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Magazin: Jan Delay im Interview

Bis vor einigen Jahren dachte der Popstar Jan Delay, man könnte entweder ein guter Entertainer sein oder ein guter Vater. Jetzt hat er selbst ein Kind. Ein Interview über Elternpflichten und das Glück, sie für zwei Stunden zu vergessen.

Jan Delay, der eigentlich Jan Phillip Eißfeldt heißt, kann inzwischen auf eine lange Karriere als großartiger und vor allem vielfältiger Musiker zurückblicken. Seit fast 20 Jahren nölt er sich mit seiner markanten Stimme durch unsere Ohrmuscheln. Als Absoluter Beginner, als LaBoom und eben auch als Jan Delay. Sein Musikrepertoire ist vielfältig, der Hamburger ist nicht nur Hip Hopper, auch Funk, Reggae, Dancehall und Deutschrock sind auf seinen Alben zu finden. Und auch als Synchronsprecher ist er inzwischen zu hören:, nämlich als „Willi“ im Kinofilm „Die Biene Maja“.

In seiner Kindheit kannte Jan Delay keinen Überfluss. Das Wissen, wie man ohne Privilegien aufwächst, würde er gerne an seine Tochter weitergeben. Im Interview mit Nido spricht er über Tragetücher, Keimphobien und das Leben in einem besetzten Haus.

Herr Delay, Sie sind im Hamburger Stadtteil Eppendorf in einem hochherrschaftlichen Jugendstilgebäude aufgewachsen, das von linksalternativen Studenten besetzt wurde, um den Abriss zu verhindern. Wie haben Sie diese Jahre in Erinnerung?

Das fünfgeschossige Haus wurde von den Besetzern in ein alternatives Wohnprojekt mit Selbstverwaltung umgewandelt. Die Eigentümer haben immer wieder versucht, uns da rauszukriegen, aber wir haben 400 Prozesse gewonnen. Die ersten Jahre haben wir in einer WG im ersten Stock gelebt. Meine Eltern waren dann die Ersten, die den Antrag stellten, eine eigene Wohnung haben zu dürfen. Geld und eine bürgerliche Karriere waren meinen Eltern scheißegal. Ehrgeizig waren sie nur, wenn es um ihre Kunst ging. Mein Vater war Musiker und Filmemacher, meine Mutter Fotokünstlerin.

Sie haben 20 Jahre in dem besetzten Haus gelebt. Wie hat Sie diese Zeit geprägt?

Ich habe eine Aversion gegen Birkenstocksandalen entwickelt, die bis heute anhält. Ansonsten bin ich froh, dass ich da groß geworden bin, denn es hat das aus mir gemacht, was ich heute bin. Krass war es nur in der Grundschule mit den ganzen verwöhnten Arzt-, Anwalts- und Erbensöhnen. Ich habe von meinen Eltern keinen Pfennig Geld bekommen und zu Hause immer gefragt: „Warum haben wir keine Vorhänge und keine Teppiche?“ Wenn ich von meinen Großeltern wiederkam, wollte ich wissen, warum sich Papa nicht mal einen Anzug anzieht. Meine Mutter zeigte mir dann einen Vogel und meinte: „Ey, willst du mich verarschen? Weil wir nicht so sind wie die anderen.“ Ich war genau wie dieses Kind aus der Bausparkassenwerbung, das sagt: „Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden.“

Haben Sie je den Aufstand gegen Ihre Elterngeprobt?

Meine rebellische Phase hatte ich mit elf Jahren. Da habe ich meiner Mutter den Satz ins Gesicht geschleudert: „Ich will Börsenmakler werden!“ Heute empfinde ich es als toll, quasi ohne Geld aufgewachsen zu sein. So wurde ich darauf gepolt, mich durchzusetzen. Schon in meinem Zeugnis in der ersten Klasse stand, ich sei „sehr ehrgeizig“. Ich hatte gerade erst lesen gelernt und lief weinend zu meiner Mama. Als ich wieder sprechen konnte, schluchzte ich: „In meinem Zeugnis steht, ich bin geizig!“

Was hätten Sie gern an Ihren Eltern geändert?

