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"Wer wird Millionär"-Gewinner: Schnoor will "keine Austern schlürfen"

Ein Märchen, ein Konditor, ein Riesengewinn: Der Hannoveraner Ralf Schnoor hat den Durchmarsch in der Rate-Show "Wer wird Millionär?" geschafft. Trotzdem will er in seinem "Café K" weiter Kuchen backen, das Klo putzen - und die Mitarbeiter an dem Geldsegen beteiligen.

Ralf Schnoor konnte Günther Jauchs Millionenfrage nach dem Namen der ersten deutschen Briefmarke spielend leicht beantworten. "Genau diese Frage hab' ich selbst recherchiert, die hat sich bei mir eingebrannt, Schwarzer Einser war kein Problem. Als ich die Frage gesehen hab', war mir klar: Tja, das Ding ist durch", sagte der 49-jährige Gewinner am Samstagnachmittag in seinem "Café K" in Hannover-Linden in einem Interview von dapd video. Dort veranstaltet er regelmäßig ein "Table Quiz".

So quittierte er die Frage mit einem genießerischen Lächeln, sagte nicht gleich die Antwort, sondern plauderte mit seinem Telefonjoker und dem geschlagen dreinblickenden Jauch. "Dann konnte ich ein bisschen spielen", freute er sich später. Das Publikum bei "Wer wird Millionär?" im Studio in Hürth bei Köln brach in Begeisterungsrufe aus und spendete Standing Ovations zum Glitzerregen am Schluss.

Über seine Gedanken kurz vor dem Millionengewinn sagte er: "Es war natürlich supergut, aber viel mehr als an die Million hab' ich daran gedacht, wie die Zuschauer mitgefiebert haben und dann applaudiert haben. Und auch bei der Situation, wie ich mit dem Telefonjoker gearbeitet habe, dann gelacht habe, und wie ich gemerkt habe, dass das wirklich gute Show war für die Zuschauer - das war wunderbar, da habe ich eigentlich mehr dran gedacht als an die Million, um ehrlich zu sein - in dem Moment."

RTL lobt auf seiner Internet-Seite: "Ralf Schnoor glänzte nicht nur mit seiner guten Intuition, sondern besitzt ein unglaublich gutes Allgemeinwissen." Der 49-Jährige selbst zeigte sich bescheiden. Er habe mit den Fragen Glück gehabt. "Und da, wo es nicht locker ging, hatte ich wunderbare Joker. Die haben wunderbar gestochen. Das hat hingehauen. Besser geht's nicht. Das war eine perfekte Runde!"

"Wie die Maden im Speck"

Der 49-Jährige, der nach dem Abitur eine Konditorlehre gemacht hat und seit 25 Jahren sein Café betreibt, sagte in der Sendung, er wolle nur 16.000 Euro für den Kauf einer Eigentumswohnung gewinnen. Als er die Hürde genommen hatte, zeigte er mehr Spaß am Spiel als Interesse am Geld. "Es ist in der Tat nur ein Spiel", sagte er zu dapd video.

"Man sollte das mit dem Geld nicht so ernst nehmen, man verliert dort nichts. Man kann dort nur gewinnen, und man sollte natürlich 'bella figura' dabei machen. Das ist unheimlich wichtig. " Für Schnoor zählt am meisten: "Wir sind gesund, wir leben hier schön und gut wie die Maden im Speck."

"Austern schlürfen und Champagner trinken - das ist langweilig!"

Auf die Frage, ob er sein Leben ändern werde, antwortete er: "Ja, was soll sich großartig ändern? Also, ich werde jetzt nicht nach Hamburg ziehen, Austern schlürfen und Champagner trinken. Das ist langweilig." Sein Leben sei bisher aufregend, schön und interessant gewesen. "Ich hab' wunderbare Freunde, 'ne wunderbare Frau, 'nen wunderbaren Job. Da ändert sich nicht viel. Es wird alles ein bisschen leichter, klar, kein Problem."

Er habe nun Geld, wenn er mal etwas investieren müsse. Und er müsse sich nicht so viel Sorgen um Altersrückstellungen machen, sagte Schnoor. "Wir werden 'ne schönere Wohnung haben. Aber im Prinzip bleibt alles gleich." Seine Ehefrau Sarah Atashfashan hatte ihm im Studio die Daumen gedrückt.

Schon in der Sendung hatte er seine Angestellten bedacht. Zu dapd video sagte er: "Selbstverständlich bekommen die Mitarbeiter erstmal 'ne schöne Lohnerhöhung, das ist klar. Meine Frau bekommt auch die Hälfte ab, das ist auch schon mal klar gewesen und ansonsten werden wir dann mal sehen, wer da noch profitiert. Aber dann ist ja schon mal ein großer Teil davon weg."

"Ich habe alle belogen"

Auf die Frage, ob er Neid anderer spüre, wehrte er ab: "Nein-nein-nein-nein, kein bisschen Neid. Nur positiv, ich hab nur Glückwünsche bekommen, nur Leute, die sich für mich freuen. Auch die Mails und die SMS, die ich bekommen habe, waren absolut ausnahmslos positiv."

Die Zuschauer im Studio, die ihm bei der Beantwortung der 32.000-Euro-Frage zum Autorennsport geholfen hatten, lud er in sein Café zu Kaffee und Kuchen ein. Mit seinen Freunden und Bekannten sah er sich am Freitagabend gemeinsam die bereits vor drei Wochen aufgezeichnete Sendung an. Den Gewinn durfte er bis zum Schluss der Sendung nicht verraten. Er habe ihnen gesagt, er habe die Millionenfrage falsch beantwortet und sei auf 16.000 Euro zurückgefallen. "Ich habe alle belogen", zitierte ihn die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" am Samstag.

Inge Treichel, DAPD / dapd