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Noch Fragen?

Frage Nummer 3000104746 Gast

Steuerklasse

Warum hab ich als alleinerziehende Mama, 5 Kinder, Steuerklasse 2 und fast genauso viel Abzüge wie steuerklasse 1. ? Obwohl die Aufwendungen und alles mehrfach höher sind wie ein Alleinstehender?
Antworten (27)
Skorti
Bei einem Steuerpflichtigen der Steuerklasse 1 kommt es bei einem Einkommen von 3.000,00 Euro zu ca. 1.100,00 Euro Abzügen davon ca. 600,00 Euro Sozialversicherung.
Somit zahlt der ca. 500,00 Euro Steuern.

Wenn du den gleichen Betrag verdienst, dann zahlst du dieselben Sozialabgaben, aber nur ungefähr 400,00 Euro Steuern.
Die Steuerlast reduziert sich also um 20%. Dazu kommt noch Kindergeld, bei 5 Kindern ca. 850,00 Euro, somit stehst du um 950,00 Euro besser da, als der mit Steuerklasse I.
Martina
Ergänzung:
Dazu kommt Unterhaltszahlung oder evtl. Waisenrente
ing793
Der Unterschied zwischen Klasse I und Klasse II liegt meines Wissens lediglich in einem zusätzlichen Freibetrag von ca. 1900€ für das erste und 240€ für jedes weitere Kind, hier also round about 2850€/Jahr oder knapp 240€/Monat.
Je nach Einkommen und Grenzsteuersatz zahlst Du also in II 50-100€ weniger Steuern.
Betrachtet man die Gesamtabzüge, die in der Regel ein Mehrfaches dieses Betrages ausmachen, bringt einen das nicht wirklich weiter.

Warum das so ist? Nun, der Gesetzgeber fördert die Ehe, nicht die Familie, und eine Ehe kannst Du eben nicht mehr vorweisen.

Die einzige der "größeren" Parteien, die das ändern wollen, sind übrigens meines Wissens die Grünen (das galt jetzt nicht Dir, die Stammleser werden wissen, wer gemeint ist ...)
Graf_Mucki
Eine Reform der Steuerklassen ist dringend notwendig. Es müsste eine Familiensteuerklasse geben.
So wie es jetzt ist, hinken die Regelungen den Realitäten hinterher.
dschinn
Noch nicht lange her, da gab es nur zwei Steuerklassen...
die Herrscher... und das Volk..

Die Herrscher zahlten nix...
das Volk zahlte den Zehntel Teil...

Ein Zehntel, das wäre akzeptabel für mich.
Alles mehr ist Raubrittertum.
Dorfdepp
Für den Zehnten bekam das Volk keine nennenswerte Gegenleistung, den haben die Herrscher verfressen und versoffen.

Für unsere fünf Zehntel bekommen wir wenigstens ein Minimum an staatlicher Infrastruktur.
Puzzone
Das müsste mal einer berechnen.
Bei angenommener steuerehrlichkeit aller Personen, Firmen und Konzerne.
Bei Wegfall aller legaler Schlupflöcher, wie hoch die Steuersätze dann wären.
elfigy
Friedrich Schneider von der Universität Linz forscht europaweit im Bereich Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung.
Er schätzt 50 Mia durch Offshorefirmen, ca. 30 Mia durch Schwarzarbeit, ca. 12 Mia durch Einzelpersonen. Das allein sind schon ca. 25% des Bundeshaushaltes in D.
Dazu kämen dann noch die legalen Verkürzungen.
Ich muss mal suchen, vielleicht finde ich noch einen Gesamtüberblick .
elfigy
Das waren die Zahlen nur für D.
Dorfdepp
Bei praktizierter Steuerehrlichkeit würden zwar die Einnahmen des Staates steigen, die Belastungen durch Steuern und Abgaben würden aber nicht sinken. Dazu gibt es zu viele Leute, die die Mehreinnahmen umverteilen wollen.

Willkommen auf unserem real existierenden Planeten.
elfigy
Das glaube ich nicht. Die Mehreinnahmen wären so hoch, keine Partei könnte den Bürgern vermitteln, dass die Steuern nicht gesenkt werden können.
elfigy
Irgendwie habe ich den Eindruck, dir gefällt der Sozialstaat nicht. Wo würdest du denn sparen wollen? Interessiert mich mal.
Dorfdepp
Im Moment hat der Staat sehr hohe Steuereinnahmen, senkt diese aber nicht.

