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Gläubiges Paar in Kanada: Pflegeeltern wollen nicht wegen des Osterhasen lügen - Organisation nimmt Kinder weg

Weil sie sich weigerten, ihren Pflegekindern zu erzählen, es gebe einen Osterhasen, nahm eine Vermittlungsagentur einem kanadischen Paar die Kinder wieder weg. Zu Unrecht, wie ein Gericht entschied.

Kanada Eine der sanften Lügen, die viele Eltern ihren Kindern erzählen: der Osterhase (Symbolbild)

Eine der sanften Lügen, die auch in Kanada viele Eltern ihren Kindern erzählen: der Osterhase (Symbolbild)

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Einem kanadischen Paar wurden zwei Pflegekinder genommen, weil sie sich weigerten, den beiden drei- und fünfjährigen Mädchen zu erzählen, es gebe einen Osterhasen. Anschließend wurden sie von der Vermittlungsagentur gesperrt. Das geht aus dem Gerichtsurteil hervor, über das unter anderem die "National Post", der "Toronto Star" und die BBC berichten. Die Kinder wurden dem Paar bereits 2016 weggenommen, im vergangenen April zogen sie deshalb vor Gericht und bekamen nun Recht.

Bei dem Pflegeeltern handelt es sich den Berichten zufolge um ein streng religiöses Ehepaar, Anhänger der reformierten Presbyterianischen Kirche. In dieser Ausprägung des Christentums wird die Bibel als "Wort Gottes" wörtlich ausgelegt und als moralischer Kompass genutzt. Entsprechend ablehnend stehen diese Gläubigen oft Homosexualität, Abtreibung oder Glücksspiel gegenüber. Oder eben: dem .

Osterhase widerspricht religiösen Überzeugungen

Das kanadische Paar erklärte demnach, dass das Konzept Osterhase ihren religiösen Überzeugungen widerspräche. Dennoch kamen sie der Kinderhilfsorganisation laut BBC deutlich entgegen. Sie hätten sich bereiterklärt, für die Kinder ein Ostereiersuchen samt versteckter Schokoladeneier in ihrem Haus zu veranstalten. Nur hätten sie eben nicht erzählen wollen, ein Hase habe diese Eier platziert. Außerdem hätten sie angeboten, dass die Kinder notfalls Ostern in einer anderen Familie verbringen. Doch wenig später seien ihnen die beiden kleinen Mädchen komplett weggenommen worden.

Den Berichten zufolge argumentierte die Children’s Aid Society of Hamilton vor Gericht, die Kinder seien nicht wegen des Osterhasen-Streits aus der Familie genommen worden, sondern weil die Pflegeeltern sich geweigert hätten "respektvoll mit den kulturellen Bedürfnissen der Kinder" umzugehen. "Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein", schrieb der Richter dazu. Wie reichlich Beweise zeigten, sei es ausschließlich darum gegangen, dass sich das Paar "weigerte, zu erzählen oder anzudeuten, der Osterhase verstecke Schokolade im Haus".


Obwohl sich die Pflegeeltern gut und liebevoll um die gekümmert hätten, habe die Organisation die Mädchen mit nur einem Tag Vorwarnung aus der Familie gerissen, so der Richter. Dies sei ein "potenziell traumatisches Erlebnis" für die Kinder. Eingreifen müsse man bei körperlichem oder sexuellem Missbrauch, nicht bei Streitereien um den Osterhasen.

Richter in Kanada erhebt Vorwürfe gegen Sozialarbeiterin

Der Richter erhebt auch Vorwürfe gegen die Sozialarbeiterin, die die Familie für die Hilfsorganisation betreute. Diese hatte dem Paar nämlich auch vorgeworfen, dass sie den Kindern möglicherweise erzählen könnten, homosexuelle Paare lebten in Sünde. Die Kinder würden sich daher womöglich nicht von einem solchen Paar adoptieren lassen. Die Pflegeeltern wiesen diesen Vorwurf vor Gericht zurück. Der Richter urteilte, die Sozialarbeiterin sei "getrieben von dem Vorurteil, Christen könnten gleichgeschlechtliche Paare nicht tolerieren". Dabei habe sie das Wohl der Kinder aus den Augen verloren.

Gegenüber der "National Post" entschuldigte sich der Leiter der Organisation bei den Pflegeeltern. Man habe "Fehler eingesehen", respektiere den Gerichtsentscheid und werde dafür sorgen, dass so etwas künftig nicht mehr passieren werde. Mit dem Urteil wurde laut dem Blatt die Akte des Paares gelöscht und sie können in Zukunft wieder Kinder in Pflege nehmen oder adoptieren. 

fin