Wenn ich aus der Schule kam, wurde darauf gepocht, dass wir zusammen essen, und am Wochen­ende war Familienprogramm mit Ausflügen und Spazierengehen angesagt. Das nervte mich, weil ich lieber mit meinen Homies abgehangen hätte als irgendeinen scheiß Familien­ausflug zu machen. So anti­autoritär waren meine Eltern gar nicht. Ich habe schon eine sehr amtliche Erziehung genossen.

Welche Erziehungsmaßnahme Ihrer Eltern haben Sie partout nicht verstanden?

Den Klavierunterricht. Mein Vater sagte: „Mann, ich hätte mir so gewünscht, dass mein Vater mich dazu gezwungen hätte. Du müsstest mir danken, dass ich dich dazu zwinge.“ Ich werde bei meiner Tochter genau das Gleiche sagen und bei ihr auf genauso taube Ohren stoßen. Du lernst etwas nur, wenn du es wirklich willst, und nicht, weil jemand dir sagt, dass du ihm später mal dankbar dafür sein wirst. Das ist leider so.

Was war als 15-Jähriger Ihr Minderwertigkeitskomplex?

Dass ich nicht so groß und stark war wie andere. Ich war ein Spätentwickler und sah aus wie ein Hänfling. Während andere meines Alters schon Mannsbilder waren, war ich noch weit entfernt von jeglichem Bartwuchs. Ich habe jedes einzelne Haar, das ein bisschen dicker war, echt gepflegt.

Ihre Eltern hörten Frank Zappa, Talking Heads und Miles Davis. Wann haben Sie sich von ihrem Musikgeschmack emanzipiert?

Gegen Ende der Grundschule. Ich fing an, Hitparaden-Zeug zu hören, und meine Madonna- und Prince-Phase begann. Bei „Ronny‘s Popshow“ im Fernsehen sah ich Prince das erste Mal „Kiss“ singen. Das haute mich um. Als meine Mutter von einer Ausstellung ihrer Fotos in New York zurückkam, sagte sie: „Janny, ich habe in New York eine Musik gehört, die dir gefallen wird. Sie heißt Rap. Das ist genau dein Ding.“ So ging‘s bei mir mit Musikmachen, Sprayen und Breakdance los. Mit 13 Jahren habe ich dann ein HipHop-Fanzine gegründet. Das Tolle an dieser Musik war, dass sie dich anspornte, kreativ zu sein und selber etwas auf die Beine zu stellen.

Sie haben eine Keimphobie. Wie ist die entstanden?

Platin Martin von den Absoluten Beginnern hat mich damit auf einer Tour angefixt. Der Arsch! In dem Film „Inception“ sagt jemand den tollen Satz: „Der gefährlichste Virus ist der Gedanke – wenn er einmal übergesprungen ist, hält ihn keiner mehr auf.“ Genauso ist das mit mir und den Keimen. Wenn man einmal weiß, was auf der Türklinke lauert, und wie oft du dir ins Gesicht fasst, kriegst du das nicht mehr los. Je älter man wird, desto schlimmer wird es. Besonders widerlich sind Türklinken in öffentlichen Toiletten, an denen man ziehen muss statt sie mit dem Ellenbogen runterzudrücken. Willkommen in meiner Gedankenwelt!

Popstars sind in der Regel Totalegozentriker. Verträgt sich das mit Vaterschaft?

Vor zehn Jahren habe ich gesagt, man kann entweder ein guter Entertainer sein oder ein guter Vater. Ich wollte mein Kind nicht in einem Patriarchat großziehen, wo der Vater arbeiten geht und zahlt, und die Mutter sich daheim um alles kümmert. Heute denke ich, ein bisschen Patriarchat ist vielleicht gar nicht so schlimm, denn eine Frau, die gerade Mutter geworden ist, identifiziert sich mit ihrem Kind noch viel mehr als ich. Das liegt in der Natur der Sache, denn sie hat ganz andere Instinkte als ich. Deshalb kann ich zu Hause guten Gewissens sagen, dass ich auf Tour gehe. Das macht mich nicht zu einem Macho-Arsch.

