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Anti-asiatischer Rassismus nimmt zu "#StopAsianHate": Das steckt hinter der Protestbewegung

Asian Lives Matter
Am 27. März, dem "#StopAsianHate"-Aktionstag, demonstrierten die Menschen in Kalifornien gegen Gewalt gegen Asiaten.
© Mario Tama / Getty Images / AFP
Seit fast einem Jahr ist der Hashtag "Black Lives Matter" in aller Munde. Doch auch Menschen mit asiatischem Background werden immer häufiger Opfer von Gewaltattacken und Diskriminierung. Mit dem Hashtag "#StopAsianHate" und einem Aktionstag machen Betroffene auf ihre Situation aufmerksam.

Spätestens seit die Bewegung "Black Lives Matter" im vergangenen Jahr durch die Ermordung des Afroamerikaners George Floyd präsent wurde, stehen Debatten um Rassismus und den richtigen Umgang mit Menschen wieder vermehrt im Mittelpunkt. Konkret geht es dabei meist um Menschen, deren Hautfarbe nicht weiß ist und deren ethnischer Hintergrund in den afrikanischen Kontinent reicht. Doch mit Vorurteilen und Rassismus haben nicht nur People of Color (PoC) zu kämpfen.

Das jüngste Attentat auf einen Massagesalon in Atlanta legt mindestens nahe, dass auch anti-asiatische Ressentiments in der Gesellschaft weiter wachsen. Sechs asiatische Frauen kamen bei dem Attentat in den Vereinigten Staaten ums Leben, als Motiv gab der Täter Sexsucht an – von Rassismus war nicht die Rede. Doch Zahlen des kalifornischen Center for the Study of Hate and Extremism – das vorläufige Polizeidaten über Hass- und Gewalttaten ausgewertet hat – belegen, dass Hassverbrechen gegen asiatische Bürger und Communities in den USA seit 2016 deutlich zunehmen.

"Chinesisches Virus" und "Kung Flu": Corona befeuert Ressentiments

Insbesondere der Ausbruch der Corona-Pandemie im chinesischen Wuhan befeuert die Übergriffe. Der Studie zufolge stieg die Zahl der anti-asiatischen Übergriffe seit März 2020 um knapp 150 Prozent. Besonders hoch und stark gestiegen sind die Übergriffe in New York, Los Angeles und Boston. Zudem zählt der "Stop AAPI Hate National Report" seit Beginn der Pandemie in den USA bis Ende Februar diesen Jahres mehr als 3700 Fälle anti-asiatischer Angriffe. An vorderster Stelle stehen demnach verbale Attacken (68 Prozent), Meidung asiatischer Bürger (20 Prozent) und körperliche Übergriffe (11 Prozent). Auch am Arbeitsplatz oder in sozialen Netzwerken werden asiatische US-Bürger diskriminiert. Wie die Studie zudem ergab, gibt es Unterschiede zwischen den Betroffenen. Chinesisch-stämmige US-Bürger sind demnach am häufigsten betroffen, gefolgt von Koreanern und Vietnamesen.

Zwar ist der anti-asiatische Rassismus nicht neu, wohl aber – auch das belegen die Zahlen – der rasante Anstieg im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Forscher der University of Michigan haben untersucht, wie anti-asiatische Sprache von Demokraten und Republikanern auf Twitter genutzt und verbreitet wird. Ergebnis: In 37 Prozent der untersuchten Tweets wurde China für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht. Tweets mit stigmatisierender Rhetorik wurden eine Million Mal retweetet und und fast viermal so oft geliked. Auch Ex-Präsident Donald Trump mischte mit, indem er das Coronavirus mehrfach als "China-Virus" oder "Kung Flu" bezeichnete. Ihm wird deshalb vorgeworfen, anti-asiatische Angriffe und Ressentiments absichtlich geschürt zu haben. Der neue Präsident Joe Biden unterschrieb deshalb direkt zu Beginn seiner Amtszeit eine Absichtserklärung, um den Rassismus zu bekämpfen.

Anti-asiatischer Rassismus auch in Deutschland

Auch hierzulande sind Bürger mit asiatischem Background von Rassismus betroffen. Unter dem Hashtag "#IchBinKeinVirus" berichten sie von ihren Erfahrungen: Asiaten werden öffentlich als "Viren-Träger" beschimpft, Gäste bleiben asiatischen Restaurants fern und Fußgänger wechseln die Straßenseite.

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Auch in der Vergangenheit kam es immer wieder zu Vorfällen. In den 1930er-Jahren wurden Chinesen von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben. Anfang der 1990er-Jahre wurden Sammelunterkünfte im sächsischen Hoyerswerda und in Rostock zum Ziel ausländerfeindlicher und rechtsextremer Übergriffe. Bis heute halten sich Stereotype gegenüber asiatischer Restaurant- und Massagebetreiber hartnäckig.

Nationaltag und Hashtag gegen "Asian Hate"

Es regt sich Protest: Vergangenes Wochenende gingen Tausende in den Vereinigten Staaten auf die Straßen, um gegen anti-asiatischen Rassismus und Übergriffe zu demonstrieren. Initiator der Demonstration war die Gruppe "Stand with Asians", die sich als Lobbygruppe versteht, um Politiker auf die Situation vieler asiatischer Bürger in den USA aufmerksam zu machen. Den 26. März erklärten die Initiatoren jüngst zum Aktionstag ("Day of Action"). Er erinnert an die Unterzeichnung des "Naturalization Act of 1790", nach dem Asiaten bis 1952 nicht als US-Bürger anerkannt waren.

Neben den öffentlichen Protesten, die in Städten wie Philadelphia, aber auch im kanadischen Vancouver stattfanden, rief die Gruppe zudem dazu auf, ihre Solidarität mit den asiatischen Communities unter den Hashtags "#StopAsianHate", "#StandWithAsians" und "#StopAAPIHate" zu bekunden. 

Links sitzt eine blonde Frau in einem Friseurstuhl. Rechts hält die Friseurin mit dunklen Locken der Kundin die Tür auf

Prominente unterstützen Kampagne

Die Hashtags nutzte auch die erfolgreiche südkoreanische Boyband BTS. Auf Twitter hat sie sich jetzt offen gegen Rassismus gegenüber asiatisch-stämmigen Menschen ausgesprochen. "Was gerade geschieht, ist nicht von unserer Identität als Asiaten zu trennen", schreibt die Band in einem Beitrag auf Twitter, den sie in Koreanisch und Englisch veröffentlichte. Damit beziehen sie sich offensichtlich auf den Vorfall in und um Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

Die Band berichtet auch von ihren eigenen Rassismus-Erfahrungen: "Wir erinnern uns an Momente, in denen wir als Asiaten diskriminiert wurden. Wir haben Schimpfwörter ohne Grund ertragen und wurden für unser Aussehen verspottet. Wir wurden sogar gefragt, warum Asiaten auf Englisch sprechen." Ihre Erfahrungen seien aber unbedeutend im Vergleich zu den Ereignissen der letzten Wochen. "Du, ich und wir alle haben das Recht, respektiert zu werden", schlossen sie ihren Appell unter dem Hashtag "#StopAsianHate".

Quellen:  NBS News, CBS News, Deutsche Welle, DPA

cl

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