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Abschied von DDR-Bürgerrechtlerin: Trauergottesdienst für Bärbel Bohley

Mit einem Trauergottesdienst in der evangelischen Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauer Berg ist am Sonntag der verstorbenen DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley gedacht worden. Viele ehemalige Weggefährten, Freunde und Familienangehörige, darunter ihr Sohn Anselm, hatten sich in der Kirche versammelt.

Berlin hat Abschied von der DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley genommen. Etwa 1000 Menschen erwiesen der an Krebs gestorbenen Bohley in der vollbesetzten Gethsemanekirche bei einem Trauergottesdienst am Sonntag die letzte Ehre. Der helle Holzsarg mit Hortensien und Lilien war umsäumt von Kränzen und Blumen. Viele hatten Sonnenblumen oder Rosen mitgebracht.

Der Kreis für die Pazifistin, Oppositionelle und Mitbegründerin der Bürgerbewegung Neues Forum hat sich geschlossen. Die traditionsreiche Kirche in Prenzlauer Berg war eine Wiege der friedlichen Revolution im Herbst 1989, an der Bärbel Bohley maßgeblichen Anteil hatte. Bohley, die Stimme der DDR-Opposition, war am 11. September im Alter von 65 Jahren gestorben.

Zu den Trauergästen gehörten auch Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse und die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast. Auch zahlreiche DDR-Oppositionelle von einst waren gekommen, darunter Vera Lengsfeld, Günter Nooke, Katja Havemann und Ulrike Poppe, die heutige Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Brandenburg. Der evangelische Trauergottesdienst war ein Wunsch von Bohleys Familie.

Bohleys Ehemann saß auf einen Stock gestützt, gefasst und unbeweglich in der ersten Reihe, ebenso ihr Sohn. In dieser Woche wird Bohley im engsten Familien- und Freundeskreis in Berlin beigesetzt.

Pfarrer Gisbert Mangliers, der Bohley nicht selbst kannte, würdigte die gebürtige Berlinerin. "Das Leben war für sie mehr als die Sorge um sich selbst. Von ihr ging Mut und Ermutigung aus", sagte der 58-Jährige, der schon zu DDR-Zeiten Pfarrer war. Bohley habe unbequeme Fragen gestellt und sich das nicht von der DDR-Obrigkeit verbieten lassen. Und die studierte Malerin habe Verantwortung übernommen, wo andere lieber wegsahen. Den DDR-Vormundsstaat, der seinen Bürgern das Denken vorschreiben wollte, habe die überzeugte Pazifistin nicht akzeptiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach dem Tod von Bohley deren Geradlinigkeit als beispielhaft bezeichnet. Sie habe den Weg zur deutschen Einheit ermöglicht, sagte die in Ostdeutschland aufgewachsene Kanzlerin.

Ulrike Poppe zeigte sich am Sonntag tief bewegt über den Tod der einstigen Mitstreiterin und Freundin. Sie frage sich noch immer, ob die Krebserkrankung von Bohley auf die Behandlung in der Stasi-Haft zurückgehe, sagte Poppe der dpa. "Bärbel ist viel zu früh gestorben."

Mehrmals saß die für das SED-Regime unbequeme Bohley im Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Ihre Wohnung in Prenzlauer Berg war Treff für Kritiker des SED-Regimes und Diskutierstube. Aber auch Verhaftung und Ausweisung aus der DDR brachten die Kritikerin nicht zum Schweigen, sie erzwang ihre Rückkehr. Auch nach der Wiedervereinigung war sie nie in einer Partei. Seit Mitte der 90er Jahre half sie im kriegszerstörten ehemaligen Jugoslawien beim Wiederaufbau und kümmerte sich mit ihrem Mann um Waisenkinder. 2008 war sie wegen ihrer Erkrankung nach Berlin zurückgekehrt.

APN/DPA / DPA