Charlotte Roche hat in einem Nido-Interview gesagt: „Ich gehe nicht mehr feiern, weil ich finde, dass eine gute Mutter nicht mehr in Clubs rumhängt und mit Leuten die ganze Nacht durchmacht. Es gibt auch keinen Style mit Kindern, denn die hören Schlumpfen-Techno.“ Bedeutet Elternschaft das Ende jeder Coolness?

Ich kenne Charlotte und mag sie sehr gern, aber über diese Sätze müssten wir uns mal länger unterhalten. Ein 60-Jähriger, der sich eine Basecap aufsetzt und versucht, mit seinen Kindern in einen Club reinzukommen, kann genauso peinlich sein wie ein 35-Jähriger, der nach Babykotze riecht und auf Krampf irgendwie doch noch seinen Weg ins Kater Holzig (Anm. der Red. Elektroclub in Berlin) finden will, um Ecstasy oder Ketamin einzuwerfen. Es gibt aber sehr wohl Leute, die den Spagat zwischen Kindern und Coolness gut hinkriegen.

Ihre Tochter ist am 1. Februar zur Welt gekommen. Ist ihre Freundin schon wieder in Feierlaune?

Sie hätte zurzeit überhaupt keinen Bock, auf eine Party zu gehen, weil sie die Geburt krass mitgenommen hat. Das war, als wenn ein Auto durch dich durchfährt. Aber wenn sie damit durch ist und Bock zu feiern hat – warum sollte sie das nicht tun? Und wieso kann man seinen Kindern nicht geile Musik vorspielen statt Schlumpfen-Techno? Das hat bei mir auch gut funktioniert, und ich werde nicht müde, meiner Tochter Mucke vorzuspielen, die ich gerne höre.

Sie gelten als Styler. Sieht man Sie mit Tragetuchund Manduca?

Ja, denn ich finde beides völlig okay. Früher habe ich über die Prenzlauer-Berg- und Ottensen-Eltern mit ihren riesigen Babywagen geflucht, jetzt bin ich selber einer von ihnen. Muss ich halt durch. Ich finde es okay, wenn meine Tochter mein Leben umkrempelt, aber ich will nicht, dass sie meine Person umkrempelt. Das lasse ich nicht mit mir machen. Ich bleibe ich. Ich gebe alle Liebe, die ich habe, aber ich werde jetzt nicht zu so einem Papa-Papa.

Käseschmiere, Spritzstuhl, RüBi, PEKiP: Sagen Ihnen diese Begriffe etwas?

Ja. Ich werde niemals zu so einem PEKiP-Kurs gehen, aber wahrscheinlich mache ich unwissend die ganze Zeit PEKiP, weil ich dauernd mit meiner Tochter tanze und singe und sie streichle, und ich denke mal, viel anders wird PEKiP auch nicht sein. Dass ich mit zum Geburtsvorbereitungskurs gegangen bin, war rückblickend ein Segen, weil unsere Tochter am Ende mit der Saugglocke kam. Mir hätte das Herz stillgestanden, wenn ich so ein Teil nicht vorher schon einmal gesehen hätte. Das Ding sieht aus wie ein überdimensionaler Badewannenstöpsel von 1950 an so einer verrosteten Baumarkt-Eisenkette. Das schieben die dann da rein und ziehen. Hätte man mir das Ding nicht schon vorher gezeigt, hätte ich wahrscheinlich alle anwesenden Ärzte verprügelt.

Als Marlon, der 1969 geborene Sohn des Rolling-Stones-Gitarristen Keith Richards, sein erstes Wort sprach, sagte er: „Room Service.“ Kann aus dem Jungen etwas geworden sein?

Und ob! Das ist ein richtig toller Typ geworden. Ich habe die nicht wirklich unterhaltsame Autobiografie von Keith Richards gelesen. Da erfährt man, dass Marlon im Alter von acht bis elf immer mit seinem Vater auf Tour gefahren ist und dessen Management übernommen hat. Wer etwas von Keith wollte, musste zu ihm kommen, weil der Vater meist auf Heroin pennte. Marlon hat dann die Dinge geregelt. Das hat ihn selbstbewusst gemacht und verhindert, dass aus ihm ein abgehobenes Arschloch geworden ist. Meine Mutter war kein verdrogter Rockstar, aber sie hat mich auch zu dieser krassen Selbstständigkeit erzogen.

Charlie Chaplin sagte über die Weihnachtsfeste seiner Kindheit: „Ich bekam als Kind nur eine Orange – in guten Jahren.“ Wie begegnen Sie bei der Erziehung Ihrer Tochter dem Mangel an Mangel?

Ich habe viel zu oft gesehen, was es mit Menschen veranstaltet, wenn sie alles bekommen, was sie wollen. Das geht immer nach hinten los. In Eppendorf gab es viele Jungs, deren Zimmer du mit dem Gefühl betreten hast: Alter, was ist denn das hier! Die hatten das Playmobil-Piratenboot dreimal. Heute geht es denen allen nicht gut. Sie haben Mist gebaut oder Alkoholprobleme. Fast alle hatten Eltern mit viel Geld und einem schlechten Gewissen. Diese Kombi ist so gefährlich wie ein Speedball. Auch wenn mich meine Tochter hasst, wenn ich nein sage, in 20 Jahren wird sie es mir danken. So war es mit mir und meiner Mutter auch. Das hat meinen Ehrgeiz getriggert und dafür gesorgt, dass ich mir mit acht, neun Jahren ständig den Kopf darüber zermartert habe, wie ich viel Geld verdienen kann, um mir einen Basketball oder eine Udo-Platte zu kaufen. Mein Business war dann, Zeitungen und Blumen auszutragen.

In den ersten Monaten nach der Geburt Ihrer Tochter sind Sie zwischen Hamburg und Berlin gependelt. Helfen getrennte Wohnungen gegen das gemeinsame Einschrumpeln von Paaren?

Das unterschreibe ich voll. Zu viel Nähe nimmt der Liebe das Geheimnis, das sie spannend macht. Wir schrumpeln halt nicht ein, weil ich viel unterwegs bin. Dadurch bleibt alles schön mobil. Meine Freundin kann zu ihren Eltern nach Berlin fahren oder zu meinen Eltern aufs Land. Erst wenn Kita und Schule losgehen, ist es richtig festgeschraubt. In fünf Jahren ist Schluss mit lustig.

Schließen sich romantische Liebe und Kinderhaben aus?

Ich kann nur von den ersten Monaten sprechen, und da lautet die Antwort: definitiv ja. Ein Baby ist ein 24-Stunden-Job ohne Break, da ist für romantische Liebe kein Platz. Das ist auch vollkommen egal, weil es im Moment noch nur um diesen kleinen Menschen geht. Ihn kann man romantisch lieben, und man kann sich selber romantisch lieben. Aber romantische Liebe als Paar? Nein.

Ernest Hemingway schrieb 1925 an seinen Schriftstellerfreund F. Scott Fitzgerald: „Für mich wäre der Himmel zwei Häuser in der Stadt; eines, wo ich meine Frau und Kinder hätte und monogam lebte und sie sehr aufrichtig lieben würde, und ein anderes, wo ich auf neun verschiedenen Etagen meine neun schönen Mätressen halten würde.“

Ich glaube nicht, dass man in dem einen Haus jemanden aufrichtig lieben kann, wenn man in dem anderen Haus neun Mätressen hat. Für Väter ist es aber schon geil, wenn sie einen Ort haben, wo sie sein können, wie sie vorher waren, wo sie kiffen und saufen können und nicht aufpassen müssen, etwas Gefährliches rumliegen zu lassen. Auf einmal wird einem klar, was dem deutschen Papa früher der Hobbykeller bedeutet hat. Oder nehmen Sie den Herrenclub im England des 19. Jahrhunderts. Das war ein Fluchtpunkt, in den man sich vor diesem Familiending zurückziehen konnte. Es ist toll, so einen Ort zu haben. Ich habe ein Studio.

Sie sagten kürzlich: „Obwohl ich ein linker Öko bin, stecke ich meine Tochter lieber in die siffigste Kita, statt in so eine bescheuerte Bildungsbürger-Besserverdiener-Öko-Tagesstätte.“ Erklären Sie uns, warum.

