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"Tal der Wölfe": "Vorrang für Meinungsfreiheit"

Absetzen oder ansehen? Der türkische Actionfilm "Tal der Wölfe" entfacht eine Debatte über Meinungsfreiheit und Zensur. Die Bundesregierung versucht, die erhitzten Gemüter zu beruhigen.

Über den türkischen Polit-Actionfilm "Tal der Wölfe" ist in Deutschland politischer Streit entbrannt. Das Deutsch-Türkische Forum der CDU und der Grünen-Politiker Christian Ströbele sprachen sich gegen die von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) geforderte Absetzung des Films aus. "Wir bewegen uns schrittweise auf einen Kampf der Kulturen zu, das ist gefährlich", sagte der Vorsitzende des CDU-Forums, Bülent Arslan, dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Bundesregierung begrüßte die Debatte über die Resonanz des Films "Im Tal der Wölfe". Es sei gut, dass darüber gesprochen werde, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Er verwies darauf, dass nicht nur in der Türkei, sondern auch in anderen Ländern über die Aussagen in dem Film diskutiert werde.

Kein Anlass für Maßnahmen

Der Film habe zwar keinen guten Einfluss auf türkische Jugendliche in Deutschland. Aber auch viele Hollywood-Filme arbeiteten mit platten Feindbildern, sagte Arslan. "Auch in diesem Fall hat Meinungsfreiheit Vorrang. Es hilft überhaupt nicht, den Film zu verurteilen oder jene, die ihn sich ansehen." Ströbele sagte dem Blatt: "Das mag ein unerfreulicher Film sein. Aber für irgendwelche Maßnahmen sehe ich überhaupt keinen Anlass." Der Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU) sagte, es sei die Verantwortung von Kinobetreibern, die Verbreitung von Feindbildern nicht zu akzeptieren.

Unterdessen schauten sich am Wochenende erneut über 66.600 Zuschauer den am 9. Februar gestarteten Film an. Damit ist die Die Zahl der Zuschauer auf mehr rund 260.600 gestiegen. In dem Film nimmt ein türkischer "Rambo" Rache an der Verschleppung türkischer Soldaten durch US-Elitetruppen im Nordirak.

"Fantastischer Film"

Der Film wird in Deutschland bislang nur in türkischer Sprache mit deutschen Untertiteln gezeigt. Er läuft laut Verleiher "Maxximum Film" in 65 Kopien vor allem in den großen Multiplex-Kinos. Eine deutsche Synchronfassung sei für März "angedacht", hieß es. Es soll die Synchronfassung in 300 Kopien geben. Der Film ist auch in anderen Ländern wie Österreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, England und der Schweiz zu sehen. Dort blieben Proteste wie in Deutschland aber bislang aus.

Bei der Galavorführung des Streifens in Ankara am 2. Februar war auch zahlreiche politische Prominenz vertreten. Parlamentspräsident Bülent Arinc wurde danach mit den Worten zitiert: "Ein fantastischer Film, der in die Geschichte eingehen wird." Kritiker meinen, der Westen, Juden und Christen insgesamt würden als Feinde des Islam dargestellt. Stoiber hatte Kinobetreiber aufgefordert, den "rassistischen und antiwestlichen Hass-Film" sofort abzusetzen. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte, wer den Film zeige, unterstütze den Hass auf jüdische Menschen.

DPA / DPA