. Diesmal geht es um einen positiven französischen Film und viele negative Schwangerschaftstests.

Von Mucki Bommeltwist

Frau auf Toilette mit Schwangerschaftstest

Wenn der Wunsch nach einem (zweiten) Kind groß, aber der Test immer wieder negativ ist, kann das ziemlich aufs Gemüt schlagen

Getty Images

Vor mir liegt der 15. Schwangerschaftstest in zehn Tagen. Vor dem Einsetzen meiner letzten Regel hatte ich eine Scheinschwangerschaft, vor der davor eine frühe Fehlgeburt und diesmal schiebe ich beim Anblick des dicken, einzelnen Striches, der ein zweites Baby zumindest an diesem Tag mal wieder ausschließt, Panik vor einer frühen Menopause. Ich überlege, ob mein Zyklus mich verarschen will oder ich mich direkt einweisen lassen soll, weil ich diesen Zombie, den der zweite Kinderwunsch in den letzten Monaten aus mir gemacht hat, nicht erkenne. Ich will kein Zombie sein, ich will doch einfach nur ein zweites Kind.

Freitagabend allein im Bett. Mein Freund ist seit einer gefühlten Ewigkeit zum ersten Mal wieder mit Kollegen aus und der Kleine nach mehrstündigen Ins-Bett-geh-Versuchen erschöpft auf meinem Arm eingeschlafen. Es waren heftige Wochen. Für uns alle drei. Seit wir beschlossen haben, wieder schwanger zu werden, werden wir nicht mehr schwanger. Zyklus um Zyklus verstreicht und nichts passiert. Außer, dass ich mich jedes Mal schwanger fühle, ohne es zu sein und dann mal als früher Abgang und mal als verspätete Periode, mein Körper entscheidet, dass er aktuell kein zweites Kind austragen will.

Wir träumen von "dann", wenn wir zu viert sind – aber wann ist das?

Ich setze mich aufs Sofa und sehe diesen französischen Film von Julie Delphi. "Familientreffen mit Hindernissen". Eine große französische Familie trifft im Sommer zusammen. Alle laut, alles Querköpfe, alle durcheinander, Kinder, alte Omas, schachspielende Männer, schnatternde Frauen. Ich sehe diesen französischen Film und denke an die letzte Zeit. Das Jahr vollgepackt mit dem neuen Job und der Kleine währenddessen drei Tage in der Woche bei seiner Tante. Und wie dieses Kontrastprogramm mich umgehauen hat, gepaart mit dem schlechten Gewissen. Überall nur ein Teil. Nirgendwo ein Ganzes. Ich sehe diesen französischen Film und habe so unfassbar Angst.

Das Träumen von "dann", wenn wir zu viert sind, wann ist das. Es fühlt sich an, als würde täglich heiße Lava aus meinem Herzen fließen. Das Herz war so voller Lava, als wir beide gesagt haben, wir wollen mehr Kinder. "Bei uns wird es laut und lustig, wie wir es immer haben wollten." Das Herz ist so viel leerer geworden im letzten Jahr. Ich sehe diesen französischen Film und denke an meine große Familie, mit der ich all diese lauten und lustigen Sachen als Kind erlebt habe. Zehn Enkel die wöchentlich aufeinander prallen, Geburtstagsfeste im Garten mit der Hollywoodschaukel und dem großen Apfelbaum, nackt baden im See, Männer auf dem Fußballplatz, Frauen, die den Tisch decken, meine Cousine und ich, die sich auf der Wiese prügeln, die beste Oma der Welt mit den langen dunklen Haaren, die Kumpels von meinem Opa, die mit Bier bedient werden wollen, der Playboy-Kalender in der Garage, auf den wir heimlich mit Dartpfeilen zielen, das Luftgewehr, die Wiese, das Blumenbeet, der Tannenbaum vor der Tür, der immer größer wird, die Schlumperklamottenkiste für die Kinder zum Toben, die Katzen, der Sandkasten, die klapprigen Fahrräder aus der Scheune, die Hühnersuppe, der alte Holzschlitten, der modrige Dachboden, die Kletterausflüge in der Sächsischen Schweiz, das Paddeln in der Wesnitz, das Rumstreunen im alten Pionierhaus, das Inlineskaten an der Elbe, die Bude im Hinterhof. Die kleinen Brüder, die immer und überall herumtollen. Die Wiese, die Wiese, die Wiese.

Was, wenn uns die Freude an unserem wundervollen, gesunden Kind nicht reicht?

Ich sehe diesen französischen Film und muss unfassbar weinen. Die Werbung von heute zeigt Kinder, die allein auf dem Sofa sitzen und Bilder auf iPads malen. Ich will nicht, dass mein Sohn seine Kindheit am Tablet verbringt, wenn er mal keinen Bock auf seine Eltern hat, nur weil keine Geschwister rumrennen, die ihn zwar manchmal zur Weißglut bringen, aber zumindest auf Trab halten. Ich sehe diesen französischen Film und habe so unendlich Panik, dass uns die Freunde an unserem wundervollen, gesunden Kind nicht reicht und uns die Sehnsucht und das Träumen von einem Geschwisterkind für ihn zermürbt. Ich klappe den Laptop zu, schlafe ein und träume von lauten Kindern, die über Wiesen rennen.

Vier Monate danach, nicht auf einer Wiese, dafür mitten im regnerischen London in einem stickigen Starbucks. Ich knülle in meiner Mittagspause schlecht gelaunt das Muffinpapier zusammen, trinke den letzten Schluck Kaffee, ziehe meine Jacke an und gehe auf Toilette, um seit Wochen zum ersten Mal wieder auf einen Streifen zu pinkeln. Danach wasche ich mir die Hände und schaue in den Spiegel und betrachte meine müden Augen. Wie lang soll das noch so weitergehen?

Drei Minuten später verlasse ich den Laden mit einem neuem Gesichtsausdruck. Leicht verwirrt, aber mit einem breiten, schwangeren Grinsen im Gesicht.

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?