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Magazin: Frust statt Lust: Sex, wo bist du?

Am Anfang war er einfach da. Und oft. Und schön. Ohhh, ja! Nach dem ersten Kind wird der schönste Spaß der Welt aber zum raren Moment – und zum Problem. Fünf Eltern sprechen gnadenlos offen über die Ebbe in der Kiste. Und: Eine Expertin weiß tatsächlich Rat.

Text: Julia Meyer-Hermann | Fotos: Tony Farfalla

Mario, 34, Bauzeichner, ist mit Tanja, 37, Bauingenieurin, seit vier Jahren zusammen. Ihr gemeinsamer Sohn Tim ist jetzt drei Jahre alt, seit dem fünften Monat der Schwangerschaft hatte das Paar keinen Sex mehr.

Anne, 42, Architektin, und Claus, 40, Bühnenbildner, aus Hannover sind seit sieben Jahren ein Paar und haben zwei Kinder: die fünfjährige Franziska und den zweijährigen Hanno. Die beiden hatten auch vor den Kindern abends oder nachts wenig Lust auf Sex, sondern eher morgens vor der Arbeit und am Wochenende mittags oder nachmittags. Durch die Kinder ist ihr „Sex-Zeitfenster“ verloren gegangen.

Kristina, 32, Marketingreferentin, und Markus, 32, Produktmanager, aus Berlin sind seit fünf Jahren verheiratet. Ihre Töchter Anika und Hanna sind vier und drei Jahre alt. Beide arbeiten fast Vollzeit, die Betreuung der Kinder nach Krippe und Kindergarten teilen sie sich.

Vera, 37, Grundschullehrerin, und Max, 37, Wirtschaftsanwalt, sind seit fünfzehn Jahren ein Paar. Ihr Sohn Luis ist inzwischen neun Jahre alt. Vera hat ihren Mann dabei „erwischt“, dass er Pornos guckt. Sie fühlt sich hintergangen und hat außerdem Angst, ihm nicht zu genügen.

Eva, 35, Zahntechnikerin, und Bastian, 44, Zahnarzt, sind seit sechs Jahren verheiratet und haben dreijährige Zwillinge: Jonte und Finn. Nach einer schweren Geburt hatten die beiden fast zwei Jahre lang keinen Sex.

Ganz knapp: Das Problem ist die Lebensphase. Aber Paartherapeutin Irmi Jaud hat Ideen, wie es im Elternbett wieder etwas lauter werden könnte.

Frau Jaud, eine aktuelle Studie sagt, dass jedes vierte Elternpaar weniger als einmal im Monat miteinander schläft. Trotzdem haben viele Paare das Gefühl, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, wenn sie nicht wöchentlich übereinander herfallen. Warum ist die Kluft zwischen Anspruch und Realität beim Thema Beischlaf eigentlich so groß?
Wir haben vom Sex heute ein sehr idealisiertes Bild. Wir alle erinnern uns gern an den Anfang einer Beziehung, an den Rausch der ersten Zeit, in der die Hormone wie eine Droge sind. Wer verliebt ist, will dauernd Sex haben. Daraus schlussfolgern viele, dass man sich auch in einer langjährigen Beziehung permanent begehren müsse, wenn die Liebe nur groß genug ist. Verstärkt wird das dadurch, dass wir generell in einer sehr leistungsbewussten Zeit leben und in diesem Bereich ebenfalls perfekt sein wollen. Früher war das anders, da hatte man keinen so hohen Anspruch an die Sexualität in der Ehe beziehungsweise in einer langjährigen Beziehung. Da sprach man von den ehelichen Pflichten.

Das klingt nun allerdings alles andere als erotisch.
Das klingt abtörnend, ja. Aber was darin mitschwingt, ist dennoch nicht so verkehrt. Denn wer davon ausgeht, dass Sex ein Standard in einer Beziehung ist, der hat nicht den Anspruch, dass es jede Woche superaufregend sein muss. Mein Ausbilder, der Paartherapeut Ulrich Clement, hat mal gesagt: Wer guten Sex haben will, muss auch hinnehmen, dass man manchmal schlechten oder mittelmäßigen Sex hat.

Aber auch mittelmäßigen Sex muss man erst mal haben. Warum verlieren so viele Eltern mit der Geburt ihrer Kinder ihre Libido?
Natürlich sind fast alle Eltern von kleinen Kindern ständig müde, und Schlafmangel unterdrückt jede Lust im Keim. Man hat ja auch keine Lust mehr, Sport zu machen, etwas Interessantes zu lesen, die Nächte durchzutanzen – warum sollte es mit dem Sex anders sein?

Wie die Eltern über die Ebbe in ihrer Kiste denken und das ganze Interview findet ihr in der neuen Ausgabe von Nido – ab Freitag, 21. Oktober, überall am Kiosk!

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