VG-Wort Pixel

"Das ist doch Diskriminierung" Geplante Toilettenhäuser in Berlin: Männer dürfen umsonst, Frauen müssen zahlen

Neue Toilettenhäuser in Berlin
193 neue Toilettenhäuser dieser Art werden in Berlin aufgestellt – die kostenlose Nutzung ist jedoch Männern vorbehalten (Symbolbild)
© Bildagentur-online/Joko / Picture Alliance
In Berlin sorgen 193 geplante Toilettenhäuser für Diskussionen. Männer sollen sich hier kostenlos erleichtern können, während Frauen gleich nebenan 50 Cent zahlen. Eine Diskussion über die Ungerechtigkeit entfacht. 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf RTL.de.

Das Problem kennt jeder: Die Blase drückt, doch weit und breit keine Toilette in Sicht. Damit nicht der nächste Baum herhalten muss, stellt die Stadt Berlin 193 neue Toilettenhäuser auf. "Wir versuchen ein niedrigschwelliges Angebot zu machen an bestimmten Plätzen, diese öffentlichen Toiletten mit kostenlosen Pissoirs auszustatten, damit die Männer eben nicht an den Baum, sondern auf die Toilette gehen", erklärt Jan Thomsen, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Umwelt in Berlin, im RTL-Interview. Bei den Männer läuft's also – aber was ist mit den Frauen? Gleich neben den Pissoirs, die alle mit männlichem Geschlechtsteil kostenlos benutzen können, sind Unisex-Toiletten. Ein Besuch hier kostet aber 50 Cent. Unfair, finden viele Frauen!

"Das find ich frech"

Auf die Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht hat Katalin Gennburg, Linken-Politikerin in Berlin mit einer Anfrage an den Senat. Damit trifft sie bei den Berlinern den richtigen Nerv. "Ich finde es viel besser, wenn wir in der Lage sind – als Stadt – eine Toilettenanlage sauber zu halten, als wenn wir 10.000 Leute in den Büschen haben, die sich diese 50 Cent gerade nicht leisten können", meint Jana aus Berlin. Auch Berlinerin Maike sieht die Frauen klar benachteiligt. "Das finde ich frech. Das ist doch Diskriminierung", sagt sie. Auch die Männer geben ihr recht. "Ich fände es auch richtig, wenn es für die Frauen auch umsonst wäre. Die Gleichberechtigung sollte gegeben sein", findet Sebastian. Das sieht auch Gennburg so und fordert deshalb von der Politik ein kostenloses Angebot auch für Frauen. "Ich glaube, es ist an der Zeit, das auch wirklich zu ändern. Es gibt auch andere Länder, andere Metropolen, die machen es vor", mahnt sie im RTL-Interview.

Stadt Berlin zeigt sich einsichtig

Die Stadt Berlin gesteht die Ungerechtigkeit ein, doch die sogenannte "Schutzgebühr" sei notwendig. Die Pissoirs sind von vorne offen, die Unisex-Toiletten mit einer Tür verschlossen. "Die Erfahrung zeigt leider, – aus vielen Jahrzehnten – dass öffentliche Toiletten anders gebraucht werden, um es sehr freundlich zusagen. Da übernachten Menschen, die machen da andere Sachen, sie randalieren. Sie wären dann sofort für alle nicht mehr brauchbar", erklärt Jan Thomsen vom Berliner Senat für Umwelt. Kurzum: In den Toiletten sollen keine Obdachlosen übernachten und sie sollen nicht verschmutzt werden. Gegen Damenurinale hat sich die Stadt Berlin bewusst entschieden, die Akzeptanz sei nicht groß genug.

Auch am Brüsseler Platz in Köln gibt es ein kostenloses Urinal und eine gebührenpflichtige Unisex-Toilette. Absurd ist hier aber zusätzlich, dass beide Toiletten eine Tür haben. Das Argument aus Berlin kann für Köln also nicht gelten. "Warum wird da überhaupt für bezahlt, das sind Dinge, die man täglich machen muss. Das finde ich unverschämt", beschwert sich eine junge Kölnerin. Scheint so, als würden noch viele Bäume gegossen werden, bis dieser Pipi-Zoff gelöst ist.

Eine Frau in Rock und rotem Oberteil steht vor einem Toilettenhäuschen, durch dessen Glaswand man eine Toilettenschüssel sieht

Sehen Sie im Video: Auf der Toilette möchte wohl niemand beobachtet werden. Doch Tokio bekommt nun 17 öffentliche Toiletten, die meist viele Einblicke gewähren. Damit verfolgen die Initiatoren gleich zwei Zwecke.

RTL.de/nba

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker