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Aus für Hotpants und Co.: Warum eine Hamburger Schule mit ihrem Dresscode für Diskussionen sorgt

Hotpants, bauchfreie Tops und zu lange Boxershorts sind jetzt an einer Hamburger Schule tabu. Mit ihrem neuen Dresscode folgt sie dem Beispiel katholischer Schulen - und sorgt für Diskussionen.

Zwei Frauen mit bauchfreien Tops vor einer Schule (Symbolbild)

Dank neuer Kleiderordnung ab sofort an einer Hamburger Schule tabu: bauchfreie Tops (Symbolbild)

"Die Domschule St. Marien ist ein Ort des Lernens und erfordert so von allen Beteiligten (...) eine angemessene Kleidung. Diese Kleidung unterscheidet sich deutlich von der Freizeitkleidung, weil sie dezent ist und Schultern, Dekolleté, Bauch und Po bedeckt", so steht es in der Haus- und Schulordnung der Domschule St. Marien im Hamburger Stadtteil St. Georg. 

Die Bildungseinrichtung in der Nähe des Hauptbahnhofes wird von der katholischen Kirche getragen, als eine von insgesamt 21 Schulen des Erzbistums Hamburg. Neben der Domschule haben viele von ihnen solche oder ähnliche Absätze in ihre Hausordnungen aufgenommen.

Dresscodes bisher vor allem an katholischen Schulen

Was bei kirchlichen Schulen schon längere Zeit gang und gäbe ist, hält jetzt auch Einzug in staatliche Schulen. Wie zunächst das "Hamburger Abendblatt" berichtete, erließ nun nach der "Gelehrtenschule des Johanneums" auch das Gymnasium Eppendorf eine entsprechende Kleiderordnung. In der Schulordnung heißt es jetzt unter anderem: "Auch bei sommerlichen Temperaturen ist auf zu freizügige Kleidung zu verzichten. Darunter verstehen wir z.B. übertiefe Dekolletés, bauchfreie Shirts, pofreie Shorts, zu kurze Röcke etc." Es gehe um eine der "Institution Schule und der Atmosphäre des Lernens und Lehrens angemessene Kleidung", heißt es weiter. 

Eltern würden oftmals nicht auf die korrekte Kleidung ihrer Kinder achten, begründete Schulleiterin Maike Languth den neuen Klamottenkodex im Gespräch mit der Zeitung. Es habe gehäufte Fälle "von eindeutig eher für den Strand geeigneten Outfits" gegeben.

Dass eine Schule überhaupt bauchfreie Tops, Hotpants und Co. mittels Hausordnung verbieten kann, ermöglicht das Hamburger Schulgesetz. Dort sagt der Paragraph 31 klipp und klar: "Die Schule legt in der Hausordnung Näheres über die Rechte und Pflichten der Schülerinnen und Schüler (...) fest." Über diese Ordnung muss die Schulkonferenz, bestehend aus Vertretern der Schulleitung, der Lehrer, der Schüler und der Eltern, entscheiden.

Auch wenn der Kleiderkodex am Gymnasium damit auf einem Konsens der Beteiligten beruht, löste er dennoch Diskussionen aus: Sie sehe überhaupt nicht ein, "wozu wir so eine Verordnung brauchen", zitiert die Zeitung eine 15-jährige Schülerin.

Kleiderordnung an der Schule sorgt für Diskussionen

Unterstützung für Dresscodes an gibt es von der Pädagogengewerkschaft "Verband Bildung und Erziehung". Deren Vorstandsmitglied Gerhard Brand erklärte in der Vergangenheit mehrfach - auch im stern - zu dem Thema: "Es ist wirklich ein Problem, dass Schüler häufig in provokanter Kleidung in der Schule auftauchen." Die Schulgemeinschaft sollte gemeinsam formulieren, welche Kleidungsstücke nicht gern gesehen seien. Am besten fruchte seiner Erfahrung nach aber das persönliche Gespräch, in dem man an die Vernunft des Schülers appelliere, denn Verbote könnten vor Gerichten möglicherweise keinen Bestand haben.

Es ist und bleibt offenbar Geschmackssache, ob es an Schulen eine Kleiderordnung geben sollte - zumindest ist aber es ein Thema, das polarisiert. Auch in den sozialen Netzwerken diskutieren Nutzer fleißig über das Für und Wider eines :

Für die Gymnasiasten in Hamburg-Eppendorf ist die Entscheidung gefallen. Sie müssen in Zukunft im Unterricht auf bauchfreie Shirts, allzu knappe Hosen, aber auch auf Schirmmützen, tiefe Ausschnitte und "lange Boxershorts", die unter kurzen Hosenbeinen hervorschauen, verzichten.

Angemessene Alternativen können die Schülerinnen und Schüler im Schulshop erwerben: Dort gibt es zum Beispiel Schul-T-Shirts für 20 Euro.