Ich möchte von der Kita-Leitung nicht mit spitzer Stimme gefragt werden, wie ich denn meine Elternrolle sehe, und wie ich mich einbringen will für die Kinder. Wenn ich das höre, kriege ich die Krise und denke, dass ich meine Tochter lieber in einer zweisprachigen türkischen Kita in Ottensen oder am Osdorfer Born sehen würde, ohne Baby-Yoga, glutenfreies Essen und lactosefreien Nachtisch. Mir sind Leute zuwider, die im Porsche Cayenne vorm Bio-Supermarkt vorfahren, um sich Äpfel aus Chile zu kaufen. Diese Bio-Eltern, die sagen: „Der Lukas-Ephraim darf keinen Weizen essen“, züchten eine Generation von Weicheiern heran, die nichts gebacken kriegen. Meine Tochter soll Weizen essen dürfen. Ich wünsche ihr keine aseptische, problemfreie Kindheit ohne aufgeschlagene Knie.

Waren Sie ein Kindergartenkind?

Ich war in einem linken Öko-Kinderladen, wo mit der Kacke an die Wand geschmiert wurde. In meiner Kindheit gab es in Eppendorf kaum Ausländer oder Sozialhilfeempfänger, aber ich habe es irgendwie immer geschafft, die zwei Türken und die drei Sozialhilfeempfänger zu finden, und das wurden dann meine besten Freunde. Ich will, dass meine Tochter auch solche Menschen kennenlernt. Wenn ich in teuren Hotels übernachte, erlebe ich Fünfjährige, die ihre Mutter fragen: „Wann wird denn unser Gepäck abgeholt?“ Dann denke ich: Alter, trag deinen Koffer alleine! Mir hat der Siff und das Abgefuckte sehr viel gebracht, und diese Erfahrungen will ich meiner Tochter vermitteln. Sie soll sehen, wie es laufen kann, wenn man ohne Privilegien aufwächst.

Können Sie, seitdem Sie ein Kind haben, die Meinungen von Kinderlosen ernst nehmen?

Ja, und ich will mich nur mit Leuten unterhalten, die keine Kinder haben und die vor allem nicht über Kinder reden – das ist nämlich das Schrecklichste! Wenn ich mal aus dem Kinderding raus bin, will ich nicht schon wieder über Kinder reden müssen. Das Schlimmste ist, in dieses Ding zu verfallen, dass man nur noch mit Pärchen chillt, die auch Kinder haben, und dann Windeln tauscht und über Problemchen mit dem Bäuerchen redet. Das ist doch scheiße. Man muss seine Freizeit mit Leuten verbringen, die keine Kinder haben, damit man Input kriegt und über Dinge redet, über die man sonst nicht mehr redet. Ich glaube, dass viele Eltern unglücklich werden, weil sie sich in diesen Kindersog reinreißen lassen. Kinder sollen kindisch sein, nicht wir Erwachsenen.

Tritt mit der Geburt eines Kindes die Sorge ins Leben, und das Glück bekommt einen schwarzen Rahmen?

Es war meine größte Angst, dass das so ist, und es ist meine größte Freude, dass es nicht so gekommen ist. Ich habe meine Tochter zwei Monate nach ihrer Geburt zum ersten Mal verlassen, um als Jan Delay aufzutreten. Meine Panik war: Was ist, wenn ich auf einmal nicht mehr Jan Delay bin? Was, wenn ich nur noch daran denke, ob beim Zwerg zu Hause auch alles gut ist? Nichts! Ich konnte Jan Delay sein wie immer und habe keine Sekunde an meine Tochter gedacht. Das Thema war mir zwei Stunden lang scheißegal – und das ist das Beste.

Beim Sterben schreien Männer nach ihren Müttern. Ist es in Zeiten zunehmend präsenter Väter vorstellbar, dass eines Tages ein sterbender Mann „Papi!“ schreien wird?

Luke Skywalker vielleicht. Ansonsten sind Jungs Mama-Kinder und Töchter Papa-Kinder. Natürlich strahlt meine Tochter auch, wenn meine Freundin in den Raum kommt. Aber ich meine mir einzubilden, mich strahlt sie noch viel mehr an.