Vernünftig wäre, mit den Mehreinnahmen die Staatsschulden abzubauen, das würde die zukünftigen Belastungen der jungen Generation mindern.

Statt dessen wird aufgrund der aktuellen Finanzsituation für die Zukunft geplant, die hauen die Kohle raus, als gäbe es kein morgen.

Ich will nicht am Sozialstaat sparen, der hat schon Spitzenniveau, sondern das Geld vernünftig einsetzen.
bh_hubsi
Ich möchte nicht an den Leuten sparen die wirklich (auch dauerhaft) Hilfe benötigen, aber ich würde mir sparen Leute zu unterstützen, die sich obwohl sie könnten, nicht ernsthaft bemühen ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten!

Wir haben in den Sozialsystemen zu viele Leute die keinen Beitrag leisten, geleistet haben oder jemals leisten werden!
Wenn die Sozialsysteme zur sozialen Hängematte werden, dann ist für wirkliche Hilfe und Hilfsbedürfdige nichts mehr da.

Matthew
Aufgrund der Sparmaßnahmen der letzten Jahre gibt es allerdings auch einigen Nachholbedarf:
  • Marode Schulen und Unis.
  • Grundlagenforschung stark zurückgefahren.
  • Marode Straßen.
  • Fehlende Radwege oder ebenfalls in katastrophalem Zustand.
  • Polizei soweit abgebaut, dass vielfach nur noch "das Allerwichtigste" bearbeitet wird und viel liegen bleibt.
  • Gerichte soweit abgebaut, dass sich Verfahren endlos in die Länge ziehen
  • Und, und, und ...

Sicherlich sind da auch eine Reihe von Fehlentscheidungen bei, wo Geld tatsächlich sinnlos rausgehauen wird. Das lässt sich aber nicht verallgemeinern.

In der Hauseigentümer-Gemeinschaft, in der ich wohne, haben wir auch gemeinsame Ausgaben. Da muss man nicht rumjammern. Das ist so, und das ist auch in Ordnung so. Für das Geld gibt es schließlich eine Gegenleistung.
Man muss nicht mit allem einverstanden sein, dafür gibt es dempkratische Prozesse, um das auszuregeln. Un wenn man dort keine ausreichenden Mehrheiten findet, kann wird man damit leben müssen.

Mann/Frau oder Memme?

In Deutschland wird, wenn es um Steuern geht, immer rumgeheult. Wenn ich Freunde in Skandianavien besuche, dann ist man dort stolz: "Seid Ihr über die xy-Brücke gefahren? Ist nicht die nicht toll? Das ist unsere Brücke! Die wurde von unseren Steuergeldern bezahlt!

Und wer in Deutschland 50% Steuern zahlen muss, den müsst Ihr mir mal zeigen.
Ein großer Teil der Abzüge sind Rente, Krankenversicherung ...
Matthew
Der Schulden-Abbau, wie andererseits schon erwähnt, natürlich nicht zu vergessen.

@hubsi: Meinst Du die Steuerhinterzieher?
bh_hubsi
nicht in erster Linie.
Steuerhinterziehung ist nicht ok!
Wo würde ich am Sozialstaat sparen wollen?

Ich habe die Leute gemeint die sich vom Staat (und unseren Steuern und Sozialbeiträgen) dauerhaft ihren Lebensunterhalt bezahlen lassen.

Sozialmissbrauch ist auch nicht das richtige Wort aber mir fehlt mehr Druck vom Sozialstaat die Motivation zu erhöhen überhaupt einer Arbeit nachzugehen.

