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Fahrgast-Ansturm "Das 9-Euro-Ticket macht krank" – Gewerkschaften erschüttert über Zustand der Deutschen Bahn

Bahnfahrer drängen sich am Eingang eines Regionalzuges am Deuter Bahnhof in Köln
Durch das 9-Euro-Ticket sind die Züge der Deutsche Bahn dauerhaft ausgelastet 
© Roberto Pfeil / DPA
Der Fahrgast-Ansturm seit Verkaufsstart des 9-Euro-Tickets hat nicht nur zu einem Reisechaos geführt, sondern auch zahlreiche Mängel und Probleme der Bahn offengelegt.

Kurz nach dem Verkaufsstart des 9-Euro-Tickets zeigte das Pfingstwochenende, welch enormes Chaos der Andrang auf die Regionalzüge auslösen würde. Der Ansturm ist nicht abgerissen. Überfüllte Züge, Verspätungen und Personalausfall sind mittlerweile an der Tagesordnung.

Schäden durch starke Nutzung des 9-Euro-Tickets

Die beiden Gewerkschaften EVG und GDL zeigen sich äußerst besorgt über die Situation der Deutschen Bahn. "Ich habe solche Zustände wie in diesem Sommer noch nie erlebt", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, der "Welt am Sonntag". "Ich habe bei einem Zug von Rostock nach Hamburg gesehen, wie Menschen buchstäblich aus dem Zug gefallen sind, als die Türen geöffnet wurden", berichtete er.

Der Fahrgast-Ansturm auf den Nahverkehr seit Anfang Juni führe zu starken Abnutzungserscheinungen. "Wir stellen schon sehr frühzeitig Schäden durch die starke Nutzung des 9-Euro-Tickets fest: Aufzüge sind defekt, Toiletten in Zügen funktionieren nicht mehr, es wird einfach alles sehr stark belastet", sagte Burkert. "Viele Kolleginnen und Kollegen sind bereits an der Belastungsgrenze." Die Krankenstände stiegen. "Wir merken: Das 9-Euro-Ticket macht krank."

Bahnchef: "Ich leide wie ein Hund"

Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, sprach von einem Chaos in diesem Sommer, wie er es noch nie erlebt habe bei der Bahn. "Das ist der absolute Super-Gau", sagte er der Zeitung. Der Zustand des Staatskonzerns sei "durch jahrelanges Kaputtsparen katastrophal". Er plädierte erneut dafür, zumindest innerhalb des Konzerns Netz und Betrieb klar zu trennen.

Dem bundeseigenen Konzern machen erhebliche Probleme im Betrieb zu schaffen – für Fahrgäste führt das zu vielen Verspätungen. Im Juni kamen nach Unternehmensangaben nur noch 58 Prozent der Fernzüge pünktlich ans Ziel, im Regionalverkehr 88,5 Prozent der Züge. Die Bahn versuche auf einem überlasteten Schienennetz so viele Menschen wie möglich mit zusätzlichen Zügen zu transportieren, hatte Bahnchef Richard Lutz Ende Juni erläutert und mit Blick auf Verspätungen gesagt: "Glauben sie mir: Ich leide wie ein Hund."

Um einen verlässlicheren Betrieb und weniger Baustellen-Störungen zu erreichen, haben die Bahn und Bundesverkehrsminister Volker Wissing eine "Generalsanierung" der wichtigsten Strecken ab 2024 angekündigt. "Ich erwarte, dass wir in Zukunft wieder die Uhr nach der Bahn stellen können", sagte der FDP-Politiker, der die Netzsanierung zur "Chefsache" erklärte.

lhi DPA

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