Beispiel:
Spedition sucht Lagerarbeiter.
Ungelernte Kraft (jung, gesund, kräftig )kommt zum Bewerbungsgespräch und verlangt 2000 Euro Netto.
Chef fragt warum? Bewerber sagt: Er hat 1600 netto (Harz 4 mit Frau und Kindern) und muss nichts dafür tun.
Er will, wenn er schon arbeitet mindestens 400 Euro mehr.
Chefe sagt: Das ist das Gehalt von einem langjährigen Facharbeiter.
Bewerber sagt. Tschüß


Skorti
@Dorfdepp,

was meinst du denn, wofür die Überschüsse der letzten Jahre verwendet wurden. Die flossen größtenteils in den Schuldenabbau.
Einiges mag in einem Nachtragshaushalt verwendet worden sein, der größte Teil der Steuerüberschüsse ging in die Schuldentilgung.
"Die Kohle raushauen" ist unter Schäuble und wird auch unter Scholz nicht geschehen.
elfigy
Hubsi, es gab immer einen gewissen Teil der Bevölkerung, der sich in der sozialen Hängematte wohlfühlt. Was soll man denn mit denen machen? Wenn man die nicht versorgt, werden sie kriminell. Außerdem können deren Kinder nix dafür. Da kann das Ziel nur sein, den Kindern aus diesem Kreislauf heraus zu helfen.
Zu Deinem Beispiel. Es ist dringend notwendig, dass die Löhne soweit steigen, dass jeder, der Vollzeit arbeitet, seinen Lebensunterhalt inclusive wohnkosten selbst bestreiten kann. Der Mann in deinem Beispiel bekäme ja die fehlenden 400 Euro mit dem Kindergeld. Aber das reicht immer noch nicht für die Miete.
Der Facharbeiter mit 2000 netto plus Kindergeld ist, wenn er seine Miete gezahlt hat, auch auf Hartz Niveau.
Im Endeffekt sieht es so aus, der LohnSteuerzahler zahlt den Arbeitnehmern den fehlenden Arbeitslohn mit den Sozialleistungen, damit die Unternehmen höhere Gewinne haben, die sie dann vor der Steuer in Sicherheit bringen.
Ich weiß, ich habe jetzt alles verallgemeinert, es gibt auch auskömmliche Löhne und steuerzahlende unternehmen.
Aber für die prekären Arbeisverhältnisse läuft es oft so.
elfigy
Ich frage mich auch, wie der Druck aussehen soll, wenn Hartz das Existenzminimum ist.
bh_hubsi
Aha, ich muß also nur sagen: Geld her (Harz4 ) oder ich werde kriminell.
Ich würde wirklich nichts mehr zahlen, wenn die Leute arbeiten können und offensichtlich nicht wollen.
Was sollen die Kinder denn von solchen Eltern lernen, die landen doch auf diesem Weg auch in Harz 4.

Aber anscheinend ist es einfacher für die Politik den Spitzensteuerstaz zu erhöhen und eine Neidsteuer (ups .. Reichensteuer oder Vermögenssteuer) zu fordern, wie der Stegner es macht.
bh_hubsi
... um den Sozialstaat am laufen zu halten.

Für mich ist das kein Sozialstaat mehr sondern ein Wohltätigkeitsstaat (aber nur wenn du nicht zu den Leitungsträgern gehörst, die werden nämlich unerbittlich gemolken).
Matthew
Jetzt kriege ich das Bild nicht mehr aus dem Kopf: Ein Leitungsträger, eine Rolle Kupferkabel über der Schulter und mit einem Euter.

Und eine Bäuerin auf einem Melkschemel davor.

Also neidisch scheinst hier erst einmal Du zu sein.
Das mit dem Vorbild für die Kinder ist natürlich schon richtig. Wird aber nicht besser, wenn man die Eltern zwiebelt, weil deren Einstellung (die sie an die Kinder weiter geben) wird dadurch auch nicht besser.
bh_hubsi
Also des mit dem Leitungsträger sollte Leistungsträger werden.
Das Bild im deinem Kopf mit dem Kupferkabel, na ja wird wohl mit der Zeit vergehen.

Neidisch fühle ich mich nicht sondern ausgenutzt.
Beispiel:
Ich trete derzeit mal etwas kürzer und habe Brutto nur 62,5% vom Jahreseinkommen 2017.
Netto bekommen ich nun 88% vom 2017er Einkommen!

Für mich lohnt sich die erhebliche Freizeit und ich persönlich habe etwas weniger Netto

Sozialabgaben und Steuern zahle ich aber jetzt erheblich weniger!



elfigy
Deine Rente wird auch weniger.
Aber beschwere dich dann nicht.
bh_hubsi
ne wird sie nicht.
Ich liege noch über der Grenze und zahle voll Rentenbeiträge
Puzzone
Wenn du noch über der Grenze liegst, haben sich deine Sozialabgaben aber nicht geändert.